zur Navigation springen

Vattenfall Cyclassics Hamburg : Radsport-Fieber im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Tausende Zuschauer an der Strecke feuerten die Sportler an. Schwerer Sturz in Schenefeld.

Kreis Pinneberg | Immer im August, und das seit 20 Jahren, werden auch die Kreis Pinneberger vom Radsport-Fieber erfasst. Grund für die Euphorie: die Vattenfall Cyclassics. Das Besondere an dem Traditions-Rennen ist, dass außer den Profis auch so genannte Jedermänner mitfahren dürfen. Freizeitsportler also, Amateurfahrer, die einen der begehrten Startplätze ergattert haben. 15.000 Teilnehmer gehörten zum Feld, das gestern ab dem frühen Morgen durch den Kreis rauschte.

Während die Profis am späten Vormittag in Kiel starteten, ging es für die Jedermänner, die die 55 Kilometer lange Strecke gewählt hatten, bereits um 7.45 Uhr in Hamburg los. Wer sich für die 155-Kilometer-Distanz entschieden hatte, trat wenig später in die Pedale. Auf der Route passierten die Fahrer zuerst die Kreisgrenze in Schenefeld. Weiter ging es auf der LSE bis zum Kreisel in Pinneberg am Westring. Dort warteten bereits zahlreiche Fangruppen mit Plakaten und Ratschen auf die Radler.

Heidi Bernier und Ute Nawo hatten sich direkt am Kreisel frühzeitig einen Platz auf der „Pole Position“ gesichert. „Wir sind seit vielen Jahren bei den Cyclassics als Zuschauer dabei, mal in Pinneberg, mal in Appen-Etz“, sagten die Pinnebergerinnen. Claas Hassenstein dagegen stand mit seinem Sohn Till (4) vor zwei Jahren zum ersten Mal am Westring. „Damals war Till noch mit einem Laufrad unterwegs“, erinnerte sich der Pinneberger. Gestern kam der Vierjährige auf seinem neuen Fahrrad zum Anfeuern. „Ich finde es toll, dass die Profis so schnell fahren“, freute sich Till.

Vier Helfer des Technischen Hilfswerks sorgten für die Absperrung des Fahrradwegs am Kreisel. Polizeihauptmeister Bernd Schaper und Polizeikommissar Michael Brandt erklärten verirrten Autofahrern, die vom Westring kommend nach Wedel wollten, die Umleitungsrouten.

Für einen Polizeieinsatz der besonderen Art sorgte ein streunender Hund, der zwischen den Zuschauern umherlief und auch mehrmals die Rennstrecke passierte. Da mussten die Beamten hart durchgreifen: Der Golden Retriever wurde kurzerhand „vorläufig festgenommen“ und ins Polizeiauto verfrachtet. Die Ermittlungen über die Steuermarke und mit Hilfe von Zeugen waren erfolgreich, und nach kurzer Zeit wurde der Vierbeiner von seinem sichtlich verschämten Herrchen an einem Polizeiabsperrband als Ersatz für eine Hundeleine „abgeführt“.

Vorläufig festgenommen: Polizeihauptmeister Bernd Schaper (l.) und Polizeikommissar Michael Brandt versuchen den Halter des streunenden Vierbeiners zu ermitteln. (Foto: Krohn)
Vorläufig festgenommen: Polizeihauptmeister Bernd Schaper (l.) und Polizeikommissar Michael Brandt versuchen den Halter des streunenden Vierbeiners zu ermitteln. (Foto: Krohn)
 

Auch in Holm wurden die Radsportler von zahlreichen begeisterten Zuschauern empfangen. Am Lehmweg hatten mehrere Anlieger bereits am frühen Morgen einen Tresen mit Zapfanlage und einem 50-Liter-Bierfaß aufgestellt. „Wir feiern ein bisschen meinen Geburtstag nach und wollen unseren Freund Heiko, der die 55-Kilometer-Strecke mitfährt, anfeuern“, sagte Roland Schröder.

Die Profis passierten auf ihrem Weg von der Landeshauptstadt auch andere Kommunen des Kreises: Quickborn über die Kieler Straße, Tangstedt in Richtung Rellingen, Pinneberg über die Friedrich-Ebert-Straße und die Hans-Hermann-Kath-Brücke sowie anschließend über den Westring nach Appen, Holm und Wedel mit dem Ziel Hamburg. In der Kreisstadt wurden sie auf dem Parkplatz von Edeka-Meyer mit Jazzmusik begrüßt.

Schwerer Sturz in Schenefeld

Das Radrennen für Profis und „Jedermänner“ ist in Schenefeld von einem schweren Unfall überschattet worden. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, ist es gegen 8 Uhr auf der LSE zwischen Schenefeld und Pinneberg-Waldenau zu einem Massensturz gekommen. Mehrere Teilnehmer der 55-Kilometer-Distanz wurden dabei verletzt. Ein Freizeit-Radler sei mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden.

Nach einer ersten Bilanz der Veranstalter gab es zahlreiche Stürze. Sie sollen aber weitgehend glimpflich ausgegangen sein. So kam es auch gegen 8.50 Uhr auf der Elbchaussee zu einem Unfall. Dort hatte laut Polizei eine 69-Jähriger die Straße überquert, ohne auf die Radrennfahrer zu achten. Ein 49 Jahre alter Norderstedter stürzte. Er trug Schürfwunden davon. Zudem wurde er mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht.

Erstmals Start in Kiel

Erstmals in der 20-jährigen Geschichte der Cyclassics wurde das Profirennen nicht in Hamburg, sondern in Kiel gestartet. Mit dem erstmaligen Start in Kiel und der traditionellen Zieleinfahrt auf der Hamburger Mönckebergstraße probten die beiden Olympia-Kandidatenstädte den Schulterschluss. Beim Profirennen mit der Welt-Sprintelite wurden mehre Hunderttausend Zuschauer entlang der Strecke gezählt.

Das Radrennen  ging über 130 Kilometer quer durch Schleswig-Holstein bis nach Hamburg. Dabei passierten die Profis den Kreis Pinneberg. Stationen waren nach Ellerau Quickborn, Tangstedt, Rellingen, Pinneberg, Holm und Wedel. Auf den Straßen Schleswig-Holsteins sorgten mehr als  200 Polizisten  aus dem gesamten Land  in Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei für den reibungslosen Ablauf des Rennens.

 Bei der Zieleinkunft der Radrennprofis auf der Hamburger Mönckebergstraße siegte André Greipel und setzte seine  erstaunliche Erfolgsserie trotz eines kuriosen Sturzes zu Beginn des Rennens fort. Der viermalige Etappensieger der diesjährigen Tour de France holte sich zum ersten Mal den Sieg bei den Hamburg Cyclassics, obwohl er sich nach zehn Kilometern leicht verletzt hatte. Ein Konkurrent hatte ihn bei einer Pinkelpause, die Greipel „sanitärer Stopp“ nannte, übersehen und umgefahren. „Ich nenne den Attentäter nicht“, konnte er hinterher scherzen.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Aug.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen