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André M.: Teilweise unschuldig? : Rellinger Feuerteufel will geringere Strafe

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Berufungsverfahren: André M. geht gegen einen Teil des Urteils an. Das Ziel des Anwalts ist, einige der Vorwürfe zu entkräften.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 10:00 Uhr

Itzehoe | Er wurde bereits wegen Sachbeschädigung und Brandstiftung verurteilt: André M. – 29 Jahre alt und aus Rellingen – hat schon mehrere Jahre seines Lebens in der Psychiatrie und im Gefängnis verbracht. Gestern vor dem Landgericht Itzehoe wurde erneut ein Verfahren mit dem jungen Mann eröffnet, der unter anderem als „Feuerteufel von Rellingen“ für Schlagzeilen sorgte: ein Berufungsverfahren, mit dem der Anwalt von M. das aktuelle Strafmaß reduzieren will.

M. beschäftigt  Polizei und Gerichte der Region schon seit knapp einem Jahrzehnt. 2008 war er vom Vorwurf eines geplanten Bombenanschlags auf das Rellinger Apfelfest im Jahr 2007 zwar freigesprochen worden: Für zahlreiche weitere Delikte – zum Beispiel  Sachbeschädigungen – wurde M. aber verurteilt. Anschließend verbrachte er mehr als fünf Jahre in der Psychiatrie. Am 1. Dezember 2013 kam er wieder frei. Und der Rellinger wurde im folgenden Jahr wieder straffällig. 2015 landete er dann wegen Brandstiftung im Gefängnis. Dieses Strafmaß wurde auf drei Jahre und drei Monate erhöht, als M. im Februar 2016 wegen weiterer Taten, die er in seiner Zeit in Freiheit begangen hatte, schuldig gesprochen wurde.

Beim bisher letzten Prozess wurde er wegen Sachbeschädigung, Vortäuschung einer Straftat und falscher Beschuldigung verurteilt. Die Sachbeschädigungen hatte M. gestanden. Gegen die weiteren Vorwürfe startete gestern das Berufungsverfahren. Gegenüber erklärte der Anwalt, er wolle die Haft um mindestens sechs Monate verkürzen.

 Berufungsverfahren vor dem Landgericht Itzehoe

Drei Jahre und drei Monate: Damit endete vor knapp einem Jahr für André M. sein bisher letzter Auftritt vor dem Landgericht Itzehoe. Und es war eine Kombination aus mehreren Delikten, die für den Rellinger zu diesem Strafmaß führte. Im März 2015 war er wegen Brandstiftung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Im Februar 2016 folgte dann das Urteil wegen mehrfacher Sachbeschädigung, Vortäuschung einer Straftat und falscher Beschuldigung. Die Haftstrafe wurde dadurch auf drei Jahre und drei Monate aufgestockt. Zum bisher letzten Urteil hat der Anwalt von M. nun Berufung eingelegt – zumindest gegen Teile.

Gestern startete das Berufungsverfahren vor dem Landgericht Itzehoe. Die Sachbeschädigungen – mehrere zerstochene Autoreifen, eine eingeschlagene Heckscheibe – hatte M. gestanden. Aber dagegen, dass er Polizisten wider besseren Wissens vorgeworfen haben soll, ihn bei einer Festnahme verprügelt zu haben und dass er in einem anderen Fall eine Messerattacke auf ihn vorgetäuscht haben soll – dagegen wehrt sich der 29-Jährige. Zum Prozessauftakt gestern stand die falsche Verdächtigung im Mittelpunkt. Nach einer Festnahme von M. im Mai 2014 hatte dieser Strafanzeige gegen die beteiligten Polizisten gestellt. Er sei – wie es in der gestern zitierten Strafanzeige hieß – vor seinem Elternhaus in Rellingen ohne Vorwarnung an Nacken und Haaren gepackt worden und sei mit dem Gesicht auf den Boden geknallt. Drei Polizisten waren hierzu gestern als Zeugen geladen. Einer gab an, von dem Zugriff selbst nichts mitbekommen zu haben. Weitere zwei sagten aus, M. sei bei dem Zugriff von einem Polizeihund umgestoßen worden. Der damalige Hundeführer erzählte, er sei mit seinem Belgischen Schäferhund auf dem Arm in Richtung der Wohnungstür des Beschuldigten unterwegs gewesen. Plötzlich stand hinter einer Ecke M. vor ihm: „Das war nicht geplant.“ Er stieß seinen Hund in Richtung des Rellingers – eine einstudierte Polizeimaßnahme – und der Hund sprang M. an, so dass dieser zu Boden ging.

M. wurde gestern bei dem Prozess in Itzehoe durch seinen Anwalt vertreten. Der 29-Jährige sitzt derzeit im Gefängnis in Kiel und war – so die Angaben seines Anwalts – am Morgen nicht in den Wagen gestiegen, der ihn an die Stör bringen sollte. Sein Mandant leide an Phobien, unter anderem habe er Angst gehabt, in das Polizeiauto zu steigen. Nach seiner Ansicht, sei M. außerdem sowohl haft- als auch prozessunfähig. „Sein Zustand wird immer schlechter. Er hat auch weiter abgenommen.“ Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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