Pinneberger Gemeinschaftsschule : Rektor stellt Betrieb in Frage

Zusammenrücken ist angesagt: Wenn Rektor Thomas Gerdes (Zweiter von links) mit seinen Kollegen konferiert, wird es mächtig eng. Das Lehrerzimmer war ursprünglich für 23 Pädagogen ausgelegt. Das Kollegium zählt mittlerweile mehr als 60 Lehrer.  Fächer für Unterlagen und persönliche Gegenstände gibt es nicht.
Zusammenrücken ist angesagt: Wenn Rektor Thomas Gerdes (Zweiter von links) mit seinen Kollegen konferiert, wird es mächtig eng.

Sanierungsstau: Unfallkasse Nord will die Arbeitsbedingungen an der Grund- und Gemeinschaftsschule unter die Lupe nehmen.

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22. November 2013, 16:00 Uhr

An der Tür eine Comiczeichnung. „Chef“ steht darunter geschrieben. Hier arbeitet Thomas Gerdes. Er ist Rektor der Grund- und Gemeinschaftsschule (GuGs) Pinneberg. Sein kleines Büro dient nebenbei als Lagerraum für Laptops. Eine Enge, die Gerdes akzeptiert. Nicht mehr hinnehmen will er die Zustände, die im Lehrerzimmer herrschen. Dort sitzen die Kollegen quasi aufeinander. „Katastrophal“, sagt Gerdes. Sein knallhartes Urteil: „Ich stelle fest, dass ein ordnungsgemäßer Schulbetrieb nicht mehr möglich ist.“

Der Rektor hat die Faxen dicke. Er hat die Unfallkasse Nord gebeten, die Arbeitsbedingungen an der Schule unter die Lupe zu nehmen. Das wird im Januar geschehen. Dass es an der GuGs viel zu wenig Platz für „Pauker“ gibt, ist lange bekannt. Das ursprünglich für 23 Menschen ausgelegte Lehrerzimmer wird mittlerweile von 60 Lehrern genutzt. „Gesundheitsgefährdend“, sagt Gerdes. Er berichtet von Kollegen, die wegen der Lärmbelastung in Tränen ausbrechen.

Seit 2012 sorgen die baulichen Mängel an der GuGs für Schlagzeilen. Zwar liegen Pläne für die Modernisierung bereit, wie viel Geld die Politik angesichts der üblen Finanzlage Pinnebergs freigeben wird, steht jedoch in den Sternen. Auch andere Schulen, etwa das von Baupfusch gebeutelte Heuss-Gymnasium (wir berichteten), warten auf Sanierung. „Aber wir sind jetzt einfach dran“, sagt Gerdes, der leere Versprechungen leid ist. Die Politik stehe in der Pflicht: „Ich erwarte, dass bereits gefasste Beschlüsse zeitnah umgesetzt werden. Wir können hier nicht mehr professionell arbeiten.“ Neben den Arbeitsbedingungen für Lehrer sind auch die Schüler Stresssituationen ausgesetzt. Schimmel sei keineswegs beseitigt, sondern nur übertüncht worden. Im Keller herrsche noch immer Feuchtigkeit, die naturwissenschaftlichen Räume stammen aus den 1950er Jahren.

Wegen Raumnot hatte die Schule im Sommer zwei gebrauchte Container gestellt bekommen. „Ein Provisorium, mehr nicht“, sagt Gerdes. Er wartet darauf, dass – wie versprochen – das ehemalige Lehrschwimmbecken der Jahnhalle umgebaut wird. Dort sollen die Schulsozialarbeiter einziehen, deren bisheriges Domizil dann für den Unterricht genutzt werden könnte. Gerdes hat nicht zuletzt die Kleinsten im Auge: „Es gibt keine Fachräume für sie, Grundschule findet hier quasi gar nicht statt.“

Eines kann Thomas Gerdes angesichts der Situation an Pinnebergs Schulen gar nicht verstehen. Dass für viel Geld der Drosteiplatz umgebaut werden soll. „Das macht mich einfach nur fassungslos.“

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