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Pinneberg : Repair Café der Lutherkirche ist ein Riesenerfolg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Am 7. Februar steigt die zweite Auflage: Experten reparieren kostenlos Elektrogeräte.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 17:00 Uhr

Pinneberg | Das Bügeleisen wird nicht mehr heiß, der Fernseher hat seinen Geist aufgegeben und der Föhn funktioniert auch nicht mehr. Was tun mit den Geräten? Gewöhnlich landen sie auf dem Müll und werden durch neue ersetzt, die nach kurzer Zeit wieder kaputtgehen. Diesen Teufelskreis wollen Holger Jensen und seine Mitstreiter durchbrechen. Um die Ressourcen zu schonen. Um die Umwelt zu schützen. Um sie zu erhalten. Im November vergangenen Jahres organisierte er nach Amsterdamer Vorbild das Repair Café. Ein Riesenerfolg.

Jetzt gibt es am Sonnabend, 7. Februar, eine Wiederauflage. Von 14 bis 17 Uhr werden sogenannte Reparateure im Gemeindehaus der Lutherkirche Pinneberg, Kirchhofsweg 53a, defekte Computer, Föhne, Fahrräder, Staubsauger und vieles mehr reparieren. Sogar Pullover mit Mottenlöchern werden gestopft, und auch ein Puppendoktor ist im Einsatz. Einfach so, kostenlos, in ihrer Freizeit. Nur um eine Spende wird gebeten.

„Ich habe durch das Fernsehen von dem Repair Café gehört. Meine Frau Eike-Bettina sagte: Das wäre etwas für dich“, erinnert sich Jensen, der sofort Feuer und Flamme war. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker und Elektroingenieur, der 30 Jahre lang beim Axel-Springer-Verlag für die Kommunikationsplanung verantwortlich war, greift selbst gern zum Lötkolben und Strommessgerät. Er weiß aus Erfahrung: „Man muss ein Dampfbügeleisen nicht wegschmeißen, nur weil eine kleine Thermosicherung kaputtgegangen ist. Eine neue Sicherung kostet nicht mal einen Euro – und schon läuft das Bügeleisen wieder“, sagt er. Die Aktion sei somit auch ein Hilfe-zur-Selbsthilfe-Konzept: „Jeder, der uns ein Gerät bringt, lernt, dass es sich reparieren lässt, “, sagt Jensen. Zwar gebe es keine Garantie, dass jedes der Teile wieder zum Laufen gebracht werde: „Das wäre vermessen.“ Aber: „Unsere Erfolgsquote liegt bei mehr als 60 Prozent. Sogar einen Super-Acht-Filmprojektor konnte ich wieder zum Laufen bringen“, berichtet Jensen stolz.

Zum Organisations-Team gehören 27 Mitglieder – die Hälfte wird am Sonnabend diagnostizieren, beraten, schrauben und löten. Darunter sind ein Elektro- als auch ein Computertechniker. Und eine Schiffsingenieurin wird Räder wieder in Schuss bringen.

„Während der drei Stunden werden pro Arbeitsplatz etwa sechs kaputte Elektrogeräte repariert“, informiert Jensen. Eine Bücherecke, ein Stand mit fair gehandelten Produkten und ein Café-Bereich soll die Wartezeit verkürzen. Der Organisator ist stolz darauf, dass seine Aktion schon Wellen im Kreis geschlagen hat: Elmshorn hat ein Repair Café. Und Halstenbek und Rellingen wollen diesem Beispiel folgen. Jensen hat aus diesen Orten Anfragen erhalten.

Für Pinneberg plant der Elektroingenieur, das Umweltprojekt vierteljährlich anzubieten, denn in der Lutherkirchengemeinde wird Umweltschutz großgeschrieben: So gehört Jensen der Gruppe „Leben fairändern“ an. „Wir versuchen, das eigene Leben anders zu gestalten, indem wir zum Beispiel eine Foodcoop gegründet haben und Obst und Gemüse nur aus der Region beziehen.“ Auch mit den Lebensmittelläden steht die Gruppe in Verbindung, um sich über das umstrittene Freihandelsabkommen zu unterhalten. Auch Pastorin Martje Brandt macht dabei mit: Sie hat ihr Auto abgeschafft – und fährt Rad.

Reparieren statt wegschmeißen: Genau das ist das Konzept vom Repair Café, einer Initiative, die vor einigen Jahren in den Niederlanden ihren Anfang nahm. Inzwischen gibt es 400 Cafés weltweit, 50 allein in Deutschland. Die pfiffige Idee: Experten wie Elektriker, Schneiderinnen, Tischler oder Fahrradmechaniker sind vor Ort und reparieren kostenlos kaputte Geräte, Puppen oder Fahrräder, die die Leute mitbringen.
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