Rote Karte für den Rechtsaußen

Marcus Weinberg (links), Kapitän des FC Bundestag, mit Pierre Littbarski.
Marcus Weinberg (links), Kapitän des FC Bundestag, mit Pierre Littbarski.

Hamburger CDU-Politiker Marcus Weinberg ist Kapitän des FC Bundestag – und setzt klare Zeichen

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24. Juni 2018, 11:19 Uhr

In diesen Tagen dreht sich beim Altonaer CDU-Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg (51) alles um den Fußball. Als Kapitän des FC Bundestag ist er ein gefragter Mann, der es im Auswärtstrikot der deutschen Nationalmannschaft sogar auf den Titel des ZEIT-Magazins geschafft hat. Beim Plausch in seinem Hamburger Büro zeigt er bei Kaffee und Keksen auf seinem Handy stolz Fotos, auf denen er mit Trainer-Größen wie Christoph Daum und Felix Magath zu sehen ist.

Auf einer Veranstaltung seiner Partei hat er mit dem früheren HSV-Star über Deutschlands Schlappe gegen Mexiko diskutiert. „Wir waren in der Defensive sehr anfällig, Kimmichs Seite war offen wie ein Scheunentor“, ärgert sich Weinberg noch Tage später.

Weinberg sitzt seit 2005 im Bundestag, ist familienpolitischer Sprecher und gehört zum liberalen Flügel der CDU. Seine Partei wünscht sich der Freund schwarz-grüner Bündnisse als „moderne Großstadtpartei“.

Seit frühester Jugend interessiert er sich für Politik: „Als kleiner Junge war ich Helmut-Schmidt-Fan und habe mich als Grundschüler für ihn sogar mit einem Kohl-Anhänger gebeult.“ Raue Sitten waren das Mitte der 1970er-Jahre in Altona-Altstadt, wo der kleine Marcus als Sohn eines Schlossers und späteren Kunststoffformgebers und einer Rechtsanwaltsgehilfin aufwuchs. Eine Biografie, wie maßgeschneidert, um mal bei der SPD zu landen. Warum der Schwenk zur CDU? Er sei der Partei wegen des „unerträglichen Filzes in der Hamburger SPD und deren Kreativlosigkeit“ beigetreten. Außerdem hätten ihn das christliche Menschenbild und die soziale Marktwirtschaft als Markenkerne fasziniert.

Studiert hat er Geschichte, Sozialwissenschaften und Pädagogik, um Lehrer zu werden. Seine Examensarbeit behandelte Stalins Kriegsvorbereitung 1941. Die Sowjetunion hatte damals Soldaten an der Grenze zum Deutschen Reich stationiert, was rechte Historiker zur steilen These verleitete, Hitler sei Stalin nur zuvor gekommen, als er die UdSSR überfiel. „Alles Quatsch“, sagt Weinberg, „dafür gibt es keinen nachweisbaren Beleg. Stalin plante keinen aktiven Angriff, sondern „marschierte nur für alle Fälle an der Grenze auf“.

Man darf vermuten, dass viele AfD-Politiker das anders sehen. Mit rechtsextremen Volksvertretern muss sich Weinberg nicht nur im Plenarsaal herumplagen, sondern auch als Kapitän des FC Bundestag, der Fußballmannschaft des Parlaments. Mitspielen dürften nicht alle – Rechtsaußen Sebastian Münzenmaier bekam die Rote Karte: „Ein Gericht hat ihn wegen der Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung im Zusammenhang mit einem Fußballspiel verurteilt, auch wenn das Urteil nicht rechtskräftig ist. Das ist mit den Werten des FC Bundestag nicht vereinbar.“

In Sachen Werte fühlt sich Weinberg beim FC St. Pauli gut aufgehoben, für den er bis zur B-Jugend kickte und seitdem als Dauerkartenbesitzer treu geblieben ist: „Doch mehr als zehn, elf Heimspiele lässt mein Terminkalender leider nicht zu.“ Übrigens: Weinbergs Weltmeister-Tipp ist Frankreich.

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