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Flüchtlingssituation in Quickborn : Polizei: Die Lage ist völlig unauffällig

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Dienststellenleiter, Politiker und Verwaltung informieren Bürger zur Flüchtlingssituation in Quickborn.

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Quickborn | „So viele Besucher wie heute hatten wir wohl noch nie“, sagte Thomas Dänecke, Vorsitzender der Senioren-Union Quickborn und Umgebung angesichts des vollen Saals im Hotel Seegarten. Mit der Informationsveranstaltung „Flüchtlinge in Quickborn“ hatte er einen Nerv getroffen, mehr als 60 Besucher wollten aus erster Hand hören, wie sich die aktuelle Situation in Quickborn darstellt.

Die Referenten: Volker Dentzin, Fachbereichsleiter Einwohnerangelegenheiten im Quickborner Rathaus, Bürgervorsteher Henning Meyn (CDU), Erster Stadtrat Klaus-Hermann Hensel (CDU), André Schuller, Flüchtlingsbeauftragter der CDU, sowie Götz Nowobilski, Leiter der Quickborner Polizeistation. Zudem wurde Christian Rohde von der Diakonie Hamburg-West/Südholstein, der als Gast anwesend war, von den Rednern nach seiner Einschätzung befragt.

„Wir sind inzwischen so etwas wie ein kleines mittelständisches Wohnungsunternehmen“, beschrieb Dentzin den Aufgabenbereich der Verwaltung, der sich mit der Anmietung beziehungsweise dem Erwerb von inzwischen 80 Objekten beschäftigt, in denen die Quickborner Flüchtlinge untergebracht sind. Um gewappnet zu sein, rechne die Stadt mit der gleichen Anzahl von Personen wie im vergangenen Jahr. „Bis Ende April können wir unsere Kapazität auf knapp 500 Plätze ausbauen – damit sind wir gut aufgestellt“, erklärte Dentzin.

„Wir haben die Kriminalitätszahlen gefiltert und machen keinen Hehl aus den Fakten“, leitete Nowobilski seinen Lagebericht ein. Seit Mai vergangenen Jahres bis Dienstag dieser Woche habe es insgesamt 26 Einträge gegeben, die mit Flüchtlingen zu tun hätten. „13 davon waren Ladendiebstähle – aber nicht in Quickborn, sondern bei Willi Mohr in Bilsen. Keiner der Diebe kam aus Quickborn“, sagte der Dienststellenleiter. Auch die Schwarzfahrer, die erwischt worden waren, seien nicht in der Eulenstadt gemeldet.

„Vier mal wurden Flüchtlinge Opfer einer Straftat, alle anderen Fälle waren sonstige Hilfeleistungen“, zählte Nowobilski weiter auf. Etwa, als jemand die Polizei alarmierte, weil mehrere Personen Fahrräder schoben und sogleich ein Diebstahl vermutet worden war. „Es stellte sich heraus, dass die gerade in der Werkstatt an der Kieler Straße ihre Räder in Empfang genommen hatten“, berichtete der Polizist. Insgesamt sei er sehr dankbar für die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten. „Wir haben hier in Quickborn eine völlig unauffällige Lage“, schloss Nowobilski seinen Bericht.

140 aktiven Helfer

Schuller lobte – wie übrigens alle Redner – das großartige ehrenamtliche Engagement der 140 aktiven Helfer. Eine seiner Aufgaben bestehe auch darin, Gerüchte, die in sozialen Netzwerken im Internet kursierten, abzuwenden. Auch Meyn wusste von Falschmeldungen zu berichten. „Es ärgert mich sehr wenn erzählt wird, dass die Sporthalle Heidkamp geschlossen ist, weil die Stadt aufgrund der Flüchtlingssituation kein Geld für die Reparaturen hatte. Da ist einfach nichts dran“, stellte Meyn klar.

Die Frage eines Besuchers, was die Versorgung von Asylbewerbern für die Finanzen der Stadt bedeute, beantwortete Hensel: „Im Moment bekommen wir alle Kosten erstattet, da sind wir noch im grünen Bereich.“ Bei steigenden Zahlen über Jahre hinweg werde es jedoch schwierig. „Bedenken Sie aber auch, dass wir bei einer pensionsähnlichen Unterbringung millionenschwere Aufwendungen hätten“, ergänzte Dentzien. Außerdem habe seine Fraktion ein Schreiben an Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) verfasst und darin um eine detaillierte Auflistung der mit den Flüchtlingen verbundenen Kosten gebeten. „Die Liste soll im Rahmen einer Hauptausschusssitzung erörtert werden“, gab Hensel bekannt.

Unmut äußerte ein Ehepaar, das sich nicht ausreichend informiert fühlte. „Bei Nacht und Nebel sind im Nachbarhaus Flüchtlinge einquartiert worden ohne dass wir das vorher wussten. Als wir im Rathaus nachfragten, kriegten wir auch noch eine schnoddrige Antwort“, sagte der Besucher empört. Dentzin bestätigte, dass Nachbarn grundsätzlich informiert werden sollten, bat jedoch auch um Verständnis dafür, dass Familien oft ad hoc untergebracht werden müssten und die Situation im vergangenen Jahr häufig für alle Beteiligten sehr angespannt gewesen sei.

Rohde warb für weitere personelle Unterstützung in der Betreuung – und um finanzielle Zuwendungen, um verbindliche Ansprechpartner wie etwa Dolmetscher auch bezahlen zu können. In einer Sondersitzung des Sozialausschusses wird am Dienstag, 26. Januar, ab 17.30 Uhr darüber beraten.

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