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Ronald sei Dank : Polizei schnappt Einbrecher in Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Zeuge aus Pinneberg hilft den Ermittlern bei ihrem Einsatz. Jetzt veröffentlicht die Polizei Aufklärungsvideos auf Facebook. Mit dabei - der mutige Zeuge.

von
erstellt am 06.Jun.2016 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Es ist 18.30 Uhr, als Ronald die weiße Tür zu seiner Terrasse aufstößt, um in den Garten zu treten. Die Sonne ist an diesem 3. Februar längst untergegangen, im Schein des Abendhimmels blickt der Pinneberger ins dunkle Grün. In seinen Händen hält er eine Zigarette. Um Roland herum ist es still; bis er plötzlich ein Scheppern hört. „Was war das?“, fragt er sich.

Ronald ahnt, aus welcher Richtung das mysteriöse Geräusch gekommen ist und macht sich auf den Weg zur Straße. Zwei Häuser weiter blickt er auf ein nicht beleuchtetes Haus. Wobei? Doch, dort brennt Licht. Aber keins, das üblich ist, wenn sich ein Hausbesitzer in seinen eigenen vier Wänden aufhält. Es scheint Taschenlampenlicht zu sein. „Ich habe sofort die Polizei angerufen“, sagt Ronald, der zwei Wochen zuvor selbst Opfer eines versuchten Einbruchs geworden ist.

Der Polizist am anderen Ende der 110-Leitung schickt direkt diverse Streifenwagen los und rät Ronald, ein paar Schritte zurückzutreten und die Einbrecher lieber aus der Ferne zu beobachten, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen und die Kriminellen nicht zu verscheuchen. Dem Rat folgt der Pinneberger, sucht den Sichtschutz einer Hecke. Kurz darauf beobachtet er, wie zwei Männer aus einem Fenster steigen und durch den Garten in Richtung Wald flüchten. Diese Information gibt er an die Polizei weiter, mit der er immer noch telefoniert.

Doch die sofort eingeleitete Fahndung bleibt ohne Erfolg. Den Kriminellen gelingt es im Schutz der Dunkelheit und des Dickichts zu entkommen. Doch nur bis zum Folgetag. Dann begehen die beiden Einbrecher einen für sie folgenschweren Fehler: Sie kehren zum Waldstück zurück, um den dort am Abend zuvor zurückgelassenen Rucksack mit der Beute zu holen. Von dem Gepäck hat die Polizei zu diesem Zeitpunkt aber bereits Kenntnis gehabt. Die Ermittler stellen die beiden Männer. Wenig später, im April dieses Jahres, werden sie vom Amtsgericht zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Wie wichtig das Verhalten von Ronald, der seinen Nachnamen öffentlich lieber nicht preisgeben möchte, gewesen war, zeigte die Reaktion der Polizei: Ingo Minnerop, Leiter der Kriminalinspektion Bad Segeberg, stattete dem Pinneberger einen Besuch ab, um ihn für die Alarmierung und die laufende Unterrichtung, was er am Abend beobachtet hatte, zu loben. Minnerop sagte zu Ronald: „Jeder Bürger, der uns informiert und uns Hinweise gibt, hilft uns bei unserer Arbeit. Dafür bedanke ich mich ausdrücklich.“

Screenshot von der Facebook-Seite „Polizei Segeberg und Pinneberg“.
Screenshot von der Facebook-Seite „Polizei Segeberg und Pinneberg“. Foto: pt
 

Für den Pinneberger war es eigener Angabe zufolge eine Selbstverständlichkeit. „Es ist wichtig, eine gute Nachbarschaft zu haben und dass man aufeinander achtet und sich austauscht“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Ebenso selbstverständlich sei es gewesen, dass er sich sofort für ein Projekt zur Verfügung stellte, auf das ihn Polizeisprecherin Sandra Mohr angesprochen hatte: Mohr hatte sich vor dem Hintergrund immer weiter steigender Einbruchszahlen überlegt, die Präventionsarbeit der Polizeidirektion Bad Segeberg auszubauen – mit Kurzfilmen, die sie über die Facebook-Seite der Polizeidirektion Bad Segeberg verbreiten wollte. Gesagt, getan: Seit Ende vergangener Woche sind auf der Seite „Polizei Segeberg und Pinneberg“ des sozialen Netzwerks vier Videos mit Ronald in der Hauptrolle zu sehen. Das letzte ging am Donnerstagnachmittag online.

Die Kurzfilme, in denen Ronald über die Tat berichtet und die Polizei Tipps gibt, wie Bürger sich zu verhalten haben, sind Teil des „Kampfs“ gegen die Wohnungseinbruchskriminalität, wie Mohr auf Anfrage dieser Zeitung sagt. Wie wichtig dieser Kampf ist, zeigen die Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik 2015: 976-mal ist im vergangenen Jahr versucht worden, in ein Haus oder in eine Wohnung im Kreis Pinneberg einzubrechen – so oft wie noch nie in der zurückliegenden Dekade. Zum Vergleich: 2014 registrierte die Polizei nach eigener Angabe 673 Fälle, das sind 294 weniger als 2015.

Das Konzept scheint zu greifen

Doch das neue Wohnungseinbruchsdiebstahl-Konzept (WED) der Polizei scheint zu greifen: „Aktuelle Zahlen zeigen, dass insbesondere in Wochen nach WED-Kontrolleinsätzen die Taten massiv abrissen“, sagt Mohr. Als Beispiele nennt die Polizeisprecherin die Gemeinde Rellingen und die Stadt Pinneberg, in denen seit April die Einbruchszahlen sanken. „Wir haben im Rahmen des laufenden WED-Konzepts die Kräfte gebündelt und besonders in den ersten drei Monaten diesen Jahres flankierend von diversen WED-Großkontrolleinsätzen und auch Präventionsstreifen mit für den Bürger deutlich sichtbaren Maßnahmen gearbeitet“, sagt Mohr. Die Polizeisprecherin ergänzt: „Wir werden diese intensiven Bemühungen aufrecht erhalten – jetzt, wenn die Einbruchszahlen trotz dieser Anstrengungen landes- und bundesweit steigen, erst recht.“

Zu diesen „intensiven Bemühungen“ zähle etwa die Präventionsarbeit, um die Bürger für die Problematik zu sensibilisieren. Denn bei solch Straftaten sei die Polizei immer auf Hinweise angewiesen, sagt Mohr. „Ermittlungsvorgänge der Vergangenheit zeigen, wie wichtig gezielte Zeugenaufrufe für den Erfolg der Ermittlungsarbeit sind. Das gleiche gilt für Festnahmeerfolge im Zuge von Sofortfahndungen. Die Quote ist höher, wenn konkrete Zeugenhinweise vorliegen. Je besser eine Täterbeschreibung, umso größer die Wahrscheinlichkeit für eine Festnahme. Daher Aussehen der Täter immer gut einprägen und Kennzeichen merken“, rät Polizeisprecherin Mohr. Einer von diesen aufmerksamen Zeugen ist der Pinneberger Roland.

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