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Landtagswahl – und was nun? : Politiker aus dem Kreis und ihr Umgang mit Ergebnis

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heftige Kritik an SPD-Ministerpräsident Torsten Albig.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Landtagswahl hat nicht nur ein überraschendes Wahlergebnis mit dem Ende der Kieler Küstenkoalition gebracht. Sie hat die Politiker auch vor knifflige Aufgaben gestellt. Jamaika-Koalition oder Ampel? Oder vielleicht doch große Koalition? Und mit welchem Personal? Unsere Zeitung hat sich bei Politikern aus dem Kreis Pinneberg umgehört.

Hans-Helmut Birke, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, beurteilt die Sache pragmatisch: „Das Wahlergebnis gibt die weitere Entwicklung vor. Daniel Günther hat die Wahl gewonnen und deshalb den ersten Zugriff zum Schritt auf eine Regierungsbildung.“ In einem Punkt legt sich Birke fest: „Für die zukünftige Regierungsbildung schließe ich eine große Koalition aus.“ Welche Regierung wünscht sich die Wirtschaft? „Die IHK zu Kiel ist parteipolitisch neutral. Wir wünschen uns eine stabile Mehrheit, die die Themen der Wirtschaft voranbringt“, so Paul Raab, Leiter der Elmshorner Zweigstelle.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann setzt auf eine Koalition von SPD, Grünen und FDP: „Wir haben im Kreis Pinneberg eine sehr erfolgreiche Ampel. Ich halte das auch für ein sehr gutes Modell für Kiel.“ Mit oder ohne Torsten Albig? „Das ist nicht die erste Frage. Die erste Frage ist, ob SPD und Grüne weiter erfolgreiche Politik betreiben können“, sagte der Sozialdemokrat.

FDP-Kreisvorsitzender Günther Hildebrand nahm gestern an der Sitzung des Landesvorstands seiner Partei teil, bei der schon erste Weichen gestellt werden könnten. Er hofft auf eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen. „Ich kann mit nicht vorstellen, dass man den großen Wahlverlierer anschließend belohnt, indem man ihn an der Regierung beteiligt. Und schon gar nicht diesen Ministerpräsidenten, der sich einiges erlaubt hat. Das würden uns die Wähler um die Ohren hauen.“ Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ole Schröder favorisiert eine Jamaika-Koalition: „Die SPD wurde abgewählt. Schleswig-Holstein braucht wieder eine CDU-geführte bürgerliche Regierung. Wenn die Grünen und die FDP sich im Bereiche Innere Sicherheit und Migration bewegen, ist eine Jamaika-Koalition möglich.“ In den Bereichen Haushalt, Bildung und Kommunales gebe es große Schnittmengen.

FDP-Kreistagsfraktionschef Klaus Bremer plädiert dafür, nichts auszuschließen, sagt aber auch: „Mit Albig geht überhaupt nichts. Und mit Stegner auch nicht.“ Ob es jemanden in der SPD-Landtagsfraktion gibt, der als Regierungschef infrage komme, daran zweifle er. „Der Vorteil einer Jamaika-Koalition: Sie hätte eine satte Mehrheit.“ Für Valerie Wilms, Bundestagsabgeordnete der Grünen, steht aufgrund des guten Zweitstimmenergebnisses ihrer Partei fest, dass die Wähler Robert Habeck in der künftigen Landesregierung sehen wollen. Denn der sei nur mit der Zweitstimme zu wählen gewesen. Die Grünen „wären mit dem Klammerbeutel gepudert“, wenn sie in die Opposition gehen sollten. Mit „einem abgewrackten Ministerpräsidenten, der noch dazu über Frauen abgelästert“ habe, gehe auch nichts. „Ich sehe für die Ampel realistisch keine Chance“, sagte Wilms. Politik lebe stets vom Kompromiss.

