Pinneberg : Protest gegen Neubau in der Schloßstraße

Auf diesem Gelände ist das XXL-Haus geplant: Birgit Suhl (Dritte v. l.) und ihre Nachbarn befürchten eine Zunahme des Verkehrs in ihrer Straße.
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Auf diesem Gelände ist das XXL-Haus geplant: Birgit Suhl (Dritte v. l.) und ihre Nachbarn befürchten eine Zunahme des Verkehrs in ihrer Straße.

Anwohner wehren sich gegen Bau eines zwölf Meter hohen Wohnhauses. Stadt bietet Gespräch an. Der Investor beruhigt.

shz.de von
05. Mai 2015, 12:00 Uhr

Pinneberg | In der Pinneberger Schloßstraße ist die Welt nicht mehr in Ordnung: Anwohner wehren sich gegen den Bau eines zwölf Meter hohen Wohnhauses mit ausgebautem Satteldach und Tiefgarage. Birgit Suhl, eine der Anwohnerinnen, hat große Bedenken: „Abgesehen davon, dass das Wohnhaus nicht zum Stil der Villen aus der Jahrhundertwende passt, besteht in der Schloßstraße ein sehr hoher Grundwasserspiegel. Es steht zu befürchten, dass durch den Neubau das Grundwasser in die umliegenden Gebäude gedrückt wird und Schäden entstehen“, sagt sie. Die Anwohner haben bereits einen Anwalt eingeschaltet.

Die Schloßstraße in Pinneberg. Villen aus der Jahrhundertwende prägen das Bild. Ein Stück historisches Pinneberg. Doch das geplante Projekt sorgt für Unmut. An der Einmündung zur Mühlenstraße soll das mehr als zwölf Meter hohe Wohnhaus mit ausgebautem Satteldach und Tiefgarage für 24 Parteien entstehen. Die Firma Noah in Heede hat das Grundstück, auf dem sich früher eine Tischlerei befand, erworben und steht in den Startlöchern.

Birgit Suhl, eine der Anwohnerinnen, hat große Bedenken: „Abgesehen davon, dass das Wohnhaus nicht zum Stil passt, besteht in der Schloßstraße ein sehr hoher Grundwasserspiegel, weil sich in unmittelbarer Nähe die Pinnau/Mühlenau befindet. Es steht zu befürchten, dass durch den Neubau der Grundwasserdruck weiter erhöht wird“, führt sie aus. Im Klartext: Die Keller würden überschwemmt.

„Ich habe einen Pumpenschacht im Keller und eine Drainage rund um das Gebäude, da schon bei leichten Regenfällen das Grundwasser im Keller steht“, sagt Suhl. Viele der historischen Häuser in der Straße hätten jedoch gar keinen oder nur halbe Keller. Die Angst vor überfluteten Häusern ist groß. „Es könnten gravierende Schäden wie Risse und Absackungen entstehen“, sagt sie. Außerdem befürchten Suhl und ihre Nachbarn, dass der Verkehr erheblich zunehmen werde. Schon jetzt sei die Lage heikel, bedingt durch das Seniorenheim Bauernmühle, die Sporthalle, die Bäckerei Dwenger, die Schulen und diverse Kleinunternehmen. „Zu den Hauptverkehrszeiten kann man nur mit abenteuerlichen und unfallträchtigen Manövern auf die Mühlenstraße einbiegen“, berichtet Suhl. Durch den geplanten Neubau werde die Lebens- und Wohnqualität aller Anwohner enorm verschlechtert. „Die enorme Höhe verschattet die benachbarten Gebäude – wir sitzen dann buchstäblich im Dunkeln“, sagt Suhl.

Villen aus der Jahrhundertwende prägen das Bild in der Schloßstraße. (Foto: Erdbrügger)
Villen aus der Jahrhundertwende prägen das Bild in der Schloßstraße. (Foto: Erdbrügger)
 

Die Baugenehmigung wurde erteilt. „Sämtliche Genehmigungsvoraussetzungen sind erfüllt worden“, sagt Pinnebergs Rathaussprecher Marc Trampe. Suhls Bitte um einen Gesprächstermin bei Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) wird die Verwaltung erfüllen: „Wir werden unsere Entscheidungsgründe darlegen und auf die Nöte und Sorgen der Anwohner eingehen“, sagte gestern Trampe. Das Gespräch ist am Montag, 11. Mai. Suhl und 14    Anwohner werden dann ihr Anliegen im Rathaus vorbringen.

Doch die Anwohner fahren zweigleisig. Ein Anwalt wurde eingeschaltet. Man fordere ein Bodengutachten sowie ein Beweissicherungsverfahren. „Das Bauvorhaben wird man wohl nicht verhindern können, aber vielleicht können wir verhindern, dass so hoch gebaut wird “, sagt der Pinneberger Jurist Ralf Wassermann. Auch an den Ministerpräsidenten Torsten Albig haben sich die Betroffenen gewandt. Das Schreiben liegt jetzt bei Norbert Scharbach, Bevollmächtigter für Bauaufsicht in Schleswig-Holstein. Außerdem haben sich die Grünen gestern Abend während ihrer Fraktionssitzung mit dem Thema beschäftigt.

Unterdessen kann Investor Thomas Albrecht die ganze Aufregung nicht verstehen. „Durch das Projekt wird das Straßenbild zum Vorteil verändert. So wie es jetzt ist, ist es kein schönes Bild“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Man werde so bauen, wie es sich gehört, räumt er die Bedenken aus dem Weg. „Wir halten uns an Recht und Gesetz.“

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