Pinneberg : Raumnot: Wenn Pädagogik baden geht

Sie hoffen auf  vernünftige Arbeitsbedingungen im umgebauten Schwimmbad: Die Schulsozialarbeiter Eugenia Koch-Wunder (v. l.), Jochen Hinrichsen, Saim Cetinkaya und Thomas Gerdes, Rektor der Grund- und Gemeinschaftsschule im Quellental.
Foto:
1 von 2
Sie hoffen auf vernünftige Arbeitsbedingungen im umgebauten Schwimmbad: Die Schulsozialarbeiter Eugenia Koch-Wunder (v. l.), Jochen Hinrichsen, Saim Cetinkaya und Thomas Gerdes, Rektor der Grund- und Gemeinschaftsschule im Quellental.

Schlechte Arbeitsbedingungen: Schulleiter fordert zügigen Umbau der Schwimmhalle.

shz.de von
21. Juni 2014, 10:00 Uhr

Pinneberg | Thomas Gerdes lehnt sich zurück. Denkt kurz nach. „Ja, in Pinneberg musste ich mich von Sachlichkeit verabschieden“, sagt der Rektor der von Sanierungsstau geplagten Grund- und Gemeinschaftsschule dann. Gerdes hat das Trommeln gelernt. Lernen müssen. „Traurig“, nennt er das. Aber es geht um seine Schüler. Seine Kollegen, die unter unhaltbaren Bedingungen arbeiten müssen. „Jeder Monat verlängert das Leiden.“

Mitte Juni war dem Rektor der GuGs der Kragen geplatzt. Unter Protest hatte er die Sitzung des Schulausschusses verlassen. Vergeblich hatte er auf die Freigabe der Mittel für den Umbau eines früheren Lehrschwimmbeckens gehofft. In dem seit Jahren ungenutzten Bad soll dringend benötigter Raum für Schulsozialarbeit geschaffen werden. Dadurch würden andere Räume frei – für den Unterricht. Laut Schulsanierungsplan soll 2014 gebaut werden. 618 000 Euro müssten bereitgestellt werden. Geld, das noch immer mit einem Sperrvermerk belegt ist, weil dem Schulausschuss Mitte Juni keine entsprechende Verwaltungsvorlage präsentiert wurde.

„Unverzichtbar“, nennt Gerdes die Investition, die 2015 mit noch einmal 618 000 Euro fortgeschrieben werden soll. Die Hoffnung, dass in den Sommerferien mit dem Umbau begonnen wird, kann er sich mittlerweile abschminken. Das bestätigt Silkata Sahin-Adu, Chefin des Kommunalen Servicebetriebs der Stadt Pinneberg (KSP). Selbst wenn der Sperrvermerk Anfang Juli aufgehoben werde, sei an einen Baubeginn nicht vor Herbst zu denken. Allerdings handele es sich um Innenarbeiten, die „auch im Winter fortgesetzt werden können“, so Sahin-Adu.

Gerdes bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem KSP, der für das städtische Gebäudemanagement verantwortlich zeichnet, als sehr gut. Für das Rathaus hat er weniger freundliche Worte: „Immer, wenn in der Stadtverwaltung etwas vorbereitet werden muss, gibt es Probleme.“ Es müsse „schnellstmöglich etwas passieren“, so der Rektor. Sonst platze die GuGs nach den Ferien aus allen Nähten. Aktuell werden an der Richard-Köhn-Straße 750 Kinder unterrichtet. Laut Anmeldezahlen könnte die GuGs im August die 800er-Marke knacken.

Den Schulleiter treibt ein weiteres Problem um. Die vom Land propagierte Inklusion. Die Idee: Statt benachteiligte und lernschwache Kinder in Förderschulen zu schicken, sollen sie gemeinsam mit allen anderen an Regelschulen unterrichtet werden. Ein Anspruch, dem derzeit fast überall baulich Grenzen gesetzt sind. „Es fehlen entsprechende Gemeinschaftsräume“, so Gerdes. Land und Stadt müssten eine gemeinsame Lösung suchen – und Geld für nötige Baumaßnahmen bereitstellen. Am Rande: In seiner Verzweiflung erwägt Thomas Gerdes gar die Gründung einer Stiftung, mit deren Geld Schulsozialarbeit unterstützt werden könnte.

Bürgermeisterin Urte Steinberg bestätigte gestern, dass es eine Sondersitzung des Schulausschusses geben wird. Sie geht davon aus, dass der Sperrvermerk für die Arbeiten an der GuGs aufgehoben wird. In Sachen Inklusion appelliert die Rathauschefin: „Die Kommunen dürfen mit der Finanzierung nicht allein gelassen werden.“ Steinberg hat in den vergangenen Monaten Gespräche mit hochrangigen Landespolitikern geführt. Sogar Ministerpräsident Torsten Albig hatte die GuGs besucht. Steinberg hat den Eindruck, dass die Verantwortlichen in Kiel sensibilisiert worden sind. Eine Lösung könne nur gemeinsam gefunden werden.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen