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Prozessauftakt in Hamburg : Radikale Islamisten: Mutmaßlicher Anführer kommt aus Pinneberg

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Anfang Mai 2013 sollen die Angeklagten eine Moschee in Lübeck gestürmt haben. In Hamburg wurden sie angeklagt.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 10:00 Uhr

Hamburg/Pinneberg | Nach dem Verbot der Islamisten-Organisation Millatu Ibrahim durch den Bundesinnenminister im Juli 2012 sollen zwölf mutmaßliche Salafisten den Verein in Hamburg fortgeführt haben. Ihr mutmaßlicher Anführer: Slim K. aus Pinneberg. Im Prozess vor dem Hamburger Landgericht verlas die Staatsanwaltschaft am Donnerstag die Anklage gegen die Männer im Alter von 24 und 36 Jahren. Demnach sollen sie sich regelmäßig in einer Moschee in Hamburg-Harburg getroffen und Koranverteilungsstände organisiert haben. Mehreren der Männer wird zudem vorgeworfen, Nahkampftraining gemacht zu haben, um sich auf gewaltsame Auseinandersetzungen und den Dschihad vorzubereiten.

Anfang Mai 2013 sollen die Angeklagten eine Moschee in Lübeck gestürmt und gegen die Anwesenden wegen abweichender Glaubensansichten Morddrohungen ausgestoßen haben. Sie sollen ferner Personen aus dem Umfeld der Gruppe unterstützt haben, wenn sich diese dem Kampf von Islamisten in Syrien anschließen wollten. Zur Finanzierung ihrer Aktivitäten hätten die Angeklagten von einer Baustelle in Hamburg 2000 Kilogramm Kupfer gestohlen. Ein später in Syrien getötetes Mitglied der Gruppe habe als ehemaliger Wachmann den Abtransport des Metalls organisiert.

Die verbotenen Vereinsaktivitäten waren nach Darstellung der Staatsanwältin offenbar sehr intensiv. Ein 32 Jahre alter Angeklagter habe als Rädelsführer und sogenannter Amir fungiert. Nach Angaben des NDR gilt Slim K. darüber hinaus als Führungsfigur der schleswig-holsteinischen Salafistenszene. 2011 hatte er in Pinneberg für Schlagzeilen gesorgt: Er war Vorstandsmitglied des Vereins „Muslimische Vereinigung Pinneberg“, der in der Kreisstadt eine Moschee betrieben hatte. In dieser war unter anderem der mittlerweile gesuchte Terrorist Denis Cuspert aufgetreten. Nachdem immer mehr Vorwürfe wegen radial-islamistischer Tendenz öffentlich geworden waren, kündigte der Vermieter den Moschee-Betreibern und diese fanden offenbar in der Moschee im Hamburger Süden einen neuen Anlaufpunkt.

Andere Mitglieder der Gruppe konsultierten den mutmaßlichen Rädelsführer zu Fragen des Islams, etwa ob man sich den Bart stutzen oder Hosen tragen dürfe. Es gab laut Anklage Schulungen und eine Benefizveranstaltung für Syrien, bei der die Verpflichtung zur Bekämpfung der Ungläubigen betont worden sei. Die Angeklagten erklärten über ihre Verteidiger, dass sie sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern wollten. Ein Anwalt wies darauf hin, dass die seinem Mandanten vorgeworfenen Taten für sich genommen nicht strafbar seien. Als Beispiel nannte er die Teilnahme an einer Benefizveranstaltung oder den Besuch einer Halle zum Paintball-Schießen, einem Spiel mit Farbkugel. Bis zu einem Urteil könnte es dauern, die Kammer hat Termine bis Jahresende angesetzt.

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