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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 21:20 Uhr

Schenefeld : Post spannt Geduld auf die Folter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Tücken des Alltags: Warum eine defekte Packstation, Schokolade aus der Schweiz und die Mittagssonne nicht zusammenpassen

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2013 | 13:01 Uhr

„Das Leben ist verdammt hart – dafür aber auch tierisch ungerecht“, pflegte mein Vater immer zu sagen. Seine Lebensweisheit manifestiert sich derzeit in Bezug auf die Packstation am Schenefelder Rathaus: Seit Freitag vergangener Woche hat sie keine besondere Aufgabe – außer dekorativ in der Gegend herumzustehen, da sie defekt ist. Wahrscheinlich wäre dieser Umstand komplett an mir vorbeigegangen, wenn nicht eine Sendung von mir hinter millimeterdickem Stahl liegen würde. Und ich wittere eine Verschwörung, in der eine Kommilitonin eine tragende Rolle spielt.

Rückblick: Im Juli hatte besagte Kommilitonin eine Prüfung über Karl Jaspers und seine „Psychologie der Weltanschauungen“ abzulegen. Hatte ich nie zuvor gehört. Aber um mitreden zu können, orderte ich spontan eine Gebrauchtausgabe des Werkes per Handy. Das dauerte etwa 35 Sekunden. Bis ich das Buch in den Händen hielt, vergingen viele, viele Tage. Denn schon Ende Juli war die Packstation am Heisterweg defekt. Geduld war angesagt, bis ein Techniker mir – und anderen wartenden Kunden – den gelb-grauen Moloch öffnete und ich noch exakt 17 Stunden hatte, um das 400-Seiten-Buch durchzulesen.

Mittlerweile ist die Prüfung Vergangenheit, die Kommilitonin ist es nicht. Jetzt schreibt sie an ihrer Examensarbeit. Menschen in dieser Lebenslage neigen im Allgemeinen zu einer gewissen seelischen Unausgeglichenheit. Und Frauen im Speziellen zu Schokolade.

Also wird Schoki organisiert. Nicht irgendeine, sondern die beste. Aus der Schweiz – schließlich ist es ja die Examensarbeit. Wieder per Internet bestellt, wieder zur Packstation geliefert. Dass diese erneut defekt ist, verbuche ich zu diesem Zeitpunkt noch als Ironie des Schicksals.

„Am Montag sollte sie wieder funktionieren“, erklärt der Hotline-Mensch der Post. Er kann meine Sorge um die Schoki innerhalb einer gen Mittagssonne ausgerichteten Packstation nicht verstehen. Die Ironie dahinter schlägt in Gehässigkeit um, als ich drei Tage später erneut vor dem Gerät stehe. Schließlich kam um 14.23 Uhr die SMS, dass die Packstation wieder funktioniere. Tut sie aber nicht. „Die ist bereits um 14 Uhr als defekt gemeldet worden, da müssen Sie wohl wieder warten“, lasse ich mir am Telefon erklären.

Und meine Schokolade? „Sollte es zu einem Schaden gekommen sein, ersetzen wir dann den Betrag.“ Super, also wird die als Geschenk gedachte Schoki-Packung aufgemacht, um zu gucken, ob sie sich noch verschenken ließe wenn sie denn noch ungeöffnet wäre. Schicksal, Du bist wohl extra für mich in den Experten-Modus gewechselt, oder?

Selbst Postsprecher Jens-Uwe Hogardt kann mir keinen Trost spenden: „Bei technischen Modulen gibt es immer einen gewissen Fehlergrad.“ Inhaltlich korrekt, doch muntert es mich nicht auf. Und meine Kommilitonin noch viel weniger. Kurz überlege ich noch, wie viele andere Leidensgenossen ich wohl habe und wie viele Tragödien sich um Schenefeld herum abspielen. Wie viele Geburtstagsgeschenke in der metallernen Box liegen, statt Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Wie viele Menschen wie ich die Technik verfluchen.

Ich habe mittlerweile ein neues Schoki-Paket für meine Kommilitonin geordert. Das lasse ich mir aber nach Hause liefern, damit es noch vor ihrer Doktor-Arbeit ankommt.

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