Der CDU-Bundestagskandidat Michael von Abercron, der bereits fünf Jahre Landtagsabgeordneter gewesen ist, würde derzeitt keine Konstellation ausschließen. Er kann sich aber vorstellen, „dass ein Bündnis mit FDP und Grünen funktionieren kann“. Die grünen Minister Monika Heinold und Robert Habeck hätten in den vergangenen fünf Jahren „fachlich durchaus einen anständigen Job“ gemacht, meint er. Allerdings müsse in der Regel bei den Grünen ein Parteitag einem Koalitionsvertrag zustimmen. Hier sieht Abercron „ein gewisses Risiko“. Erika von Kalben, wiedergewählte Landtagsabgeordnete der Grünen, hat andere Vorlieben: „Wir werden mit allen demokratischen Parteien sprechen, doch präferieren eine Ampel-Koalition, da sich in dieser am ehesten progressive Politik für Schleswig-Holstein umsetzen lässt.“

Osterhorn ist die Hochburg der AfD

32 Prozent der Wähler stimmten landesweit für die CDU. Ein Ergebnis, das den Christdemokraten in Bilsen vermutlich nur ein müdes Lächeln ins Gesicht treibt. Denn die kleine Gemeinde an der Grenze zum   Kreis Segeberg ist die schwarze Hochburg im Kreisgebiet: 57,6 Prozent der Zweitstimmen entfielen auf die Christdemokraten. Kein Wunder, schließlich ist dort der Landtagsabgeordnete Peter Lehnert Bürgermeister. Und erfreut sich offensichtlich großer Beliebtheit. 71,7 Prozent der Wähler seiner Gemeinde wollten ihren Bürgermeister weiter vier Jahre im Landtag sehen und  trugen per Erststimme dazu bei, dass er das Direktmandat im Wahlkreis Pinneberg-Nord ergatterte. Überhaupt ist es eine äußerst spannende Sache, das Landtagswahlergebnis der einzelnen  Gemeinden mal ein wenig genauer zu betrachten.

In Pinneberg lag die SPD mit 31 Prozent der Zweitstimmen über dem Schnitt. Kai-Oliver Vogel (Zweiter v. r.) wurde gewählt.

In Pinneberg lag die SPD mit 31 Prozent der Zweitstimmen über dem Schnitt. Kai-Oliver Vogel (Zweiter v. r.) wurde gewählt.

Foto: Vogel
 

Hochburg der AfD ist Osterhorn mit 9,5 Prozent. Doch auch in Bilsen hat die Partei viele Angänger: 9,2 Prozent. In Kummerfeld (7,5 Prozent) gab es ebenfalls viel Zustimmung. Den geringsten Anklang  fand die AfD mit 1,9 Prozent auf  Helgoland und mit 2,1 Prozent  in Bevern.

Bevern (48,7 Prozent) und Heede (50,3 Prozent) sind außer Bilsen die weiteren Hochburgen der CDU.  Die geringste Zustimmung bekam die Union in Elmshorn (27,3 Prozent) und Schenefeld (27,6 Prozent).

Die rote Hochburg im Kreis Pinneberg ist Seestermühe. Dort kam die SPD auf 39,1 Prozent. In Schenefeld schafften die Genossen immerhin noch 33,2 Prozent. Den geringsten Zuspruch erhielt die SPD in Groß Offenseth-Aspern mit 17,5 Prozent und Bilsen mit 18,2 Prozent.

Die FDP ist am stärksten in Ellerbek, der Heimat ihres Kreisvorsitzenden Günther Hildebrand: 19,4 Prozent gab es dort. Und auch die Quickborner wählten liberal: 15,8 Prozent. In Bilsen (3,9 Prozent) und Langeln (7,7 Prozent) hat die FDP keine große Lobby.

Die Grünen sind stark in Bokel (15 Prozent), Pinneberg (13,8 Prozent) und Prisdorf (13,6 Prozent). Weniger beliebt ist die Ökopartei in Bilsen (5,4 Prozent) und Heede (5,5 Prozent).

Wedel ist die Stadt der Linkspartei: 5,1 Prozent wurden dort eingefahren. In Elmshorn gab’s kaum weniger: 4,8 Prozent der Zweitstimmen. Den Linken die kalte Schulter zeigten die Wähler in Osterhorn (0,9 Prozent) und Seeth-Ekholt (1,1 Prozent).

Der SSW bekam den größten Zuspruch auf  Helgoland, dem Wohnort des einzigen Direktkandidaten  der Partei im Kreis Pinneberg, Thorsten Falke: 8,3 Prozent. In Bokel sprachen sich 3,5 Prozent der Wähler für den SSW aus. In Groß Offenseth-Aspern musste sich die von der Fünf-Prozent-Hürde befreite Minderheitenpartei mit 0,5 Prozent zufrieden geben.

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