Tag der BUndeswehr in Appen : Röhrende Panzer, riesiges Flugzeug und Soldaten im Kampfeinsatz

Laut wird es, als der Minenräumpanzer über das Gelände fährt.
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Laut wird es, als der Minenräumpanzer über das Gelände fährt.

Tausende Besucher waren in die Marseille-Kaserne nach Appen gekommen. Friedensaktivisten demonstrieren.

shz.de von
11. Juni 2018, 16:00 Uhr

Appen | Zwei Soldaten steigen aus dem gepanzerten „Dingo“, sichern die Umgebung. Dann klettern die übrigen Soldaten aus dem Wagen. Die Uniformierten kommen ins Gespräch mit Einheimischen, als sie plötzlich aus einem Haus beschossen werden. Die Soldaten suchen Deckung und werfen Nebelgranaten, um einen Angriff auf das Haus vorzubereiten. Soweit das Nato-Standard-Verfahren, demonstriert vom Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ vor mehreren Hundert Zuschauern in der Appener Marseille-Kaserne.

„Ihr übt Krieg, wir üben Frieden“

Was dann kommt, ist nicht geplant: Acht junge Leute stehen plötzlich zwischen den Soldaten im Rauch und entrollen ein Transparent: „Ihr übt Krieg, wir üben Frieden“. Dazu skandieren sie: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Die Übung stockt, Feldjäger und Ordner kreisen die Demonstranten ein. „Das gehört zur Demokratie“, kommentiert Moderator Carsten Kock und nennt die Friedensaktivisten „nett und gesprächsbereit“. Nach fünf Minuten hat man sich geeinigt, die jungen Leute dürfen ihr Transparent am Rand der Vorführung zeigen. Die Übung geht weiter: Das Haus wird gestürmt, Angreifer erschossen, ein Soldat verwundet und versorgt.

Die Demonstranten werden anschließend zu anderen Aktivisten des Friedensnetzwerks im Kreis Pinneberg geführt, die sich vor zwei Kasernentoren aufgestellt haben. „Wenig Reaktion“ erntet dort Bernd Frohböse von der DKP: „Der Shuttle-Bus fährt ja durch“.

Bundeswehr zum Angucken

Bundeswehr zum Angucken und -fassen, als freundliche Organisation und perfekte Gastgeber: So das Konzept beim vierten Tag der Bundeswehr am Sonnabend. Der wurde unter dem Motto „Willkommen Neugier“ an 16 Standorten bundesweit begangen. Zum ersten Mal war die Marseille-Kaserne in Appen in ihrem Jubiläumsjahr dabei: 30 Jahre Unteroffiziersschule der Luftwaffe.

Erwartet hatten die Organisatoren 10 000 Besucher; schon nach einer Stunde waren 2500 gekommen, der Strom riss nicht ab.

„Wann kannst du mal in die Transall rein oder in einen Panzer?“, die vielen Möglichkeiten begeistern Karsten Heine aus Hanwarde bei Geesthacht. „Das ganze Digitale“ in den modernen Waffensystemen interessiert den „altgedienten Soldaten“ Hans-Jürgen Makowski aus Moorrege. Für den Teenager Canel-Key Artar aus Pinneberg steht schon fest, dass er zur Bundeswehr will, am liebsten als Fallschirmjäger.
Jannik Höft, 14, aus Horst bei Elmshorn strahlt aus dem Cockpit einer Transall, die extra zum Tag der Bundeswehr in Appen eingeflogen ist: „Ist cool da, die vielen Knöpfe und Schalter“. Das große Transportflugzeug ist zur Besichtigung frei. Die Schlange ist ähnlich lang wie beim Tornado ein paar Meter weiter. Hubschrauber, Panzer, Kran, Fahrzeuge aller Art stehen in Appen bis zum Faltstraßengerät, einem LKW, der 50 Meter Straße verlegen kann. Die Bundeswehr hat sich für ihre große Feier viele
Gäste eingeladen: Feuerwehr, DRK, DLRG, THW und Polizei sind mit vielen Abteilungen vertreten. THW und Feuerwehr pumpen, Autos und Boote sind aufgebaut, der Katastrophenschutz hat seine Dekontamination aufgestellt, das Museum für Rotkreuz-Geschichte präsentiert sich im Zelt, woanders werden Sandsäcke fachmännisch verladen.

Panzer röhren, ein Shanty-Chor singt, Flugzeuge starten und landen. Umsonst gibt es Suppe aus der Gulaschkanone, Stoffbeutel mit dem Aufdruck: „Spind zum Mitnehmen“, jede Menge Informationsmaterial und zum Glück Wasser in Tetra-Packs in beliebiger Menge. 800 Soldaten und 200 Hilfskräfte arbeiten an diesem Tag mit, erläutert Philipp Kloß, Presseoffizier bei der Luftwaffe in Berlin. Ein Jahr hat die Vorbereitung gedauert, die Organisatoren wollten an alles denken: An „Hundebars“ stehen Wassernäpfe bereit, Fluchtwege sind ausgeschildert, eine Bimmelbahn fährt übers Gelände, Besucher werden per Shuttle-Bus geholt und gebracht, zahlreiche Ordner regeln den Autoverkehr. Die Soldaten geben sich offen, freundlich, gesprächsbereit und geduldig. Kathrin Nolte, Rechts-Lehrerin für die Unteroffiziere in Appen, zeigt sich rundum begeistert bei ihrem Familienausflug zur Kaserne: „So etwas Tolles habe ich hier noch nie gesehen.“


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