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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 23:06 Uhr

Quickborns Schuster für alle Fälle

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Quickborn | Wer kennt nicht die Redewendung "Schuster bleib bei deinen Leisten". Wobei nur wenige wissen dürften, dass damit die Fußnachbildung aus Holz gemeint ist, über die bei der handwerklichen Schuhherstellung das Oberleder gezogen wird. Der Quickborner Schuster Dieter Drube (65) ist bei seinen Leisten geblieben: Jetzt feiert er sein Berufsjubiläum. Seit 50 Jahren ist er als Schuster in Quickborn tätig, davon 20 Jahre selbstständig an der Bahnhofstraße.

An seinem Jubiläumstag kam Drube allerdings nur selten zum Arbeiten, denn viele Kunden wollten "ihrem Schuster" persönlich gratulieren. "Er ist ein Glücksfall für Quickborn", schwärmt Dorle Sahling, die Geschäftsführerin des Schuhhauses, in dem vor vielen Jahren alles begann. Der gebürtige Quickborner wirft einen Blick zurück: Zunächst hat er die Volksschule besucht und schon vor seinem Schulabschluss dem alten Schuster Zeuschel über die Schulter schauen dürfen. "Ich war fasziniert, wie der damals fast 70-Jährige orthopädische Schuhe anfertigte und reparierte. Von diesem Handwerk "infiziert", bewarb er sich bei Ernst Heinrich Sahling, der 1958 in der Bahnhofstraße ein neues Geschäft mit Werkstatt eröffnet hatte. Der Schustermeister vereinbarte zunächst eine vierteljährliche Probezeit, erkannte jedoch sehr schnell das handwerkliche Geschick des jungen Mannes. Zunächst lernte Drube unter der Obhut des Gesellen Paul Andrews. "Danach prägte mich der Schuster Herbert Rottenberg, von dem ich viel gelernt habe", schildert er seinen Berufseinstieg.

Als das Schuhgeschäft 1970 umgebaut wurde, zog die Werkstatt in den "Schusterkeller". Hier arbeitete Dieter Grube allein, aber immer in enger Kooperation mit dem Schuhhaus Sahling - dem bis heute einzigen Schuhladen in Quickborn. "Es war ein vertrauensvolles Verhältnis entstanden, das durch keine Konflikte überschattet wurde. Im Gegenteil: Beim Schritt in die Selbstständigkeit vor 20 Jahren hat mir Ernst Heinrich Sahling die gesamte Werkstatt-Ausstattung geschenkt."

Ein besonderes Ereignis in seiner Laufbahn sei der Umzug aus seiner Kellerwerkstatt am 26. April 2010 in den frei gewordenen Laden an der Bahnhofstraße gewesen. An dieses Datum erinnert er sich ganz genau. Rückblickend stellt Dieter Grube fest: "Als ich meine Ausbildung begann, gab es vier oder fünf Schuster in dieser Gemeinde. Heute bin ich der Einzige weit und breit. Das macht mich schon ein wenig stolz." Nach Auskunft der Handwerkskammer gibt es in ganz Schleswig-Holstein nur noch 100 Schuster. Der Beruf gehört zu einer aussterbenden Gattung.

Wahrscheinlich hätte ein Schuhschnelldienst aber schlechte Karten gegen diesen Vollprofi, der nicht nur Schuhe besohlt und Absätze erneuert. "Ich mache alles, was machbar ist, auch Reißverschlüsse einnähen, Taschengriffe erneuern und manchmal sogar Pferdedecken nähen", sagt der Schuster, der in seiner Werkstatt mit Maschinen sichtbar gut ausgestattet ist. Aber alles unter Vorbehalt, betont er, denn bei schweren Pferdesätteln höre seine großzügige Service-Bereitschaft auf.

Die Kundschaft ist Drube nach eigenem Bekunden seit vier Jahrzehnten treu geblieben. Nicht nur aus Quickborn, sondern auch aus der Umgebung kommen die Kunden zu ihm. Ans Aufhören denkt der 65-Jährige nicht. "Uns Dieter" will weitermachen. "Ich bin kein Typ, der gern zu Hause herumsitzt. Und mir macht mein Beruf immer noch viel Spaß", sagt Drube, der heute in Norderstedt mit seiner Familie wohnt. Dazu würden viele zufriedene Kunden und die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Schuhhaus-Team beitragen. "Ich hoffe sehr, dass meine Gesundheit es zulässt, dass ich noch eine Weile arbeiten kann."

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