Revolution in der Geburtshilfe

34 Jahre lang hat Dr. Stefan Geist vollen Einsatz für die Weiterentwicklung gezeigt. Auf seine Erfolge ist er sehr stolz.
34 Jahre lang hat Dr. Stefan Geist vollen Einsatz für die Weiterentwicklung gezeigt. Auf seine Erfolge ist er sehr stolz.

Nach 34 Jahren in den Ruhestand: Dr. Stefan Geist, Gynäkologie-Chefarzt am Regio-Klinikum Pinneberg, blickt zurück auf seine Arbeit

shz.de von
09. Juni 2018, 16:00 Uhr

Ein Urgestein verlässt das Regio-Klinikum Pinneberg: Nach 34 Jahren sagt der Chefarzt der Gynäkologie Dr. Stefan Geist Tschüss. Nach 13 Jahren scheidet er zudem aus dem Vorstand des Klinik-Fördervereins aus. Sein Nachfolger ist sein Fachkollege Dr. Peter Paluchowski, seit 2010 gleichberechtiger Chefarzt der Gynäkologie: Die beiden haben viele Jahren zusammengearbeitet. „Es war eine eingespielte und bewährte Kooperation zwischen uns beiden. Für mich ist es eine große Beruhigung, dass er die Abteilung weiterführen wird. Bei ihm und seinen Mitarbeitern ist alles gut aufgehoben“, sagt Geist. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt er zurück auf seine Karriere. Sein Weg führte ihn dabei zuerst weit hoch in den Norden, nach Kiel.

Der gebürtige Stuttgarter entwickelte früh eine Faszination für den Beruf des Arztes. In Rekordzeit studierte er, brauchte lediglich zwölf Semester und konnte bereits mit 25 Jahren sein Studium abschließen. Währenddessen führte ihn sein Weg nach Kiel. „Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt. Gemeinsam entschieden wir dann, nicht wieder zurück in den Süden zu ziehen“, erinnert sich Geist. Bis heute habe er diese Entscheidung nie bereut.

Seine erste Station in einem Krankenhaus war in Neumünster. Dort arbeitete er in der Chirurgie. „Das war eine gute Sache und ich habe einen guten Einblick erhalten“, lautet das Fazit. Damals stand für ihn fest, dass er im Bereich der Inneren Medizin arbeiten möchte. Doch dann kam ihm die Klinik in Kaltenkirchen dazwischen. „Ich musste in der Gynäkologie einspringen. Als ich dann eigentlich wieder gehen wollte, hat es bei mir Klick gemacht“, sagt der gebürtige Stuttgarter. Ein weiterer Grund für diese Entscheidung: „Ende der 1970er Jahre waren die großen Fächer Innere und Chirurgie auch damals schon sehr breit gefächert und für den einzelnen Arzt nur noch teilweise zu überblicken, hingegen war die Gynäkologie noch als Ganzes zu überblicken.“ Bestandteil des Bereichs waren die operative Therapie, die Geburtshilfe sowie die Psychologie. „Die Psychologie hat mich schon immer interessiert. Jedoch bin ich durch meinen Vater und älteren Bruder vorgeprägt, die waren Psychoanalytiker“, erläutert Geist. Dennoch führte sein Weg von Kaltenkirchen auf die andere Elbseite, nach Stade. Mit den Jahren gewann er immer weiter an Routine und so kam Geist als junger Assistenzarzt im April 1984 ans damalige Kreiskrankenhaus Pinneberg – und er blieb. 1985 wurde er bereits zum leitenden Oberarzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung befördert und gerade einmal acht Jahre später, 1993, übernahm er kommissarisch die Leitung der Abteilung. Von 1994 bis heute war Geist an der Spitze. Ganz besonders stolz ist er auf die Entwicklung seiner Abteilung, die er maßgeblich vorangetrieben hat. Früh ergriff er die Initiative, um die Herausforderungen der Umbrüche im Gesundheitswesen zu meistern.

Bereits 1994 begann Geist mit dem Aufbau einer Tagesklinik für ambulantes Operieren und einer onkologischen Tagesklinik. „Das gab es damals nirgendwo sonst in Schleswig-Holstein, Standard war die stationäre Behandlung“, erklärt er. Sein nächstes Ziel: Das Zertifikat für ein Brustzentrum. Dazu holte er seine Kollegen aus Elmshorn mit ins Boot. „Obwohl es damals Reibungen zwischen den Kliniken in Pinneberg und Elmshorn gab, haben wir uns zusammengerauft und das hat uns sehr gut getan“, erinnert sich der Mediziner. Die Anforderungen für das Zertifikat waren hoch. „Ich war vier Monate durchgehend in der Klinik“, sagt Geist im Gespräch. Beinah sei das Unterfangen an der Menge der neu zu bewältigenden Aufgaben gescheitert, „aber wir haben es durchgezogen“. Um das Ziel erreichen zu können, mussten zahlreiche Auflagen – unter anderem Brandschutz und Hygienevorgaben – erfüllt werden. „Dabei wurden wir vom Förderverein sehr unterstützt. Sie haben uns das Geld für die Maßnahmen vorgestreckt.“ 2005 war es dann soweit und das Team hatte das Zertifikat in der Tasche. „Der Einsatz hat sich auch bis heute für die Patientinnen und diese Abteilung gelohnt, die Zertifizierung war der Grundstein für die weitere Entwicklung der Gynäkologie und vieler weiterer Abteilungen der heutigen Regio-Kliniken“, lautet das Fazit von Geist.

