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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 06:31 Uhr

Protest gegen Markt-Privatisierung

vom

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Die Angst ums Geschäft mischt sich mit dem Zorn über die Politik, vor allem über die Informationspolitik. Die Stadt Pinneberg will Wochen- und Jahrmarkt privatisieren, die Ausschreibungen laufen bereits. Die Schausteller erfuhren jedoch erst am 27. April davon, berichtet Alexander Karow (47) - als sie auf dem Wochenmarkt die gelben Plakate entdeckten, mit der die Marktbeschicker gegen den Plan protestierten (diese Zeitung berichtete).

Seit Mittwoch, 1. Mai, kleben die Plakate nun auch an den Jahrmarktbuden: "Wir ziehen mit dem Wochenmarkt am selben Strang", erklärt Karow. Ihn ärgert, dass die Stadt ihn und seine Kollegen nicht über die Privatisierung informiert habe - obwohl sie direkt betroffen sind. "Man fühlt sich in die Ecke gedrängt", klagt er.

Karow, Schausteller in der achten Generation, betreibt den Mandelstand auf dem Pinneberger Jahrmarkt. Er fürchtet "unbezahlbare" Standgebühren, sollte der Markt privatisiert werden. Schausteller-Kollege und Mitstreiter Wolfgang Lange (51) Lange ergänzt: Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich die Gebühren nach einer Privatisierung "um das Doppelte bis Dreifache" erhöhen. Denn während die Stadt mit dem Markt keinen Gewinn machen dürfe, sei ein privater Investor genau darauf angewiesen: "Der muss erst mal Geld verdienen."

Dagegen wollen sich die Schausteller wehren - und stützen sich dabei auf starke Verbandsstrukturen. Karow ist Funktionär im Hamburger Schaustellerverband, Lange zweiter Vorsitzender des Schaustellerverbands Schleswig-Holstein. "Wir sind sehr gut organisiert", betont Karow. Der Deutsche Schaustellerbund (DSB) habe 5000 Mitglieder.

In einem ersten Schritt haben die Schausteller am Donnerstag, 2. Mai, im Rathaus Einspruch gegen die Ausschreibung eingelegt. Zu ihrem weiteren Vorgehen mögen sich Karow und Lange nicht festlegen; sie wollen die Reaktion der Stadt abwarten. Lange nennt jedoch verschiedene Optionen: Die Schaustellerverbände unterhalten eine Werbegemeinschaft, möglicherweise könnte die sich selbst um die Übernahme des Marktes bewerben. Bis zum 21. Mai läuft die Ausschreibung noch.

Doch auch eine Klage gegen die Stadt schließt Lange nicht aus. Er verweist auf den Fall des Offenbacher Weihnachtsmarkts: Der war 1997 an einen privaten Betreiber verkauft worden. Im Jahr 2010 urteilte der Hessische Verwaltungsgerichtshof jedoch, dass die Privatisierung rechtswidrig war.

Der Fall Pinneberg, sagt Lange, liege derzeit den Rechtsanwälten des Deutschen Schaustellerbundes zur Prüfung vor. Wirtschaftsprüfer Stefan Krappa war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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