A 23 : Proteste gegen die Autobahnauffahrt

A 23 Autobahnauffahrt Rellingen
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Grüne befürchten mehr Verkehr in Rellingen und wollen ein Landschaftsschutzgebiet bewahren. Die Bürger schreiben Briefe an die Fraktionen.

shz.de von
19. Juni 2014, 16:00 Uhr

Rellingen | Es rumort mächtig in Rellingen und Pinneberg. Nach dem Vorschlag der SPD, einen weiteren Autobahnzubringer an der Tangstedter Straße in Rellingern zu bauen, wehren sich einige Bürger – und auch in der Politik gibt es keine geschlossene Meinung. Die Grünen befürchten mehr Verkehr und sind gegen die Pläne. Die CDU hält eine Autobahnauffahrt an dieser Stelle für „undurchführbar“.

Derzeit steht SPD-Ratsherr Peter Geercken mit seinem Vorschlag ziemlich alleine da. CDU und Grüne erkennen zwar die Leistung an, das Problem des starken Verkehrs in Rellingen angehen zu wollen, die Lösung halten aber beide für falsch.

Eine Initiative von Bürgern aus Rellingen und Pinneberg unter der Leitung von Dirk Bartels hatte sich am Wochenende mit Flugzetteln gegen das Vorhaben gestellt. Sie befürchten eine Einschränkung der Wohnqualität, mehr Verkehr und mehr Lärm in ihrem Ort. Mit dabei ist auch Petra Kucklies aus Rellingen. „Es ist offensichtlich, dass sich die meisten Bürger völlig übergangen fühlten“, sagt sie. Erst aus der Zeitung hätten sie von dem Vorhaben erfahren. Die Bürger setzten sich für die Beauftragung eines Verkehrsplanungsbüros mit einem ergebnisoffenen Auftrag ein. Sollte die Politik ernst machen, sei auch die Formierung einer Bürgerinitiative denkbar. Die Gruppe verschickt nun Fragebögen an die Fraktionen, in denen sie sich skeptisch zeigt, dass eine fünfte Autobahnabfahrt das Verkehrsproblem löst. Ein neuer Zubringer würde eine neue Ausweisung von Gewerbe- und/oder Wohngebieten geradezu „provozieren“.

Das sehen auch die Grünen so. Außerdem habe man den Flächennutzungsplan nicht berücksichtigt, sagt Achim Diekmann, Mitglied im Verkehrsausschuss. „Es ist gut, nach Lösungen zu suchen. Wir haben aber den Eindruck, als wäre dies in Unkenntnis über die Ortshistorie geschehen.“ Es drohe eine Zerstückelung und Zerschneidung der Landschaftsschutzflächen an Pinnau und Ellerau. „Riesige Grünflächen würden verschwinden“, gibt Konrad Wolf, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Rellingen zu bedenken. Zudem habe die Gemeinde kein „Gewerbeproblem“, sondern „ein Flächenproblem“. Die Wohnqualität müsse erhalten bleiben. Gewerbe gebe es bereits genug. Neue Gebiete seien nicht notwendig. Die Verkehrsbelastung relativieren Diekmann und Wolf. Zu Stoßzeiten müsse man in jedem Ort ein höheres Verkehrsaufkommen „hinnehmen“. Staus im Ortskern gebe es meist nur zu diesen Zeiten. Die Grünen sind somit auch gegen eine Machbarkeitsstudie, wären aber einverstanden mit einer ergebnisoffenen Untersuchung zur Lösung der Verkehrsprobleme.

Die CDU zeigt sich ebenfalls kritisch. „Ein Zubringer an dieser Stelle ist undurchführbar“, sagt der Fraktionsvorsitzende Dieter Beyrle. Die Häuser stünden zu nah zusammen. Zudem brauche Rellingen keine weitere Auffahrt. Vor der letzten Ausschusssitzung hatte Geercken (SPD) noch gesagt, die CDU sei „mit im Boot“. Offiziell habe er noch nichts gehört, dass sich die Meinung geändert hat. Mit Gegenwind habe er gerechnet, er finde es aber „seltsam“, dass die Reaktion so heftig ausfällt. „Es war nur eine Idee“. Er sei offen für Vorschläge. Aber: „Fast jeder Haushalt hat zwei oder drei Autos. Wir brauchen eine Lösung für den vielen Verkehr.“

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