Vereinsausschluss : Rauswurf: TuS Appen startet einen neuen Versuch

Der TuS Appen will ein NDP-Mitglied loswerden und startet nun einen neuen Versuch.
Der TuS Appen will ein NDP-Mitglied loswerden und startet nun einen neuen Versuch.

Der Sportverein will Formfehler korrigieren und den NPD-Chef Lennart Schwarzbach erneut ausschließen. Der Streit kostet den Club 8000 Euro.

shz.de von
10. März 2018, 14:00 Uhr

Appen | Wie geht es für den TuS Appen nach dem gescheiterten Versuch, Hamburgs NPD-Chef Lennart Schwarzbach aus dem Verein zu werfen, weiter? Die Sportler lassen nicht locker und starten einen neuen Versuch. Das sagte der Clubvorsitzende Wilfred Diekert auf Anfrage von shz.de.

2015 flog Schwarzbach erstmals aus dem Verein. Sein Widerspruch beim Ehrenrat des Clubs war jedoch erfolgreich, weil die Vereinssatzung einen Rauswurf wegen rechtsextremen Verhaltens nicht vorsah. Der TuS änderte die Satzung anschließend. Seitdem gibt es einen Paragraphen, der es erlaubt, Rechtsextreme aus dem Verein auszuschließen. Diese Änderung wurde im Vereinsregister eingetragen. Im April 2016 folgte Rauswurf Nummer zwei. Schwarzbach klagte vor dem Amtsgericht Pinneberg und unterlag. Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Itzehoe war er schließlich erfolgreich.

Das Gericht hatte zwar nicht darüber entschieden, ob es grundsätzlich rechtens ist, ein Mitglied wegen seiner politischen Haltung oder Äußerungen auszuschließen. Es hatte stattdessen formale Fehler in der Satzungsänderung festgestellt. Somit sei der Rauswurf unwirksam, so die Richter.

„Am 19. April ist die nächste Mitgliederversammlung. Wir werden ordnungsgemäß einladen und erneut über die Satzungsänderung abstimmen. Wir wiederholen also das ganze Procedere“, sagt nun Diekert. Noch einmal weist er auf die rechtliche Unsicherheit im Verein hin. „Wir wissen ja bis heute nicht genau, ob unsere Satzung nun gültig ist oder nicht“, sagt Diekert. Der Clubchef wiederholt auch seine Ansicht, dass die neue Satzung vom Amtsgericht geprüft worden sei. „Die haben das unter die Lupe genommen. Ich musste sogar extra nochmal hin, um eine fehlende Unterschrift nachzureichen“, sagt Diekert. Er fühlt sich von der Justiz im Stich gelassen: „Das ist Juristerei in höchster Potenz und für einen Verein kaum zu bewältigen. Der ganze Prozess hat uns bisher 8000 Euro gekostet.“

Schwarzbach selbst hatte nach dem Gerichtstermin in Itzehoe kundgetan, in Zukunft wieder am Sportbetrieb teilnehmen zu wollen. Ob er das auch tatsächlich tut, ist offen. Der Hamburger NPD-Chef reagierte nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung. Diekert dagegen sagt: „Ich habe sowohl mit den Fußballern als auch der Laufgruppe gesprochen. Lennart Schwarzbach ist dort bisher nicht wieder aufgetaucht."

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen