Pinneberg : Rentner wehrt sich gegen Knöllchen

Martin Petzold muss sich  mindest dreimal in der Woche  zur Regio-Klinik fahren lassen.
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Martin Petzold muss sich mindest dreimal in der Woche zur Regio-Klinik fahren lassen.

Strafzettel trotz Behindertenausweis: Martin Petzold soll zu Unrecht Behindertenparkplatz vor Regio-Klinik genutzt haben.

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02. November 2013, 16:00 Uhr

Pinneberg | Martin Petzold kann es nicht fassen. Schon wieder flattert dem 77-Jährigen ein Strafzettel der Stadt Pinneberg ins Haus. Am 16. Oktober soll der Pinneberger widerrechtlich auf dem Behindertenparkplatz direkt vor dem Haupteingang des Regio-Klinikums geparkt haben. „Dabei bin ich zu 80 Prozent schwerbehindert“, sagt der Rentner. Zum Fototermin mit dieser Zeitung muss er sich auf Krücken stützen und nimmt danach im Rollstuhl Platz. Mindest dreimal in der Woche muss er zur Behandlung in die Klinik fahren. „Meine Frau bringt mich dann mit unserem Auto ins Krankenhaus“. Der blaue Behindertenparkausweis der EU klebe dabei immer gut sichtbar auf der Innenseite der Frontscheibe des Volvos. Der Pinneberger betont, dass er sich auch für jede Fahrt ein Taxi von der Krankenkasse finanzieren lassen könnte. „Aber das sind Kosten, die am Ende auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, das möchte ich nicht.“

Petzold muss sich nicht zum ersten Mal gegen ein falsches Knöllchen wehren. „Im April ist mir das gleiche passiert.“ Er will gehört haben, dass ihn damals ein in der Umgebung bekannter psychisch kranker Mann beim Ordnungsamt anzeigte. „Eine andere Erklärung fällt mir auch nicht ein“, so der Rentner. Feinde habe er schließlich keine. Petzold reagierte mit einem geharnischten Brief an die Stadtverwaltung. Schließlich konnte er seine Unschuld beweisen, das Verwaltungsverfahren wurde eingestellt. „Bürgermeisterin Urte Steinberg hat sich damals auch schriftlich entschuldigt.“

Wir fragen im Rathaus nach: Warum droht Martin Petzold erneut ein Verwarnungsgeld? Steinberg recherchiert in ihrer Verwaltung. Sie bestätigt schließlich: „Es ist ein Fehler passiert.“ Die Kontrolleure des Fachdienstes Verkehr hätten anscheinend den Behindertenparkausweis übersehen. „Optimal ist es, wenn der Ausweis in der Mitte der Windschutzscheibe angebracht wird.“ Die Rathauschefin betont aber, dass die Verwaltung Petzold nicht einfach auf einen Hinweis aus der Bevölkerung hin angeschrieben habe. „Der Fehler ist bei uns passiert. Das tut mir sehr leid“. Als Petzold davon erfährt, ist er beruhigt. „Ich verstehe aber nicht, warum in der Verwaltung so nachlässig gearbeitet wird.“ Er will bei der Stadt nachhaken.

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