Kreis Pinneberg : Rasen durchs Internet: Datenautobahn im Ausbau

Noch immer gibt es zahlreiche Orte im Kreis Pinneberg, in denen die Verfügbarkeit von kabelgebundener Breitbandversorgung bei weniger als einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) liegt.
Noch immer gibt es zahlreiche Orte im Kreis Pinneberg, in denen die Verfügbarkeit von kabelgebundener Breitbandversorgung bei weniger als einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) liegt.

Noch immer gibt es zahlreiche Orte im Kreis Pinneberg, in denen die Verfügbarkeit von kabelgebundener Breitbandversorgung bei weniger als einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) liegt.

shz.de von
22. Mai 2015, 15:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Schnelles Internet für alle Schleswig-Holsteiner: So sieht die Zukunftsvision des Landeswirtschaftsministeriums aus. Bis zum Jahr 2030 soll Schleswig-Holstein flächendeckend mit Glasfasernetzen versorgt sein, so steht es in der Breitbandstrategie des Landesministeriums. Das nennt Andrea Bonk, stellvertretende Leiterin des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein, „ambitioniert“. Gleichzeitig sei es aber auch motivierend. Es sei viel Engagement von den kommunalen Vertretern gefragt.

Noch immer gibt es zahlreiche Orte im Kreis Pinneberg, in denen die Verfügbarkeit von kabelgebundener Breitbandversorgung bei weniger als einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) liege. „Die Elbmarschgebiete nordwestlich von Wedel sowie die Ämter Elmshorn-Land und Rantzau sind derzeit noch gravierend unterversorgt mit Breitband“, nennt sie einige Beispiele. Die Misere im ländlichen Raum sei kein Geheimnis.

Denn die Kupferleitungen des alten Telefonnetzes seien niemals für das Internet konzipiert gewesen. Genau dafür müssen sie aber vielerorts herhalten. Ab einer gewissen Kabellänge von zirka fünf Kilometern vom Verteilerpunkt aus habe man kein Signal mehr, so Bonk. „Im ländlichen Raum stehen einige Häuser weiter als fünf Kilometer entfernt.“

Vielerorts peppt die Telekom die alten Kabel durch  Vectoring auf. Dafür ist nach Angaben der Telekom der Glasfaserausbau bis zu den Kabelverzweigern und die Installation der Vectoring-Technik in den Kästen nötig. Noch in 500 Metern Entfernung vom Verteilerkasten lassen sich am Ende einer Kupferader Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s realisieren, heißt es seitens der Telekom. Bonk hält dagegen: „Die Wirkung im Raum ist gleich Null. Betrachtet man den ländlichen Raum, hat man damit nichts erreicht.“

Vectoring sei keine flächendeckende Lösung. „Davon profitieren nur die, die 200 Meter vom Verteilerkasten entfernt wohnen. Die, die nichts haben, haben weiterhin nichts.“ Es entstehe ein Flickenteppich. „Beim Glasfaserausbau bis in jedes Gebäude (FTTB) hingegen werden Glasfaserleitungen  in jeder Straße verlegt. So gibt es in jedem Dorf ein schnelles Netz, egal wo es liegt“, sagt Bonk. „Glasfaser ist aus unserer Sicht das einzig Zukunftsfähige. Man kann Bandbreiten von einem Gigabit und mehr übertragen“, so Bonk. „Die Telekom sieht das auch. Aber sie rüsten ihre Netze häppchenweise auf und versuchen dabei, möglichst alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. Die nächste Telekom-Technologie steht schon bereit: G.fast“, kritisiert die Sprecherin des Breitband-Kompetenzzentrums. Sie weiß: Der Bandbreitenbedarf verdoppelt sich alle  zwei Jahre. Der Bedarf an Surf-Geschwindigkeiten von einem Gigabit könne in wenigen Jahren erreicht sein. „Irgendwann können da auch keine aufgepimpten Kupferleitungen mehr mithalten“, sagt Bonk.

