Pinneberg : Rad-Diebstahl hat Hochkonjunktur

Leiter der Polizeistation stellt Kriminalstatistik 2014 für Pinneberg vor.

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16. Mai 2015, 16:09 Uhr

Pinneberg | Wer in Pinneberg sein Fahrrad abstellt, muss immer damit rechnen, dass es gestohlen wird. Die Stadt ist nämlich gegen den Kreistrend zur Hochburg der Fahrraddiebstähle geworden. Das belegt die Kriminalstatistik 2014 für Pinneberg, die Matthias Wieske, Leiter der Pinneberger Polizeistation, dieser Zeitung vorstellte. „Das kann auch an der guten Anbindung zu Hamburg liegen. Die Metropolregion ist mitprägend für das Kriminalitätsbild“, sagte Wieske.

Gab es im Jahr 2013 noch 274 Fahrraddiebstähle im Stadtgebiet, so stieg die Zahl der gemeldeten Delikte im Jahr 2014 auf 372. Das ist ein Zuwachs von 35,8 Prozent. „Im ersten Quartal dieses Jahres sind es 120 Diebstähle von Rädern“, berichtete Wieske. Besonders an Pinnebergs Schulen und Sportstätten würden Räder gestohlen. Auch der Bahnhof sei ein beliebter Ort. Im Fokus der Langfinger: Hochwertige Zweiräder.

Die Polizei geht davon aus, dass die Täter organisierten Banden angehören. „Im Hamburger Umland geklaute Räder tauchten in Bremen auf Flohmärkten zum Kauf auf. Umgekehrt wurden in Hamburg aus Bremen gestohlene Räder zum Verkauf angeboten“, berichtete Wieske.

Nicht nur die Zahl der Fahrraddiebstähle ist angestiegen, im Vergleich zu 2013 ist auch die Anzahl aller Straftaten in Pinneberg von 3565 auf 3782 angestiegen. Das ist eine Steigerung von 6,1 Prozent. Rechnet man die Zahl der Straftaten jeweils auf 100.000 Einwohner hoch, liegt Pinneberg im Kreisgebiet auf Platz zwei – gleich hinter Elmshorn.

Die Aufklärungsquote ist von 54,3 auf 49,2 Prozent zurückgegangen. „Aber immer noch im Durchschnitt vergangener Jahre und über dem Landes- und Behördenschnitt“, erklärte Wieske. Bemerkenswert: Bei den 1492 ermittelten Tatverdächtigen kommen laut Statistik 802 aus der Stadt selbst.

Zunahme bei Autoeinbrüchen

Im Diebstahlsbereich falle auch die Zunahme bei Autoeinbrüchen um 50 Prozent aus dem Rahmen. Die Zahl stieg von 205 auf 300. „Auch sie sind der organisierten Bandenkriminalität aus Osteuropa zuzuschreiben“, erläuterte Wieske. Besonders begehrt seien Navigationsgeräte aus teuren Autos und Ersatzteile. Wer seine Handtasche im Fahrzeug lasse, laufe ebenfalls Gefahr, Opfer eines Diebstahls zu werden.

Die Zahl der jugendtypischen Straftaten sei ebenfalls gestiegen – und zwar von 281 (2013) auf 342 (2015). „Ich hoffe, dass dies kein neuer Trend ist“, sagte Wieske.
Auffällig sei auch die Zunahme der Delikte im Bereich der Körperverletzungen: Sie sind von 369 (2013) auf 445 (2014) gestiegen. Es gab ein Tötungsdelikt, 88 gefährliche Körperverletzungen, fünf Vergewaltigungen und viermal kam es zu einer Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Im Bereich sozialer Nahraum zeichnet sich ebenfalls ein Trend ab: So meldeten immer mehr Frauen aus der islamischen Welt häusliche Gewaltvorfälle in der Partnerschaft. Doch es gibt auch Positives zu berichten: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von 177 (2013) auf 135 in 2014 zurückgegangen. „Hier haben sich personelle Anstrengungen und ein neues, regional übergreifendes Konzept bewährt“, sagte Wieske. Dabei sind die Ordnungshüter auch auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen: Eine sofortige Mitteilung, wenn verdächtige Personen auffallen, sei für die Polizei sehr wichtig. „Lieber zu viel als zu wenig“, sagte Wieske.

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