Vor 500 Jahren : Rellingen feiert Dr. Luther

Martin Luther  (1483-1546).
Martin Luther (1483-1546).

Der Reformator und die Folgen. Kirchenteam bereitet sich auf Großereignis vor.

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06. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Rellingen | Noch knapp drei Jahre, dann feiert Deutschland die kühne Tat von Dr. Martin Luther (1483-1546). Am 31. Oktober 1517 schlug der Theologe seine 95 Thesen „Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiaru“ an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Die Reformation war nicht mehr aufzuhalten. Bundesweit sind mehrere 100 Veranstaltungen geplant. Der Etat, den die Bundesregierung dafür bereit stellt, liegt bei mehr als 45 Millionen Euro. Auch in Rellingen laufen die Vorbereitungen auf Hochtour.

Das Pastorentrio Martje Kruse, Iris Finnern und Dr. Lennart Berndt, Diakon Andreas Scheerbarth, Kantor Oliver Schmidt, Küster Alexander Voß sowie das Büroteam Rita Behrens und Maike Romahn fiebern dem Höhepunkt der Lutherdekade entgegen. Was von Wittenberg im 16. Jahrhundert ausging, veränderte Deutschland, Europa und die Welt. „Die Reformation prägt außer Kirche und Theologie auch Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache und Recht“, lautet das Fazit der Wissenschaft.

Pastorin Finnern, die mit Verve die Events in und um die Barockkirche herum vorantreibt – Vorträge, Diskussionen, Gottesdienste, Konzerte und Begegnungen im ökumenischen Sinn – hat sich intellektuell intensiv mit dem Jahrhundertereignis auseinandergesetzt. „Auch in unserer Kirchengemeinde nehmen wir das Thema auf“, betont Finnern. Neulich sei sie angesprochen worden: „Martin Luther? Das ist doch der, der Eure Religion gestiftet hat!“ Finnern widersprach: „Nein, nicht einmal unsere Kirche: Die ist und bleibt von Gott her gerufen. Als creatura verbi, Schöpfung durch Gottes Wort, sind die lutherischen Kirchen allerdings besonders geprägt durch den Bezug auf die gemeinsamen reformatorischen Bekenntnisse.“

Wer war der Mensch, dessen Nachname zur Konfessionsbezeichnung wurde, fragt Finnern mit neugierigem Blick auf das Jahr 2017. Er sei ein Mann gewesen, der Weltgeschichte geschrieben habe, ohne das gewollt zu haben. „Eine Trennung von der katholischen Kirche hatte der Doktor der Theologie nicht im Sinn, als er seine 95 Thesen am Portal anheften ließ. Eine akademische Auseinandersetzung sollte es geben, veranlasst auch durch die Kritik am sogenannten Ablasshandel“, erinnert Finnern auch an die Aussage: „Sobald die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

Denn Luther wollte nur eines: „Das ganze Leben der Gläubigen soll Buße sein, Reue und innere Umkehr sind nicht mit Geld aufzuwiegen.“

Finnern hofft auf lebhafte Diskussionen. Ganz im Sinne ihres Vordenkers, der auf eine Rückbesinnung auf die frohe Botschaft der Bibel setzte: „Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen.“

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