Auch Telekom-Unternehmenssprecher Georg von Wagner sagt: „Wenn wir den langfristigen Blick anlegen, wird Glasfaser Kupfer in den nächsten 50 Jahren ablösen“. Derzeit sei das Geld jedoch nicht vorhanden, jedes Haus mit Glasfaser auszurüsten. Von Wagner beziffert die nötige Summe auf mehr als 100 Milliarden Euro. „Um den Breitbandbedarf zu stillen, ist es aus unserer Sicht unumgänglich, die Kupfertechnologien weiterzuentwickeln.“ Wer unmittelbar an einem Verteilerkasten wohne, könne nach einer Vertragsänderung durch das Vectoring mit bis zu 100 Mbit/s Surfgeschwindigkeiten rechnen, fünf Kilometer entfernt kämen noch zirka fünf Mbit/s an. Fördergelder gebe es für die Vectoring-Aufrüstung allerdings nicht.

In den vergangenen Jahren ist als Alternative der LTE-Ausbau im ländlichen Raum vorangetrieben worden, der Nachfolger der UMTS-Funktechnologie. Wie Telekom-Unternehmenssprecherin Stefanie Halle erläutert, können moderne Handys, Smartphones und Tablets  LTE standardmäßig empfangen. Ältere Laptops und PC können über einen USB-Stick fit für das mobile Internet gemacht werden. Der Stick übernimmt die Rolle einer Antenne und empfängt und versendet die Daten. Außerdem gibt es LTE-Router, die das Signal auffangen und damit in der Wohnung oder dem Büro ein WLAN-Netz aufbauen. Die Telekom spricht im Rahmen des Netzausbaus von Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbit pro Sekunde.

„Es ist eine Alternative, wenn nichts anderes da ist“, kommentiert Bonk. Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass sich die Surfgeschwindigkeiten mit der Zahl der Nutzer verringerten. „Der Haken ist bei Funklösungen immer: Es kann häufiger witterungsbedingte  Störungen geben.“

Glasfasernetzausbau bis direkt ins Haus: Im  Kreis Pinneberg kommt dabei seit einigen Jahren die öffentliche Hand mit ins Spiel. Da es für die großen Netzbetreiber Telekom und Kabel Deutschland nicht wirtschaftlich sei, diesen Ausbau im ländlichen Raum voranzutreiben, übernehmen in einigen Gebieten Kommunen, Kreise und Zweckverbände die Verlegung des Glasfasernetzes in Eigenregie und verpachten die Netze an Anbieter, die im Rahmen EU-weiter Ausschreibungen ermittelt werden, sagt Bonk.

So ein Netz rechne sich für die großen Anbieter nicht schnell genug, deshalb greife die öffentliche Hand ein, wo der Telekommunikationsmarkt versagt. „In etwa 25 Jahren steht eine schwarze Null da. Dann lassen sich für die Kommunen Einnahmen generieren.“ „Um ein Projekt wirtschaftlich zu machen, braucht man 60 Prozent der Anschlüsse in einem Gebiet“, schätzt Bonk. „Man muss die Bürger gut informieren.“ Normalerweise laufe es so: Schließen diese Bürger in der ersten Bauphase des Glasfasernetzes einen Vertrag mit dem Anbieter ab, werden sie kostenlos ans Netz angeschlossen. Bei einer späteren Entscheidung müssen die Hauseigentümer die Kosten für den  Hausstich selbst tragen. Die monatlichen Kosten „liegen ein bisschen höher als bei den Dumpingangeboten, aber man muss sehen, was man dafür kriegt“, so Bonk. „In den ersten Jahren gibt es zunächst einen Anbieter im Netz. Die öffentliche Hand als Netzeigentümer ist jedoch verpflichtet, jedem Anbieter Netzzugang zu gewähren.“ Sie glaubt an eine ähnliche Entwicklung wie beim DSL-Netz. „In 20 Jahren wird es 20 Anbieter im Glasfasernetz geben.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen