Aktion in Rotterdam : Retter aus dem Kreis Pinneberg helfen 550 Schwänen

Christian Erdmann war in Rotterdam an der Aktion beteiligt. Mehr als 550 Höckerschwäne konnten gerettet werden.

Christian Erdmann war in Rotterdam an der Aktion beteiligt. Mehr als 550 Höckerschwäne konnten gerettet werden.

Katharina und Christian Erdmann von der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop waren an der Aktion beteiligt.

shz.de von
09. August 2018, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Sie haben wieder ein prächtiges, weißes Gefieder  und – viel wichtiger – sie haben überlebt. Mehr als 550 Höckerschwäne konnten gerettet werden, nachdem sie mit Schweröl in Kontakt gekommen waren, das in Rotterdam ausgelaufen war. An der Rettungsaktion beteiligt waren auch Katharina und Christian Erdmann von der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop.

Mitte Juni war das 283 Meter lange norwegische Tankschiff „Bow Jubail“ im Rotterdamer Hafen mit einem Pier kollidiert. 213 Tonnen Schweröl liefen aus und verschmutzten auf mehreren Dutzend Kilometern das Gewässer. Neben zahlreichen im Hafenbereich liegenden Schiffen wurde auch das umliegende Ökosystem arg in Mitleidenschaft gezogen und mit der giftigen Masse kontaminiert.

Katharina  Erdmann (Mitte) von der Wildtierstation  in Klein Offenseth-Sparrieshoop beim Waschen Schwans.
Erdmann

Katharina  Erdmann (Mitte) von der Wildtierstation  in Klein Offenseth-Sparrieshoop beim Waschen Schwans. 

 

Hunderte Höckerschwäne gerieten ebenfalls in Kontakt mit dem Schweröl. Sie mussten geborgen werden, um sie in einer extra eingerichteten Rehabilitationsstation zu stabilisieren, zu reinigen und auf ihre Wiederauswilderung vorzubereiten. 

Zuständig für die koordinierte Rettungsaktion war Rijkswaterstaat, eine Behörde des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt. Die professionelle Rehabilitation von verölten Vögeln ist ein Spezialgebiet, in welchem es weltweit nur wenige Experten gibt. In Europa hat sich vor einigen Jahren mit Unterstützung der Europäischen Union das Eurowa Module formiert (European Oiled Wildlife Assistance),  das  auch in Rotterdam zum Einsatz kam.

Rehabilitationszentrum aufgebaut

„Innerhalb von 48 Stunden haben wir ein 1200 Quadratmeter großes Rehabilitationszentrum aufgebaut, um den betroffenen Tieren adäquat helfen zu können“, berichtet Katharina Erdmann vom deutschen Eurowa-Partner Pro Bird  aus Hamburg.

„Die ersten Tage eines Ölschadenfalles, bei dem Wildtiere betroffen sind, sind entscheidend“, sagte Erdmann. Daher sei  es immens wichtig, perfekt auf den Tag X vorbereitet zu sein. „Gemeinsam mit unseren europäischen Mitstreitern im Eurowa-Module haben wir in den vergangenen Jahren verschiedene Szenarien durchgespielt, Handlungsempfehlungen und Trainingskurse entwickelt und arbeiten strikt nach einer gemeinsam entwickelten Standardvorgehensweise, um den betroffenen Tieren adäquat und schnell helfen zu können“ sagte sie.  In Rotterdam  wurden insgesamt 648 Höckerschwäne behandelt.  „Bislang konnten über 550 Tiere nach einer erfolgreichen Rehabilitation wieder in die Wildbahn entlassen werden. Mit einer Auswilderungsquote von über 90 Prozent kann man von einer äußerst erfolgreichen Rettungsaktion sprechen.“

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