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Sitzung des Seniorenbeirats : Polizei warnt: Vorsicht vor dem falschen Enkel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Polizisten warnen gerade ältere Menschen vor Betrugsversuchen. Informationsveranstaltung am 4. Mai.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | „Nach den letzten jährlichen Berechnungen Ihrer steuerpflichtigen Aktivitäten haben wir festgestellt, dass Sie Anspruch haben auf eine Steuerrückzahlung von 232,81 Euro. Bitte reichen Sie die Steuerrückerstattung-Anfrage ein und gewähren Sie uns drei bis fünf Tage für die Verarbeitung.“ So lautet der Text eines vom „Bundeszentralamt“ ausgestellten und mit Bundesadler und passendem Logo versehenen Briefs, den der Ex-Seniorenbeiratsvorsitzende Claus Dieter Westphal während der Sitzung des Seniorenbeirats verlas. Angeblich ausgestellten. Denn in Wahrheit handelt es sich um Betrug, um an die Kontodaten der Rentner zu kommen.

„Das ist ein sehr hinterhältiger Versuch von Straftätern, um an das Geld von älteren Menschen zu gelangen“, erklärte Wolfgang Ketels. Der ehemalige Kriminalbeamte und Experte für Kriminalprävention aus Rellingen informierte die Mitglieder darüber, wie Senioren systematisch hereingelegt werden.

Zu den am häufigsten angewandten Kriminalitätsformen gehört der Enkeltrick in unterschiedlichen Varianten. Ältere Menschen werden angerufen. Dabei wird ein Enkel oder ein naher in einen Notfall geratener Angehöriger vorgetäuscht. Die Täter erbitten im weiteren Gesprächsverlauf höhere, angeblich dringend benötigte Geldbeträge. Die Betrüger nennen beispielsweise Verkehrsunfälle und Immobilienkäufe. „Von möglicherweise hundert Anrufen sind zwei oder drei erfolgreich“, sagte der ehemalige Hauptkommissar der Hamburger Polizei. Die betroffenen, älteren Menschen zweifeln nicht daran, auf der Stelle ihrem Enkel helfen zu müssen. Die Senioren sind dann in der Regel aufgefordert, das Geld einer fremden, vom vermeintlichen Enkel geschickten Person zu übergeben. Dieser Trick wird laut Ketels in unterschiedlichen Varianten angewandt.

Die Täter tarnten sich häufig als sogenannte Amtspersonen, etwa als Polizisten mit gefälschtem Ausweis. „Es gab in Hamburg allein im Januar 19 Fälle, bei denen sich Betrüger als Polizisten ausgegeben haben“, berichtete Ketels. Die Betroffenen lassen die Betrüger in ihre Wohnung. Während eine Person das Opfer unterhält, durchsucht der Komplize die übrigen Räume nach Wertsachen.

Wolfgang Ketels empfiehlt bei derartigen Fällen die Ausweise zu prüfen. „Fordern Sie die vermeintlichen Polizisten auf, ihre Dienstnummer anzugeben“, rät Ketels. Hätte man die Täter um ein wenig Geduld gebeten, sei es geboten, die Polizei unter 110 zu kontaktieren. Sie ist dann in der Lage, die Dienstnummer zu prüfen. „Aktuell ist ein Trend Richtung Trickbetrügerei festzustellen“, betont Ketels. Der Experte informiert über weitere Kriminalitätsformen während seines Referats. Weitere Vorträge sind über das Institut für verhaltensorientierte Prävention buchbar.

Kriminalhauptkommissar Nico Klügel aus Pinneberg stuft die Kriminalität gegen ältere Menschen im Kreis Pinneberg ähnlich ein wie in der Großstadt. „Das sind keine regional begrenzten Geschichten“, sagte Klügel. Die Fallzahl gehe „mal rauf, mal runter“, je nachdem wo die Täter zuschlagen. „Wenn einem etwas merkwürdig anmutet, ist es empfehlenswert, die Polizei zu kontaktieren. In jedem Fall sollte man keine sensiblen Daten weitergeben“, sagte Klügel.

Während der Rellinger über Straftaten berichtete, wies er auch auf seinen Vortrag am Donnerstag, 4. Mai, im Rathaus Rellingen hin. Das Thema lautet: „Kriminalität zum Nachteil von Senioren“. Beginn ist um 18 Uhr auf der Galerie des Rathauses an der Hauptstraße. Die Mitglieder der Außenstelle Pinneberg des Weißen Ringes sind ebenfalls vertreten. Während der Kriminalbeamte in seinem Vortrag rund um das Thema Kriminalität referiert, informiert der Weiße Ring über Opferbetreuung und Möglichkeiten, seelischen Beistand zu erhalten.

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