30 Kilometer westlich von Helgoland : „Purple Beach“: Keine Explosionsgefahr mehr auf havariertem Frachter

Der stark qualmende Frachter „Purple Beach“ am Dienstag in der Deutschen Bucht in der Nordsee.
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Der stark qualmende Frachter „Purple Beach“ am Dienstag in der Deutschen Bucht in der Nordsee.

Weiter unklar ist, was genau im Inneren des Schiffs passiert. Der Wind trieb den Geruch des Düngers bis zum Festland.

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27. Mai 2015, 06:38 Uhr

Cuxhaven | Nach der Havarie des Frachters „Purple Beach“ auf der Nordsee ist die Explosionsgefahr gebannt. Der Einsatz von Wasserwerfern am Mittwoch brachte die erwünschte Wirkung. Die seit Montag über dem Schiff „Purple Beach“ aufsteigende Rauch- und Gaswolke sei deutlich reduziert worden, sagte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich, in Cuxhaven. Zuvor hatten Experten noch Explosionsgefahr befürchtet. Zwei Spezialschiffe sind an dem Frachter, der westlich von Helgoland vor Anker liegt, im Einsatz. Sie näherten sich der „Purple Beach“ auf etwa 100 Meter an und drängten die Rauchwolke mit Sprühwasser zurück.

Die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende „Purple Beach“ war am Montagabend etwa 30 Kilometer westlich von Helgoland auf Reede in Not geraten. Die Besatzung hatte den betroffenen Laderaum abgeriegelt und mit Kohlendioxid geflutet, um einen möglichen Brand zu löschen. Allerdings ist nicht klar, ob für die Rauch- und Hitzeentwicklung Feuer oder eine chemische Reaktion verantwortlich ist. Die 22-köpfige Crew und ein Brandbekämpfungsteam waren zu Untersuchungen in Krankenhäuser geflogen worden. Sie konnten es mittlerweile wieder verlassen.
Der Notfall-Hochseeschlepper „Nordic“ und das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ im Einsatz an der „Purple Beach“.
Foto: Thorsten Helmerichs/dpa
Der Notfall-Hochseeschlepper „Nordic“ und das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ im Einsatz an der „Purple Beach“.

Experten des Havariekommandos konnten das 192 Meter lange Schiff – mit an Bord sind neben 5000 Tonnen Dünger 1300 Tonnen Treibstoff – am Mittwoch aber noch nicht betreten. „Wir werden in dieser Situation keine Einsatzkraft gefährden“, teilte der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, mit.

Spezialisten vom Mehrzweckschiff „Neuwerk“ bereiteten sich darauf vor, über kleine Luken den Laderaum mit Wasser zu fluten. Später soll das Schiff auf einen Notliegeplatz und dann in einen Hafen geschleppt werden.

Unklar ist, ob für Rauch und Hitze ein Feuer oder eine andere chemische Reaktion verantwortlich ist. Genauso wie das, was genau im Inneren des Schiffs passiert.

Ein Messtrupp stellte Hitzeentwicklung in einem Laderaum fest. Über dem Schiff stand noch bis Mittwochmorgen eine große Rauchwolke. Der Wind trieb den Geruch des Düngemittels bis zu den ostfriesischen Inseln und zum Festland.

Durch die Rauchentwicklung auf dem Frachter kam es in mehreren Bereichen an der Nordseeküste zu Geruchsbelästigungen. Das Havariekommando warnte deshalb zunächst Anwohner in den Kreisen Wittmund, Friesland, Cuxhaven, Ammerland, Wesermarsch sowie in den Städten Wilhelmshaven und Bremerhaven, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe jedoch nicht, sagte der Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven, Michael Friedrich. „Wir haben die ganze Nacht weder in Cuxhaven oder in Bremerhaven, noch im Umkreis des Frachters eine Gefahrenstoffkonzentration festgestellt.“ Die Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven gab nach Messungen der Luft am Mittwochvormittag Entwarnung. Es seien keine Gefahrstoffe festgestellt worden.

Der stark qualmende Frachter „Purple Beach“ am Dienstag in der Deutschen Bucht in der Nordsee.
Foto: Havariekommando/dpa
Die „Purple Beach“ am Dienstag in der Deutschen Bucht in der Nordsee.

Brandbekämpfungsspezialisten wollten keine Luke der „Purple Beach“ öffnen, um nicht zu riskieren, dass Sauerstoff in den Laderaum gelangt und ein Feuer anfacht oder eine Explosion auslöst. Der Plan, den betroffenen Bereich zu fluten, ließ sich zunächst nicht umsetzen.

An der Außenhaut des Schiffs betrug die Temperatur zeitweise 45 Grad. „Man kann daraus aber nur wenige Schlüsse auf die Innentemperatur ziehen“, sagte Friedrich.

Die Karte zeigt den Ort der Havarie der „Purple Beach“ und die vom Geruch des Düngers betroffenen Landkreise (orangefarben). Quelle: dpa, marinetraffic.com, NDR.

Das Havariekommando in Cuxhaven ist gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer. Es unterhält ein maritimes Lagezentrum, das rund um die Uhr besetzt ist. Bei schweren Schadenslagen auf See wird ein Havariestab gebildet, dessen Leiter die Einsatzkräfte von Bund und Ländern koordiniert. Bei kleineren Unfällen sind die lokalen Behörden zuständig. Das Havariekommando probt auch immer wieder den Ernstfall. Es unterstützt mit Radar- und Luftüberwachung, Lotseneinsatz sowie Notschleppern. Für den Fall einer Ölpest stehen Spezialschiffe bereit.

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