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DAS SONNTAGSGESPRÄCH : Repair Café Pinneberg: „Hilfe zur Selbsthilfe“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch: Heute mit Holger Jensen (Repair Café Pinneberg).

Pinneberg | Holger Jensen ist Gründer des Repair Cafés in Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erläutert er unter anderem, wie er und seine Mitstreiter die Wegwerfkultur durchbrechen wollen.

Was macht das Repair Café?
Wir bieten Menschen mit kaputten Haushaltsgegenständen an, zu uns zu kommen. Wer keine Firma findet, die diese repariert, kann bei uns sein Glück versuchen. Wie viel sie letztendlich für die Instandsetzung zahlen möchten, entscheiden die Menschen per Spende selbst. Die Einnahmen kommen der Optimierung des Repair Cafés und der Lutherkirche zugute.

Wer hilft beim Repair Café mit?
Zu unserem Team gehören derzeit  39 Ehrenamtliche. Wenn wir zum Repair Café einladen, benötigen wir etwa 24 Aktive. Ein Drittel kümmert sich dabei um das Drumherum und organisiert den Empfang und die Zuweisung der Gäste auf die Reparaturplätze und das Café. Der Rest kümmert sich um die Reparaturen. Es gibt verschiedene Bereiche: Computer, Elektrotechnik, Spielzeuge, Textilien, Fahrräder und Holzarbeiten – für alles haben wir Experten vor Ort. Verstärkung mit handwerklicher Begabung wird aber weiterhin gebraucht. Unser Repair Café findet vier Mal pro Jahr im Gemeindehaus der Pinneberger Lutherkirche statt. Das nächste Mal laden wir am 18. Februar 2017 von 14 bis 17 Uhr ein. Wer zu uns kommt, gewinnt auf alle Fälle. Was wir nicht reparieren können, wäre meistens sowieso in den Müll gewandert. Selbst, wenn wir nicht helfen können, entspannen sich unsere Gäste einfach bei Kaffee und Kuchen und genießen die angenehme Stimmung.

Wie kam es zu der Gründung des Repair Cafés?
Repair Cafés gibt es schon seit sechs Jahren und an vielen anderen Orten. Darüber hatten meine Frau und ich einen Bericht im Fernsehen gesehen. Da ich zu der Zeit gerade in die passive Altersteilzeit ging und den Umbau meines eigenen Hauses hinter mich gebracht hatte, war die Zeit für neue Projekte da. Weil ich ausgebildeter Radio- und Fernsehtechniker bin und zu Hause alles selbst mache, war das Repair Café genau das Richtige für mich. Diese Idee stellten wir in der Gruppe „Leben fairändern“ der Lutherkirche vor, in der wir bereits mitarbeiteten. Alle waren Feuer und Flamme und schnell waren genügend Experten und Helfer gefunden. So ging es im November 2014 auch in Pinneberg mit dem Repair Café los.

Sind Sie selbst eigentlich auch ein begeisterter Bastler?
Auf jeden Fall. Ich repariere alles, was im Haus irgendwie kaputt geht. Ab und an auch zum Leidwesen meiner Frau, weil die manchmal lieber etwas Neues hätte. Unsere Nachbarn nutzen meine Fähigkeiten ebenfalls gerne. Wenn bei meinen Enkeln Spielzeug defekt ist, versuche ich gemeinsam mit ihnen, dieses wieder instand zu setzen. Dabei zeige ich ihnen gleich, wie sie die Werkzeuge handhaben müssen.

Wieso wird ein Repair Café gebraucht?
Wir versuchen, die Wegwerfkultur zu durchbrechen. Ohne das Repair Café gibt es doch häufig gar keine andere Option, als das zu entsorgen, was kaputt ist. Reparaturen sind nicht möglich oder zu teuer. Dass der Bedarf für unser Angebot da ist, hat sich längst gezeigt. Wir haben inzwischen mehr als 400 Gegenstände repariert. Unsere Erfolgsquote lag beim letzten Café bei 77 Prozent. Weil uns immer mehr Ersatzteile und Spezialwerkzeuge zur Verfügung stehen, werden wir immer besser. Wir binden die Besitzer übrigens in unsere Arbeit mit ein, damit sie beim nächsten Mal die Reparatur vielleicht sogar selbst vornehmen können. So leisten wir auch Hilfe zur Selbsthilfe. Damit fangen wir schon bei den Kleinen an. Deshalb sind wir zum Beispiel auch 2017 wieder bei den Kreisumwelttagen dabei. Dort können Schulklassen sich für ihren eigenen Repair-Café-Termin anmelden.

Gibt es Reparaturen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Einmal kam ein junges Pärchen mit zwei identischen, aber defekten Kaffeemaschinen. Bei einer war die Brühgruppe, bei der anderen die Elektronik defekt. Also bauten wir die Elektronik aus der Maschine mit der kaputten Brühgruppe in die andere Maschine ein. So war zumindest eine Kaffeemaschine wieder betriebsbereit. Diese haben wir dem Pärchen in die Hand gedrückt mit dem  Hinweis: Nun können sie ja zusammenziehen. Uns bereitet aber grundsätzlich jede Reparatur enorm viel Freude. Es gibt immer wieder einen kleinen Adrenalinschub, wenn eine Reparatur erfolgreich war.

Holger Jensen (64) ist Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik. Er wohnt in Pinneberg-Waldenau, ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder.
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