Rätselraten nach schwerem Unfall

Noch gestern versuchte ein Techniker, die Ampelanlage wieder zu aktivieren. Bis Redaktionsschluss funktionierte nur das gelbblinkende Signal.
Noch gestern versuchte ein Techniker, die Ampelanlage wieder zu aktivieren. Bis Redaktionsschluss funktionierte nur das gelbblinkende Signal.

Erste Störung der Ampelanlage im Mai 2016 / Experten auf Spurensuche / Landesbetrieb Verkehr in Kiel will Sanierungsplan abstimmen

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08. Juni 2019, 16:00 Uhr

Halstenbek/Kiel | Der schwere Zusammenstoß am Mittwochnachmittag im Bereich Autobahnabfahrt Halstenbek-Krupunder/Ecke Gärtnerstraße (unsere Zeitung berichtete) bewegt weiterhin die Gemüter. Der lebensgefährlich verletzte Fahrer des weißen Kleinbusses ist laut Polizei mittlerweile außer Lebensgefahr. Der 49-Jährige hat das Stoppschild missachtet und den von links kommenden 40-Tonner übersehen. Doch warum und wie lange schon die Ampelanlage nicht störungsfrei funktioniert, blieb bislang ein Rätsel. Gestern äußerte sich auf Nachfrage der zuständige Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV) mit Sitz in Kiel.

„Für die Lichtsignalanlage an der Anschlussstelle Halstenbek-Krupunder, Richtungsfahrbahn Hamburg besteht ein Wartungsvertrag mit der Firma Siemens“, führt Sprecherin Cathrin Bornholdt anfangs aus. Die erste Störung sei im Mai 2016 verzeichnet worden. „Anschließend gab es Ausfälle in unregelmäßigen Abständen – im Wesentlichen lief die Anlage störungsfrei“, schreibt Bornholdt weiter.


Am Unfalltag Techniker vor Ort

Am Unfalltag selbst – sprich Mittwoch, 5. Juni, der Zeitpunkt des Zusammenstoßes war gegen 14.35 Uhr – war laut Bornholdt um 8 Uhr ein Mitarbeiter der Autobahnstraßenmeisterei Elmshorn vor Ort, „da die Lichtsignalanlage ausgefallen war. Die Lichtsignalanlage wurde eingeschaltet und lief störungsfrei.“ Doch gegen 14     Uhr – also eine halbe Stunde vor dem Zusammenprall der beiden Autos – habe die Lichtsignalanlage erneut durch den Mitarbeiter der Autobahnstraßenmeisterei Elmshorn in Betrieb genommen werden müssen, „da sie wieder ausgefallen war. Sie lief anschließend störungsfrei.“ Doch eine Antwort auf die entscheidende Frage, ob die Ampel zum Unfallzeitpunkt bereits erneut ausgefallen war oder erst kurze Zeit später, „kann nur durch die Firma Siemens herausgefunden werden, indem sie das Protokoll ausliest“.

Die Ampelanlage scheint ein großes Mysterium zu sein: Denn ob auch die aktuellen Störungen mit dem ersten Ausfall zusammenhängen, konnte Bornholdt vorerst nicht beantworten. Fakt ist, dass laut LBV-Sprecherin ein Techniker der Firma Siemens am Unfallfolgetag, somit am Donnerstag, vor Ort gewesen und erneut auf Fehlersuche gegangen ist. „Laut Aussage vom ebenfalls vor Ort gewesenen Mitarbeiter der Autobahnstraßenmeisterei Elmshorn benötigte der Techniker weitere Bauteile, die er nicht dabei hatte“, beschreibt Bornholdt den Sachstand.

Auch gestern sei der Techniker von Siemens wieder vor Ort gewesen: „Er hat die Störung bis zum jetzigen Zeitpunkt“ – sprich Freitagnachmittag – „immer noch nicht beheben können. Es wurden mehrere Bauteile ausgewechselt, leider ohne Erfolg. Er ist vor Ort und versucht es weiter.“ Bornholdt mahnt alle Verkehrsteilnehmer zu größter Aufmerksamkeit: „ Sollte der Techniker nicht erfolgreich sein, bleibt die Lichtsignalanlage zunächst deaktiviert.“ Die Ampel gibt lediglich gelb-blinkend Signal.

Der LBV will nicht tatenlos bleiben. Im Gegenteil. Bornholdt kündigt an, dass ab sofort kurzfristige Gespräche anberaumt werden sollen, um einen Sanierungsplan abzustimmen.



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