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Pinneberger Tageblatt

24. August 2017 | 07:35 Uhr

Prozess: Neuer Missbrauchsvorwurf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kinder eines 43-jährigen Quickborners sagen vor Gericht aus / Fortsetzung für 29. Januar geplant / Polizei soll nachlässig ermittelt haben

Vor dem Landgericht Itzehoe ist gestern der Prozess gegen einen 43 Jahre alten Quickborner fortgesetzt worden, der seine Frau mit Schlägen verletzt, sie Mitte Juli im gemeinsamen Haus an einen Stuhl gefesselt und später mehrfach vergewaltigt haben soll. Der Mann habe laut Staatsanwaltschaft zudem gedroht, seine Frau zu töten (diese Zeitung berichtete). Motiv für die Todesdrohungen soll der Wunsch seiner Frau gewesen sein, die Scheidung einzureichen und das Haus zu verkaufen.

Außer der nun angeklagten Körperverletzung in zwei Fällen, der Freiheitsberaubung und der Vergewaltigung soll es während der vergangenen zehn Jahre weitere Übergriffe gegeben haben. Der Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen. Auch als gestern seine Kinder vor Gericht aussagten.

Das Noch-Ehepaar hat zwei gemeinsame Söhne. Die elf und zwölf Jahre alten Jungen traten gestern in den Zeugenstand. Die beiden hatten nach Aussagen ihrer 32 Jahre alten Mutter mehrfach mitbekommen, wie sie von ihrem Mann geschlagen worden sei. Einer der Jungen sei zudem selbst bei einem Übergriff verletzt worden. Unter Tränen bestätigten die Jungen einen Teil der Vorwürfe gegen ihren Vater. Und sie sagten auch, dass ihre Mutter von Missbrauch oder Vergewaltigung berichtete. Eine versuchte Vergewaltigung soll der Elfjährige miterlebt haben.

„Ich habe mit meinem Sohn in einem Bett geschlafen. Der Vater kam dazu und fasste mich an. Ich wollte das nicht“, berichtete die Mutter gestern vor Gericht. Der Sohn sei aufgewacht, habe geschrien. Der Vater habe ihn aus dem Zimmer schicken wollen. Der Junge habe sich geweigert. Schließlich habe der Angeklagte von ihr abgelassen.

Der 43-Jährige wirkte während der Verhandlung äußerlich gefasst. Meist regungslos nahm er zur Kenntnis, wie Zeugen über das sprechen, was er seiner Frau angetan haben soll. Nur wenn es um die Kinder ging, wurde er unruhig, schüttelte den Kopf, fasste sich in die Haare, verbarg sein Gesichter in den Händen, flüsterte seiner Anwältin etwas zu.

Als Zeugen sind auch Polizeibeamte geladen. Eine Ermittlerin gab vor Gericht an, dass nach den Vergewaltigungsvorwürfen Mitte Juli nicht gründlich genug nach Beweisen geforscht worden sei. „Der Keller ist nicht vernünftig durchsucht worden“, sagte die Beamtin.

Dabei ging es um Klebeband, mit dem die 32-Jährige an einen Stuhl gefesselt worden sein soll. Unmittelbar nach der verhandelten Tat sei zwar ein gelber Sack mit Müll von der Polizei untersucht worden. Klebeband sei aber nicht darin gewesen.

Erst wesentlich später habe das mutmaßliche Opfer Klebeband mit Haarresten bei der Polizei abgegeben, die sie beim Aufräumen im Keller entdeckt habe. Den Ermittlern sei das Material bei der Durchsuchung des Hauses zuvor jedoch nicht aufgefallen.

Wie die Beamtin weiterhin sagte, habe der Angeklagte bei einem Hamburger Unternehmen für Sicherheitstechnik ein Gerät gekauft, das Umgebungsgeräusche übertrage und von einem Mobiltelefon aus gesteuert werden könne. Es diene der Überwachung, etwa eines Raums.


Eifersucht wegen eines anderen Mannes


Die Frau des Angeklagten und Zeugen hatten mehrfach von Eifersucht gesprochen, die der 43-Jährige empfunden habe, weil sich seine Frau in einen Nachbarn verliebt haben soll. Er habe den Nachbarn deswegen ebenfalls angegriffen.

Wann das Urteil fällt, steht noch nicht fest. Strafkammer, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage einigten sich auf drei weitere Termine. Die Fortsetzung der Hauptverhandlung ist nun für den 29. Januar geplant.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 16:00 Uhr

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