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Endlich anfangen, die Welt zu retten : Preisgekrönter Klimaforscher Mojib Latif in Schenefeld

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Preisgekrönter Klimaforscher Mojib Latif warnt eindringlich vor den Folgen der globalen Erwärmung. 180 Gäste kamen ins Juks.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 12:30 Uhr

Schenefeld | „Wenn es im Winter in Hamburg schneit, bekomme ich wieder viele böse Mails“, sagt Mojib Latif. Weil er doch immer vor dem Klimawandel und der Erderwärmung warne. „Doch wenn es heute im Winter nur einmal schneit, sendet der NDR gleich eine Sondersendung. Gibt es einen besseren Beweis für die Erderwärmung?“ Gelächter im Juks. 180 Gäste lauschen dem Vortrag des mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichneten Klimaexperten. Er ist auf Einladung der Stadt zu Gast in Schenefeld. Schließlich wurde 2015 zum Energiejahr ausgerufen, versucht Schenefeld in puncto Energie bundesweit Maßstäbe zu setzen.

Latif zeigt an diesem Abend schonungslos auf, was mit dieser Erde passiert, wenn die Menschen einfach so weiter machen wie bisher. Aber er macht auch Hoffnung: „Eine kohlendioxidfreie Wirtschaft ist möglich. Wir haben bis 2070 Zeit, unsere Wirtschaft umzubauen“, sagt der 61-Jährige. Die Uhr tickt. Es liegt an uns. Aber nicht einer allein, sondern nur alle zusammen können den Klimawandel stoppen. Diese Botschaften nehmen die Schenefelder mit nach Hause.

Die Erderwärmung als unmittelbare Folge des steigenden Kohlendioxidanteils in der Atmosphäre, als Folge der ungezügelten Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. „Wir verbrauchen die Schätze der Erde in atemberaubender Geschwindigkeit. Aber die Ressourcen sind begrenzt. Ein ungebremstes Wachstum ist unmöglich“, fordert Latif ein Umsteuern. Seit 1900 habe sich die Erde um ein Grad erwärmt. Bis zu drei Grad seien nach heutigen Modellen realistisch. Die Folgen zeigt er auf. Grönland schmilzt. In der Arktis ist das Meereis seit 1979 um 30 Prozent zurückgegangen. Das Schmelzen des Landeises lasse den Meeresspiegel ansteigen. „Zurzeit um drei Millimeter pro Jahr, um 20 Zentimeter seit 1990“, betont der Klimaforscher. „Inseln werden von der Landkarte verschwinden“, mahnt Latif.

Er kommt auf die 21. Weltklimakonferenz zu sprechen, die am 30. November in Paris beginnt. Und verspricht den Schenefeldern, dass die Politik wieder einen Durchbruch verkünden wird, vielleicht wieder einen historischen – um dann Fakten sprechen zu lassen. „Seit der ersten Weltklimakonferenz 1990 sind die Kohlendioxid-Emissionen um 61 Prozent gestiegen.“ China, die USA und Europa: Sie müssten einen gemeinsamen Weg finden, um diesen Planeten zu retten. „Wir haben kein Energieproblem“, betont Latif. Mit Wind, Wasser, Sonne und Biomasse stehe genug Energie zur Verfügung. Alle Technologien seien entwickelt, würden aber nicht eingesetzt. Dem stünden handfeste wirtschaftliche Interessen entgegen. Einen Punkt hob Latif hervor: „Es ist Deutschlands historischer Verdienst, dass es erneuerbare Energien bezahlbar gemacht hat.“ Das reiche aber noch nicht.

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