Pop, der Soul und Jazz atmet

Mit 13 Jahren fing er an, Gitarre zu spielen: Phil Siemers startet musikalisch durch.
Mit 13 Jahren fing er an, Gitarre zu spielen: Phil Siemers startet musikalisch durch.

Der Hamburger Phil Siemers tritt in die Fußstapfen von Roger Cicero und Johannes Oerding

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31. März 2020, 11:31 Uhr

Hamburg | Wenn Johannes Oerding sich mit einer Sache auskennt, dann mit Musik. Als er Phil Siemers das erste Mal live sah, fand er große Worte: „Ich bin wirklich berührt und inspiriert. Ich habe lange nicht mehr einen so tollen Sänger gesehen und gehört.“ Dass die Vorschusslorbeeren seines Kollegen berechtigt waren, beweist Siemers nun mit seinem Debütalbum „Wer wenn nicht jetzt“.

Als „Pop, der Soul und Jazz atmet“ bezeichnet Siemers selbst seine Musik und trifft es damit ziemlich auf den Punkt. Zeitgenössischen Pop verbindet der 27-Jährige auf „Wer wenn nicht jetzt“ mit Einflüssen aus Jazz, Soul, Blues und Folk. Sanfte Balladen wie das Stück „Verkehrt“ treffen auf groovende Jazz-Shuffle wie in „Schöne neue Welt“, Gitarren-Pickings auf Hummings. „Bill Withers war für mich die Einstiegsdroge“, erklärt Siemers. „Vor ungefähr acht Jahren habe ich mit meiner damaligen Band einen Song von ihm gecovert und gemerkt, dass diese Musik gut zu mir passt. Danach habe ich dann Stevie Wonder oder Marvin Gaye für mich entdeckt.“

Musik macht Siemers allerdings schon länger: Mit 13 Jahren fing er an, Gitarre zu spielen. Während der Schulzeit hatte er verschiedene Bandprojekte, seit etwa vier Jahren macht er unter seinem eigenen Namen Musik. Er spielte bereits auf dem Elbjazz Festival und stand als Support für Zaz, Keb Mo und Nena auf der Bühne. Für Aufmerksamkeit sorgte der gebürtige Hamburger außerdem als Sänger der Soulounge, die schon Künstlern wie Johannes Oeding oder Roger Cicero als Sprungbrett für die Solokarriere diente. „Vor drei Jahren fing ich an, mit Sven Bünger, einem der Initiatoren der Soulounge, an meinem Album zu arbeiten. Ungefähr zeitgleich hatte Sven die Idee, die Soulounge, die ja 2010 ihr Abschlusskonzert hatte, wieder aufleben zu lassen“, sagt er. Seitdem gehört Siemers zur Stammbesetzung. „Das ist total lustig, denn dadurch, dass ich Sänger wie Johannes Oerding und Roger Cicero immer verfolgt habe, kannte ich die Soulounge natürlich. Ich war damals aber zu jung, um zu den Konzerten zu gehen. Dass ich beim ausverkauften Konzert in der Fabrik im Februar dann mit Johannes auf der Bühne stand, war schon besonders. Überhaupt habe ich durch die Soulounge viel gelernt.“

Erfahrungen, die Siemers für sein Debütalbum nutzen konnte. „Da ist nichts programmiert oder am Computer entstanden, sondern das sind alles echte Menschen, die echte Instrumente spielen. Das war mir sehr wichtig“, sagt er. Dazu singt Siemers mit warmer Stimme von dem, was ihn bewegt. Oft geht es um die Liebe − der Titelsong allerdings ist ein flammendes Plädoyer dafür, Stellung zu beziehen und sich gemeinsam für eine lebenswerte Welt stark zu machen.

Am 3. April hätte Phil Siemers zu seinem Album eigentlich ein ausverkauftes Konzert im Nochtspeicher geben sollen, das im Zuge der Corona-Krise allerdings abgesagt wurde. „Natürlich bin ich enttäuscht, dass unsere Tour im April nicht stattfinden kann. Ich habe mich schon sehr auf die Konzerte gefreut. Die gute Nachricht ist aber, dass wir für fast alle Shows bereits neue Termine im Herbst finden konnten. Wir spielen dieses Jahr nun also nicht wie ursprünglich geplant zwei kleinere Touren, sondern eine größere im Herbst. Und bis dahin denken wir uns ein paar schöne Dinge aus, um die Zeit zu verkürzen. Zum Beispiel werde ich am kommenden Samstag um 19 Uhr wieder ein Instagram Live-Konzert aus meinem Wohnzimmer spielen. Das hat beim ersten Mal verdammt gut funktioniert. Ich meine 180 Zuhörer im eigenen Wohnzimmer? Das ist schon auch eine feine Sache.“


>Phil Siemers live: 7. Dezember, Mojo Club Hamburg, Tickets ab 28,20 Euro unter www.eventim.de.


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