zur Navigation springen

Kreis Pinneberg : Regionales Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus informiert Jugendleiter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Glatze und Springerstiefel werden seltener. Der Dresscode der Nazis ist immer häufiger der Kapuzenpulli.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Wie erkenne ich Rechtsextremisten in meinem Verein und wie kann ich Jugendliche vor ihnen schützen? Das Regionalteam im Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus hat am Mittwochabend in der Barmstedter Jugendbildungsstätte einen Workshop für Erzieher, Lehrer und Jugendleiter zum Thema rechte Ideologien und Gewalt veranstaltet.

„Im Rechtsextremismus wirken verschiedenen Ideologien zusammen. Sie alle gehen davon aus, verschiedene Menschen seien unterschiedlich viel wert“, sagte Kristin Kröckel, Referentin im regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (RBT). Zu den Ideologien zählten etwa Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und die Verherrlichung von Nationalismus.

Obwohl Umfragen ergeben hätten, dass rechtsextreme Einstellungen bei den Menschen zuletzt leicht abgenommen haben, sei vor allem während der vergangenen Monate eine deutliche Zunahme rechtsextremer Demonstrationen und Straftaten zu beobachten gewesen. „Wir beobachten etwa, dass Bewegungen wie Pegida inzwischen von Rechtsexstremen, zum Beispiel aus der NPD, vereinnahmt werden. Die Köpfe sind die gleichen. Und von Plakaten auf Demos wurde häufig nur das NDP-Logo abgeschnitten“, sagte Till Stehn, Teamkollege von Kröckel.

Den Erziehern, Lehrern und Jugendleitern brannte vor allem eines auf den Nägeln: Wie erkenne ich rechtsextreme Einstellungen der Jugendlichen, ihrer Eltern oder der eigenen Kollegen? Den beiden Referenten war es wichtig, zunächst Stereotype aus der Welt zu schaffen. „Glatze, Springerstiefel, Bomberjacke und Baseballschläger sind längst nicht mehr die typischen Erkennungsmerkmale von Neonazis“, sagte Stehn. In einer Bilderkollage zeigt er statt dessen Politiker im Anzug, Menschen in Rockerkluft, Jugendliche in schwarzen Kapuzenpullis, die auch in der linksautonomen Szene verbreitet sind, und junge Mädchen mit Hitler-Smiley auf dem T-Shirt.

Häufig seien Rechtsextreme an Kleidungsmarken, Buchstabencodes und Zahlencodes zu erkennen, welche sie verwenden. Beliebt seien etwa Marken wie Thor Steinar, Consdaple, Label 23, Sportfrei, Dobermann, Ansgar Aryan und Lonsdale. Es gilt jedoch: Nicht jeder, der diese Marken trägt ist ein Neonazi. Lonsdale werde auch von Anhängern anderer Subkulturen getragen. „Bei Thor Steinar ist das anders. Jeder weiß um die Bedeutung der Kleidung“, sagte Stehn.

Zahlencodes verraten rechtes Weltbild

Zu den Zahlencodes gehören etwa 88 für „Heil Hitler“, 18 für „Adolf Hitler“, 28 für das Nazi-Netzwerk Blood and Honour und C18 für die gewalttätige „Kampfgruppe Adolf Hitler“. Hinzu kommen Runensymbole vermeintlich germanischen Ursprungs, wie die Triskele, die Woflsangel, die Odal-Rune, und die schwarze Sonne, ein zwölfarmiges Hakenkreuz.

Zu den Buchstabencodes zählen „HooNaRa“ für „Hooligans Nazis Rassisten“, Rahowa für die englische Übersetzung von Rassenkrieg, „ZOG“ für Übersetzung von „jüdisch besetzte Regierung“ und „WAR“ für die Übersetzung von „weißer arischer Widerstand“.

Kröckel und Stehn erarbeiteten mit den Workshopteilnehmern auch, wie Pädagogen und Übungsleiter reagieren können, sollten sie Rechtsextreme in ihren Einrichtungen vermuten. Wichtig sei, zwischen ideologisch gefestigten Extremisten und „Interessierten“ zu unterscheiden. Zuerst müssten objektive Informationen über den in Verdacht Geratenen gesammelt werden – etwa, ob eine Mitgliedschaft in rechten Organisationen oder rassistische Äußerungen bekannt und belegbar sind. Danach solle das Gespräch gesucht werden. Anschließend sei es wichtig, in der eigenen Einrichtung und gegebenenfalls nach außen Transparenz herzustellen. Es könnten Auklärungsaktionen folgen, etwa mit Filmen. Zudem sollte ein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Kollegen und Unterstützern gebildet und die nichtradikalen Jugendlichen in der Einrichtung gestärkt werden. Kröckel sagt: „Wichtig ist, nicht zu schweigen. Fehlt der Widerspruch gegen rassistische Äußerungen, gibt das den Extremisten Raum.“

Das regionale Beratungsteam im Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus bietet Informationen und Workshops für Kommunen, Bildungseinrichtungen und Eltern sowie Hilfe für Opfer rechter Gewalt. Das Büro in Itzehoe ist unter Telefon 04821-7796012 und per E-Mail an rbt.itzehoe@beranet-sh.de zu erreichen.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert