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Pinneberg : „Ränkespiel auf Rücken des Vereins“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Mitglieder des Tandem-Clubs Weiße Speiche kämpfen weiter um ihr Vereinsheim. Wie berichtet, will die Stadt das Grundstück Am Hafen verkaufen. Doch Verwaltung und Politik wollen das Areal nicht an den Club veräußern.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2015 | 10:47 Uhr

Pinneberg | Mit großer Enttäuschung reagieren die Mitglieder des Tandem-Clubs Weiße Speiche darauf,  dass sich der Ausschuss Wirtschaft und Finanzen während seiner jüngsten Sitzung dagegen ausgesprochen hat, dem Verein den Kauf des bisher gepachteten Grundstücks zu ermöglichen. „Obgleich hierüber bereits mit der Bürgermeisterin und der Verwaltung Einigkeit erzielt worden war“, sagte gestern der zweite Vereinsvorsitzende Bernd Wülfken.

Der Tandem-Club Weiße Speiche ist ein Verein, der sehenden und blinden Menschen die Möglichkeit bietet, gemeinsam Rad zu fahren. Seit etwa 25 Jahren ist sein Standort Pinneberg. Dort steht die Halle mit mehr als 40 Tandems und einem kleinen Vereinshaus. Wie diese Zeitung berichtete, zeichnete sich 2014 ab, dass die Stadt das Grundstück, auf dem der Tandem-Club sein Domizil hat, ausschließlich für eine Gewerbeansiedlung veräußern will. Zunächst wurde dem Tandem-Club das Grundstück zum Kauf angeboten. Doch dann gab es eine Kehrtwende.

Sehr zum Ärger des Tandem-Clubs: Die finanzielle Situation des Vereins ließ den Kauf aus Eigenmitteln nicht zu, doch erbrachte ein Spendenaufruf bei den Mitgliedern und Förderern den von der Stadt geforderten Kaufpreis.

Auch der Marcus-Hermann-Petersen-Fonds (MHPF) unterstützt den Verein. Hermann Winkelmann, Vorsitzender des Fonds, meldete sich gestern  zu Wort: Es sei  ein   nicht  unerheblicher Spendenanteil geleistet worden. „In der Hoffnung, dem Verein und seinen Mitgliedern den alten Standort zu erhalten. Für den Marcus-Hermann-Petersen-Fonds war der Gedanke der Inklusion der vorrangige Ansatz für die Unterstützung“, sagte er.

Leider sei  das Versprechen der Bürgermeisterin nicht eingehalten worden. Sicherlich trage die Bürgermeisterin ihre Zusage nicht in Alleinverantwortung und sei letztlich an die Entscheidung der Ausschüsse gebunden, was sie auch bei den Erstverhandlungen bekundete. 

„Doch ließ sie keinerlei Zweifel aufkommen, dass die Entscheidung des entsprechenden Ausschusses nur eine Formsache sei. Diese Fehleinschätzung möchte ich hier nicht als Fehlverhalten der Bürgermeisterin betrachten, doch zeichnet sich in diesem Fall ein Ränkespiel ab, das auf dem Rücken des Vereins Tandem-Club abläuft“, sagt Winkelmann. Zudem gebe es eine moralische Verantwortung, die durch Einhaltung einer Zusage nicht nur das Vertrauen des Tandem-Clubs und des MHPF erhält, sondern aller Bürger, die an den Einsatz der gewählten kommunalen Politiker glauben. Am Mittwoch, 2. Dezember, wird der Hauptausschuss  sich mit dem Thema abschließend beschäftigen. Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus.

„Wir sind, wie wir zu erklären versucht haben, ein Verein, dessen Ziel die Integration sehgeschädigter Menschen ist“, sagt Wülfken. In einer Zeit, in der sich die Politik gern mit Attributen wie „gesellschaftlicher Teilhabe“, „Barrierefreiheit“ und vor allem „Inklusion“ schmücke, müsse  der Verein  zum wiederholten Mal erleben, „dass letztlich wirtschaftliche Erwägungen das Maß aller Dinge sind“, gibt Wülfken zu bedenken.

Er appelliert jetzt an die Mitglieder des Hauptausschusses: „Auch wenn hiervon noch kein Gebrauch gemacht wurde, bieten wir Ihnen erneut an, sich im direkten Kontakt einen Eindruck von unserem Verein und seinen Zielen zu verschaffen.“

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