Wochenserie: Neue Heimat : Rentnerpaar aus Elmshorn kümmert sich ehrenamtlich um Flüchtlinge aus Syrien

Willkommen in Elmshorn: Susanne Waack schnippelt Obst für Hassan, Ahmed und Abier.
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Willkommen in Elmshorn: Susanne Waack schnippelt Obst für Hassan, Ahmed und Abier.

„Jetzt haben wir Enkelkinder“- Rentnerpaar entschloss ich Anfang des Jahres zu helfen. Elmshorner Willkommens-Team sucht weitere Unterstützer.

shz.de von
30. Juli 2015, 12:00 Uhr

Elmshorn | Ein bisschen Deutsch üben, gemeinsam kochen und backen, bei Behördengängen helfen: Überall im Kreis Pinneberg sind Ehrenamtliche unterwegs, die Flüchtlingen helfen, in der neuen Heimat die ersten Schritte zu machen. So wie Susanne und Matthias Waack aus Elmshorn.

Die beiden sind Rentner. Anfang des Jahres entschlossen sie sich, ins Rathaus zu gehen. Dort suchte Michael Dürr vom Amt für Bürgerbelange alle 14 Tage Freiwillige, die sich um Flüchtlingsfamilien in der Stadt kümmern. Inzwischen übernimmt diese Koordination alle drei Wochen der Verein Willkommens-Team.

„Herr Dürr stellte mehrere Familien mit Namen, Alter und Zahl der Kinder vor“, erinnert sich Susanne Waack. Am Schluss las er die Daten einer Familie mit sechs Kindern vor. Niemand meldete sich, und dann flüsterte ihr Mann: „Wir wollten doch helfen.“ Susanne Waack handelt. „Da habe ich mich gemeldet“, erzählt sie.

Ein halbes Jahr später sitzen die Waacks auf einer Terrasse im Elmshorner Süden – mit der achtköpfigen Familie Alsatouff aus Syrien und dem ebenfalls ehrenamtlichen Dolmetscher Abdel Moneim Laban. Susanne Waack hat einen Kuchen gebacken. Sie schnippelt Obst für Hassan (3), Ahmed (9) und Abier (7). Matthias Waack hat die einjährige Norman auf dem Schoß und unterhält sich mit Mohammed (14). „Jetzt haben wir Enkelkinder“, strahlt die Frau mit den silbernen Haaren. Ihre eigenen Kinder sind 47 und 41 Jahre alt. Die beiden haben noch keinen eigenen Nachwuchs.

Beim ersten Besuch der Waacks dolmetschte ein Freund der Familie Alsatouff. „Eine Woche später haben wir allein versucht, miteinander zu sprechen“, erinnert sich Susanne Waack. Große Sorgen machte ihnen das Sprachproblem nicht, sagt Matthias Waack. „Wir sind viel gereist, meine Frau war oft in Asien, vor allem in Indonesien.“ Wichtig sei, dass die Chemie stimme. Und die passt offenbar zwischen den deutschen Rentnern und der syrischen Großfamilie. „Das ist eine sehr offene und freundliche Familie“, findet Matthias Waack. Amjad Alsatouff (37) lässt seine Wertschätzung spüren, indem er Susanne Waack immer wieder in den Arm nimmt. „Wir wollten in ein Land, wo es keine Verfolgung gibt und Rechtssicherheit“, sagt Amjad Alsatouff. „Wir haben viele Kinder, wir dachten, hier finden die eine gute Zukunft, können Schulen besuchen und Berufe erlernen.“

Gaouhara Alhaj Younes mit ihrer einjährigen Tochter Norman. (Foto: Roolfs)
Gaouhara Alhaj Younes mit ihrer einjährigen Tochter Norman. (Foto: Roolfs)
 

Die Elmshorner Rentner haben sich in ihre neue Aufgabe regelrecht reingekniet. „Wir haben schnell festgestellt, dass wichtige Dinge fehlen, etwa Fahrräder“, so die beiden. Also hat Susanne Waack alle Bekannten angesprochen. Ihr Mann ging mit Amjad Alsatouff zur Rathaus-Versteigerung und kaufte dort ein Rad für 20 Euro.

„Wir haben viel Zeit“, sagt Matthias Waack. Drei- bis viermal pro Woche sind sie bei der syrischen Familie. Sie haben beim Umzug geholfen und sich um Spielzeug gekümmert. Auf dem Flohmarkt in der Kita Hasenbusch habe sie nach unverkauften Resten gefragt und viele Spenden bekommen.

Auch der ehrenamtliche Dolmetscher Abdel Moneim Laban, ein pensionierter Lehrer, ist in der Flüchtlingshilfe aktiv. Er besucht mittlerweile drei Familien. „Freunde haben mich gefragt, ob ich bereit bin zu dolmetschen“, erzählt der gebürtige Ägypter. „Und jetzt bin ich mittendrin. Ich mache das wirklich gern“, sagt Laban.

Amjad Alsatouff und seine Frau Gaouhara Alhaj Youneskamen im Juli 2014 nach Elmshorn. Sie flohen vor dem Bürgerkrieg aus Syrien. Nach zwei Jahren im Libanon landeten sie in Deutschland. Amjad Alsatouff zeigt sich „begeistert von der Art, wie die Deutschen uns behandelt haben, besonders Familie Waack.“

Das Elmshorner Willkommens-Team kümmert sich um die Neuankömmlinge in der Stadt. Wer helfen will, muss jedoch nicht Mitglied werden. Sowohl regelmäßige Besuche als auch einmalige Hilfe sind möglich. Alle drei Wochen treffen sich die Helfer. Gut zwei Dutzend von ihnen betreuen Einzelpersonen und Familien. Das Willkommens-Team sucht weitere Unterstützer. Der Verein ist unter Telefon 04121-7890711 zu erreichen.
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