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„Die Kinder hatten große Angst“ : Prozess wegen versuchten Mordes im Kreis Pinneberg wird fortgesetzt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Angeklagte hat die Messerattacke auf seine Frau gestanden, streitet eine Tötungsabsicht jedoch ab.

Rellingen/Itzehoe | Er hat seine Frau niedergestochen und soll auch den eigenen Sohn verletzt haben: Am Dienstag ist vor dem Landgericht Itzehoe der Prozess gegen einen 34 Jahre alten Afghanen fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung vor. Der Angeklagte hat die Messerattacke auf seine Frau gestanden, streitet eine Tötungsabsicht jedoch ab.

Als Zeugin sagte gestern eine Halstenbekerin aus. Sie sei von einer Freundin angerufen worden, welche sich nach dem Angriff um die beiden Söhne des Paares gekümmert habe. Die Kinder sind im Grundschulalter. Der ältere der beiden hatte Stichwunden. „Sie bat mich um Hilfe. Wir haben uns im Krankenhaus getroffen. Dort war ich vier Stunden lang mit den Kindern in der Notaufnahme“, sagte die 42-Jährige. Die Kinder hätten von dem Übergriff erzählt. „Der Größere beschrieb, wie seine Mutter schwerverletzt auf dem Boden lag. Alles war voller Blut. Er hat gesagt, dass die Mama jetzt bestimmt im Himmel ist“, sagte die Zeugin. Der Vater habe gedroht, alle umzubringen. Auch sich selbst. „Die Kinder haben ihre Faust zur Brust geführt und so gezeigt, wie sich der Vater mit dem Messer selbst das Leben nehmen wollte.“ Die Bekannte der Zeugin sagte vor Gericht: „Die Kinder hatten große Angst.“

Der Tat am 19. September 2015 war ein Beziehungsstreit vorausgegangen. Die Frau wollte sich seit Längerem von ihrem Mann, der als Asylbewerber in Italien lebt und am 19. September zu Besuch war, trennen. Sie sei in etwa zwölf Jahren Ehe immer wieder misshandelt worden. Das sagte sie während der Verhandlung vor etwa einer Woche. Sie selbst hat in Deutschland Asyl beantragt. Ihr Mann habe am Tattag zunächst zugestimmt, nach Italien zurückzukehren. In ihrer Rellinger Wohnung habe er sie kurz vor der Verabschiedung plötzlich mit einem Küchenmesser attackiert. Nach Polizeiangaben schleppte sie sich mit lebensgefährlichen Verletzungen aus dem Haus. Auf der Straße An der Rellau brach sie bewusstlos zusammen. Rettungskräfte fuhren sie in ein Krankenhaus und bewahrten sie vor dem Tod.

Ihr Mann wurde, ebenfalls lebensbedrohlich verletzt, in der Wohnung gefunden. Er hatte später angegeben, von seiner Frau angegriffen worden zu sein. Während der Gerichtsverhandlung bezeichnete er seine Angaben als Lüge und stellte den Ablauf anders dar. Im Handgemenge sei er in die Klinge gestürzt. An Details könne er sich nicht erinnern. Ein Mediziner hatte jedoch ausgesagt, dass die Art der Wunde auf eine Selbstverletzung hindeute.

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erstellt am 30.Mär.2016 | 10:00 Uhr

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