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Doping bei Schülern im Kreis : Prävention Fehlanzeige

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Für Jugendtrainer im Kreis Pinneberg ist Doping kein Thema. Eine Aufklärung der jungen Athleten gibt es deshalb nicht. Dabei ist auch beim Nachwuchs der Einsatz unerlaubter Mittel zur Leistungssteigerung durchaus üblich.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Pinneberg | Asthmaspray vor dem Start, um die Bronchien zu weitern. Wick Medinait oder andere Medikamente mit Ephedrin, ebenfalls um die Bronchien zu weiten und die Schleimhäute abschwellen zu lassen. Ob junge Schwimmer, Leichtathleten, Fußballer oder andere Sportler: Der Einsatz von Medikamenten ist beim Nachwuchs keine Seltenheit. „Sieben Prozent der deutschen Nachwuchsathleten dopen“, lautet das Ergebnis einer Studie unter Leichtathleten von C- und D-Kadern unter der Leitung des Mainzer Dopingforschers Perikles Simon. „Es ist nicht akzeptabel, dass es so etwas bei durchschnittlich 16 Jahre alten Athleten in Deutschland gibt“, sagte Simon im November vorigen Jahres während einer Veranstaltung der Macromedia-Hochschule.

„Wir haben damit nichts am Hut“, sagt Florian Zarp, Schwimmtrainer bei der SG Elbe. Die 13- bis 15-Jährigen, die bei ihm trainieren, hätten auch zumeist nicht den Leistungsstand, in dem Doping infrage komme. Allerdings: Gegen zu ehrgeizige Eltern, die mit Medikamenten ihren Sprösslingen Beine machen, hat er nichts in der Hand. „Das bekommt man als Trainer gar nicht mit.“

Ähnlich sieht es auch Klaus Böttcher, Nachwuchstrainer bei der LG Wedel-Pinneberg. „Die meisten Athleten bringen nicht die Leistungen, als dass Doping für sie infrage kommen würde“, sagt er. Anders sehe es im Leistungsbereich aus. Schon B-Jugendliche müssen damit rechnen, kontrolliert zu werden. Ab Landesmeisterschaften gebe es Untersuchungen nach dem Losverfahren.

Darin gleichen Schwimmer und Leichtathleten. Sobald die Sportler in die Landeskader aufgenommen werden, müssen sie ein Antidoping-Seminar des Verbands und eine Ehrenerklärung unterschreiben. Außerdem müssen sie mit Kontrollen rechnen. „Und damit auch, erwischt zu werden“, betont Böttcher. Und sollte einer der Athleten einmal krank werden, gibt es laut Böttcher die klare Ansage: Ärzte sind darauf hinzuweisen, dass der Athlet Leistungssportler ist und keine Medikamente verschrieben werden dürfen, die auf der Dopingliste stehen.

Den Blutverdünner, damit ein Bluterguss schneller abzieht. Das Grippemittel, um wieder schnell fit zu werden. „Das ist Privatsache der Sportler“, sagt Michael Fischer, Trainer der Oberliga-Fußballer des VfL Pinneberg. Für die jungen Erwachsenen stünde auch weniger der Sport als die berufliche Leistungserhaltung im Vordergrund. „Wenn ich allerdings mitbekommen würde, dass jemand gezielt Medikamente einsetzt, um beim Fußball besser zu sein, würde ich einschreiten“, betont Fischer.

Konsequenzen? Keine.

„Ich sehe die Problematik. Vielleicht sollten wir noch stärker unseren Fokus auf das Thema setzen“, sagt Ulrike Neuhausen, Sportwissenschaftlerin und Trainerin beim Elmshorner MTV. Neuhausen ist beim Pinneberger Kreissportverband auch in der Trainerausbildung tätig. „Da liegt der Schwerpunkt allerdings mehr auf dem praktischen Bereich“, berichtet sie. Allerdings ist Doping durchaus ein Thema bei den Seminaren, wenn auch nur in bescheidenem Maße. „Ich sage in der Ausbildung, wie gedopt werden kann und was Doping ist“, erläutert sie. Für Neuhausen besteht das Hauptproblem bei Aufputschmitteln und Retalin. „Diese Medikamente werden insbesondere bei Schülern und Studenten eingenommen, um die Aufmerksamkeit zu fördern“, weiß sie.

Dass Doping bei Jugendlichen ein Thema ist, weiß Fischer aus seiner Tätigkeit als Kreisschulsportbeauftragter. Jüngst nahm er an einem Treffen mit seinen schleswig-holsteinischen Kollegen teil. „Wir gehen davon aus, dass es viele Jugendliche gibt, die leistungssteigernde Mittel nehmen“, berichtet er. Konsequenzen? Keine. „Wir haben gar nicht die finanziellen Mittel, Kontrollen bei Schulmeisterschaften durchzuführen.“

Dass bei Jugendlichen die Einnahme von Mitteln, die als Doping gelten, nicht unüblich ist, glaubt auch Böttcher. „Allerdings in erster Linie in den Muckibuden“, sagt er. Da gehe es eben weniger um Kraft und Ausdauer, sondern nur ums Aussehen.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar "Doping beginnt im Kleinen".

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