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Pinneberger Tageblatt

25. Juni 2017 | 22:36 Uhr

„Politik spielt keine Rolle“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview Herbert Hoffmann lässt die 60-jährige Städtepartnerschaft zwischen Rockville und Pinneberg Revue passieren

Fünfmal war Herbert Hoffmann (Foto), Sprecher der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Rockville – Pinneberg (DAGRP), schon in der Partnerstadt. Aus Anlass des 60-jährigen Bestehens besuchen die lieben Freunde aus den USA kommende Woche Pinneberg. Hoffmann und die Mitglieder der DAGRP sind in Vorfreude.

Frage: Was bedeutet für Sie die deutsch-amerikanische Freundschaft?
Herbert Hoffmann: Ein Stück gute Tradition, das die Menschen nach den Wirren der unsäglichen Kriegszeit geschaffen haben. Eine Tradition, die es lohnt, jetzt und auch in Zukunft gepflegt zu werden. Ich bin gerne dabei und es macht Spaß, mit vielen anderen ehrenamtlich an und für diese Idee zu arbeiten.

Warum Amerika und nicht Frankreich? Was ist so faszinierend an Amerika?
Hoffmann: Beide Länder sind im Prinzip faszinierend und haben vieles vorzuzeigen. An Amerika schätze ich persönlich die Vielfalt der Nationalparks, die unendliche Weite und die Naturschauspiele, die immer wieder neu zu entdecken sind.

Was können die Amerikaner von uns lernen, was können wir von den Amerikanern lernen?
Hoffmann: Mich beeindruckt das Selbstbewusstsein der Amerikaner. Sie verlieren auch bei Katastrophen nicht die Zuversicht, packen einfach an und bauen auf eine bessere Zukunft. Die Bürger sind stolz auf ihr Land und haben keine Scheu, dieses auch offen zu zeigen. Ob die Amerikaner was von uns lernen können, vermag ich nicht zu beurteilen. Sie schauen voller Respekt auf unsere Pünktlichkeit, unsere Zuverlässigkeit, auf unsere Ordnung und unsere Geschichte.

Was unterscheidet Rockville von Pinneberg?
Hoffmann: Beide Städte liegen am Rand einer Großstadt und haben sich in den letzten 60 Jahren unterschiedlich entwickelt. Rockville hat 60  000 Einwohner und Pinneberg rund 43  000. Rockville ist eine Stadt, der es merklich gut geht und die viel für die Belange der Bürger investiert. Sie ist umgeben von einer gut florierenden Wirtschaft, die mit dafür sorgt, dass die Stadt Rockville Wohlhabend ist. Pinneberg leidet an seiner Finanzschwäche, hat aber viele Stärken im Bereich der Kultur, seinem breitgefächerten Bildungsangebot, eine bunte Vielfalt an engagierten Vereinen und ein stark ausgebautes Freizeitangebot, das die Partner aus Rockville immer wieder begeistert.

Wie oft waren Sie schon dort?
Hoffmann: In Rockville fünfmal, in den Vereinigten Staaten schon öfters.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?
Hoffmann: An die ausgeprägte Gastfreundlichkeit vieler lieber Menschen aus der Partnerstadt. Ansonsten vieles, was die USA zu bieten hat. Angefangen von den Großstädten wie Chicago oder New York, den Grand Canyon und Städte, die Musikgeschichte geschrieben haben. Dazu gehören Memphis und Nashville.

Wie hat sich die Beziehung im Laufe der Jahre verändert?
Hoffmann: Rockville hat auch eine partnerschaftliche Beziehung mit einer Stadt in China aufgebaut. Darunter hat aber unsere traditionsreiche Partnerschaft nicht gelitten. Der Schüleraustausch ist leider etwas schwächer geworden. Daran wird aber auf beiden Seiten des Atlantiks intensiv gearbeitet.

Wie ist die Haltung der Bürger in Rockville zu US-Präsident Trump?
Hoffmann: Sicher genau so gespalten wie bei uns. Politik spielt aber in unserer Partnerschaft keine Rolle. Weder in Rockville noch in Pinneberg. Für uns stehen das Wohlergehen und der Fortbestand der Partnerschaft im Vordergrund.

Sie haben sich lange auf den Besuch aus Rockville vorbereitet. Was war Ihnen wichtig?
Hoffmann: Dass die Gäste aus Rockville sich bei uns gut aufgehoben fühlen, ein buntes und interessantes Rahmenprogramm und die Freude auf das Wiedersehen mit vielen Freunden.
Während des Besuchs gibt es fast nur geschlossene Veranstaltungen. Sind die meisten Pinneberger nicht außen vor? Widerspricht das nicht dem Gedanken einer Städtepartnerschaft?
Hoffmann: Da trügt der Schein. Zu unserem offiziellen Festakt im Rathaus haben wir einen Querschnitt der Vereine und Verbände, der Politik und der Schulen eingeladen, weiterhin auch Bürger der Stadt, die nicht unserer Gesellschaft angehören. Da die Räumlichkeiten schon aus Sicherheitsgründen nur eine begrenzte Anzahl an Besucher zulassen, kann das nur über Einladungen gehen. Freuen würden wir uns, wenn viele Pinneberger Bürgerinnen und Bürger die Einweihung der gespendeten Bänke im Rosengarten begleiten würden. Termin ist Freitag, 2. Juni, um 12 Uhr.

Was wünschen Sie sich im Hinblick auf die Partnerschaft für die nächsten zehn Jahre?
Hoffmann: Den aktiven Ausbau im Bereich Schüleraustausch. Fortbestand der Freundschaften von Vereinen und Personen mit der Partnerstadt Rockville. Beispielhaft ist dafür die Freiwillige Feuerwehr Pinneberg. Kurzfristig freuen wir uns auf unseren Besuch in Rockville im Herbst dieses Jahres. 60 Pinneberger werden gemeinsam mit unseren dortigen Freunden und Partnern die 60-jährige Partnerschaft feiern. Zielgerechter kann es nicht sein.


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erstellt am 27.Mai.2017 | 16:28 Uhr

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