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Rotlicht-Sünder kaum zu stoppen : Polizei kontrolliert an Bahnübergängen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bundes- und Landespolizisten kontrollieren erneut an Prisdorfer Bahnübergängen. Ein Autofahrer umkurvt geschlossene Halbschranken.

Kreis Pinneberg | Die Hektik ist dem jungen Mann schon anzusehen, als er sich dem Bahnhof in Prisdorf nähert. Er weiß, dass er zu spät ist. Als die rote Lampe zu blinken beginnt und sich die Schranken senken, hindern ihn die Bundespolizisten Thomas Masekowitz und Frank Stuhr ihn gerade noch daran, über die Gleise zu laufen, um seinen Zug auf dem Bahnsteig gegenüber zu erwischen – den erreicht er schließlich trotz der Wartezeit.

Der Mann ist nicht der erste, den sie an diesem Dienstagmorgen zurückhalten müssen. Unter den zahlreichen Berufspendlern sind etliche, die weder Rotlicht noch Schranken abhalten. „Hätten wir nicht hier gestanden, wären sie noch schnell rübergelaufen“, sagt Hanspeter Schwartz, Polizeioberkommissar und Sprecher der Bundespolizei. Seit sechs Uhr morgens kontrollieren acht Bundes- und Landespolizisten die Prisdorfer Bahnübergänge. Es ist die vierte Schwerpunktaktion innerhalb von zwei Wochen. Schwartz nennt das Verhalten einiger Passanten „richig dreist“.

Ein 20-Jähriger rennt trotz Warnsignals über den Bahnübergang. Für ihn wird es teuer: Bei Rotlicht-Verstoß droht ein Bußgeld von bis zu 350 Euro und Punkte in Flensburg. Ein anderer Mann entwischt den Beamten. Er erreicht den gegenüber liegenden Bahnsteig. Schwartz und sein Team können nur verwundert die Köpfe schütteln. Selbst die Uniformen und der direkt vor den Schranken parkende Streifenwagen können einige Passanten nicht abschrecken.

Rotlicht-Vertsöße sind am häufigsten: „Die Menschen sind sich gar nicht bewusst, dass sich die Schranken gleich senken“, sagt Schwartz. „Sie rennen noch schnell rüber, um ihren Zug zu erwischen.“ Als Grund nennt er Unpünktlichkeit: „Aufgrund mangelnden Zeitmanagements gehen viele das Risiko ein.“ Die Strecke ist viel frequentiert. Masekowitz hat mitgezählt: Morgens passieren 29 Züge innerhalb von zwei Stunden den Prisdorfer Bahnhof. Nicht alle halten, sondern rauschen mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Auch Güterzüge. Mit ihnen könne nicht gerechnet werden, da sie nicht im Fahrplan stünden, erklärt Schwartz, der mit zwei Kollegen den Bahnübergang am Bahnhof kontrolliert.

Tödliche Gefahr: Etwa 15 Züge rauschen am Morgen innerhalb einer Stunde durch den Prisdorfer Bahnhof. Nicht alle halten und sind deshalb mit hoher Geschwindigkeit unterwegs. (Foto: Mertin)
Tödliche Gefahr: Etwa 15 Züge rauschen am Morgen innerhalb einer Stunde durch den Prisdorfer Bahnhof. Nicht alle halten und sind deshalb mit hoher Geschwindigkeit unterwegs. (Foto: Mertin)
 

Um die Autofahrer, die die Gleise auf der Pinneberger Straße überqueren, kümmern sich andere Beamte. Ihre Bilanz fällt an diesem Morgen schlecht aus: Sie registrieren sieben Verstöße. Ein Fahrer macht besonders auf sich aufmerksam: Er überholt die anderen wartenden Autofahrer vor dem Bahnübergang und ignoriert sogar die heruntergelassenen Halbschranken. Mit diesem „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“ liegt laut Schwartz sogar ein Straftatbestand vor. Wer die Schranken missachtet, zahlt 700 Euro, erhält drei Monate Fahrverbot und obendrauf noch Punkte.

Die Polizisten wollen demnächst in die nahe gelegene Bilsbekschule gehen, um mit den Schülern das richtige Verhalten an Bahnübergängen zu üben. Sie geben nicht auf. „Wir haben oft genug gesehen, wie es aussieht, wenn es jemand nicht schafft“, sagt Schwartz.

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erstellt am 02.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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