Heute ist die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Regio-Klinikum Pinneberg eine der größten, modernsten und leistungsstärksten in Schleswig-Holstein. Mehr als 1200 Kinder kommen dort jährlich zur Welt. Geist und seinem Team ist es zu verdanken, dass diese Entwicklung der Abteilung überhaupt möglich war. „Wir haben die Geburtshilfe revolutioniert“, sagt Geist. Dazu zähle der Kaiserschnitt mit Spinalanästhesie, Rückenmarksnarkose, die Wassergeburt sowie ein aktives Stillmanagement. „Wir haben viel bewegt.“ Im Jahr 2013 initiierte er gemeinsam mit seinem seit 2010 als gleichberechtigter Chefarzt tätigen Fachkollegen Dr. Peter Paluchowski das gynäkologische Krebszentrum.

Das nächste Ziel: das Zertifikat „Babyfreundliche Klinik“. 2014 dann die Bestätigung für die harte Arbeit. Die Abteilung erhielt das Zertifikat gemäß den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef). Das jüngste „Baby“ ist eine von nur etwa 100 Kliniken in Deutschland, die das Zertifikat erhielt. Maßstab für dessen Erlangen sind zehn sogenannte B.E.St. Kriterien. Diese Abkürzung steht für Bindung, Entwicklung und Stillen.

Der Beruf kann an die Substanz gehen. Das musste auch Geist schnell feststellen. So war das Segeln für ihn stets ein guter Ausgleich zu seinem Job. „Damit habe ich sehr früh angefangen, bereits während meines Studiums. Bis vor zehn Jahren habe ich das auch sehr aktiv betrieben“, sagt Geist im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch eine Rückenerkrankung kam dazwischen und er musste den Sport an den Nagel hängen. Jetzt ist es besonders die Kunst, die ihn ins Schwärmen geraten lässt. Zweimal im Jahr organisiert er Ausstellungen für das Klinikum. „Patienten, Mitarbeiter und Besucher freuen sich darüber. Dann lohnt sich der Einsatz auch.“ Er selbst habe sich angewöhnt, jeden Abend nach Feierabend vor einem Bild stehenzubleiben, und es genau zu betrachten.

Eine weitere große Leidenschaft: Italien. Das Land hat es ihm angetan. „Meine Eltern hatten dort seit 1963 ein Landgut in der südlichen Toskana“, erinnert er sich. Er und seine Frau übernahmen das Gut im Jahr 1984, viele Jahre haben sie dort Wein und ein hochwertiges Olivenöl angebaut. Im Jahr 2007 haben sie sich dann aus der Toskana verabschiedet. „Rational war das die richtige Entscheidung, doch emotional hänge ich noch immer sehr daran.“ Die Liebe zu dem Land ist somit bis heute geblieben. Er bezeichnet sich selbst als italophil. Italien sei das Zentrum der Kultur: „In jedem Kuhdorf findet man etwas ganz Tolles.“

Auch die Musik hat es ihm angetan. Seit vielen Jahren spielt er aktiv Querflöte. Dabei sucht er sich immer wieder Musikpartner. „Die Musik nimmt einen zentralen Teil meines Lebens ein.“ Ein weiteres Hobby sind seine zwei Hunde. Zwar sei die Wahl der Rasse über die Jahre von einem Schäferhund hin zu einem Schoßhund gegangen, doch ohne Hund geht es für ihn gar nicht. „Ich brauche immer Hunde um mich herum“, betont er. Entspannung erhält Geist dann auf Föhr, wo er gemeinsam mit seiner Frau eine Wohnung besitzt.

Doch wird sich Geist nach so vielen Jahren Berufstätigkeit wirklich auf die faule Haut legen? So ganz kann er das nicht. Er wird seine Privatsprechstunde fortführen und als Experte den Zertifizierungsprozess anderer Kliniken kritisch begleiten. „Das ist für mich ein Ansporn, dran zu bleiben. Man muss dafür immer auf dem neusten Stand sein“, sagt Geist.

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