Im Februar : Politik entscheidet: Wird der Hundewald in Kummerfeld geschlossen?

Author: Jan Schönstedt
Der Hundewald in Kummerfeld soll erhalten bleiben, so sehen es SPD und Grüne.

Ärgernis oder Kleinod? Die Debatte um die Zukunft des Hundewalds in Kummerfeld ist erneut entbrannt und kommt auf die Tagesordnung bei der Politik. Vorher will die Gemeinde die Hundehalter selbst befragen.

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18. Januar 2022, 07:00 Uhr

Ärgernis oder Kleinod? Die Debatte um die Zukunft des Hundewalds in Kummerfeld ist erneut entbrannt und kommt auf die Tagesordnung bei der Politik. Vorher will die Gemeinde die Hundehalter selbst befragen.

In der Vergangenheit ist er bereits zum Politikum geworden. Nun droht er, geschlossen zu werden: der Hundewald in Kummerfeld. Am Donnerstag, 17. Februar, plant die Politik, über den Fortbestand entscheiden. Die Sitzung des Bau-, Wege- und Umweltausschusses beginnt um 19.30 Uhr. Doch vorher will die Gemeinde wissen, wie die Bevölkerung zu der Einrichtung steht: beliebtes Ausflugsziel oder überflüssig?

Einziges Areal im Kreis Pinneberg

Der Hundewald ist ein eingezäuntes Gelände, in dem Bello und Co. freien Auslauf ohne der sonst im Wald geltenden Leinenpflicht genießen dürfen. Zu erreichen ist der Auslauf über den Waldweg.

Naturnah ist der Hundewald in Kummerfeld.
Tanja Dirbach

Naturnah ist der Hundewald in Kummerfeld.

Die Gemeinde Kummerfeld ist die einzige, die ein solches Areal im Kreis Pinneberg anbietet.

Gemeinde befragt Bürger

Wer möchte, kann eine E-Mail an Bürgermeisterin Erika Koll (SPD) schreiben (buergermeisterin-kummerfeld@amt-pinnau.de) und seine Meinung zu dem Hundewald kundtun. Bislang haben sich die Hundebesitzer nur positiv gegenüber Koll geäußert, sagt diese auf Anfrage von shz.de. Sie würde sich aber über mehr Meinungen von Kummerfelder Hundefreunden freuen. Denn die hätten sich bislang nicht gemeldet.

Das Areal ist eingezäunt.
Tanja Dirbach

Das Areal ist eingezäunt.

Die Fronten sind klar: SPD und Grüne sind für den Erhalt des Hundewaldes. Doch vor allem die CDU will das Gelände schließen. Das Problem aus ihrer Sicht: Immer mehr Hundebesitzer aus dem ganzen Kreis und Hamburg nutzen den Hundewald. „Die Gemeinde Kummerfeld trägt die nicht unerheblichen Kosten aber allein“, sagte Burkhard E. Tiemann, Fraktionsvorsitzender der CDU, im Sommer im vergangene Jahr gegenüber shz.de. „Wir können nicht das Problem für den ganzen Kreis lösen.“

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Der Wald sei ein personeller und finanzieller Aufwand. Die Kommune zahlt aktuell 300 Euro Pacht im Jahr. Dazu kommt der angestiegene Verkehr in dem Bereich und einige Hundefreunde, die die Regeln nicht beachten würde. Koll findet die Debatte „müßig“, wie sie selbst sagt. Dass auch andere Hundebesitzer den Wald nutzen, findet sie unproblematisch.

Zu den Holmer Sandbergen gehen doch auch andere hin. Erika Koll, Bürgermeisterin

„Zu den Holmer Sandbergen gehen doch auch andere hin“, sagt Koll. Die Debatte solle sich nicht an „paar Querköpfen“, die unvernünftig agieren orientieren, findet sie.

4,6 von 5 Sternen

Laut den Rezensionen bei Google schätzen Hundefans die Auslauffläche. 4,6 von 5 möglichen Sternen hat der Hundewald von Nutzern aus der Region, aber auch aus Hamburg oder sogar Kiel bekommen. „Wunderschön, weitläufig und viele Trampelpfade mit teils dichteren Gebüsch“, urteilt eine Nutzerin. Eine andere lobt: „Ein toller Wald und ein echter Geheimtipp für Hundefreunde! Super sauber, riesiges Areal und perfekt eingezäunt! Häufig trifft man dort andere super liebe Hunde und nette Menschen. Wir kommen gerne und oft aus Hamburg vorbei.“ Auch in den sozialen Netzwerken, beispielsweise in Gruppen bei Facebook, wird ordentlich diskutiert über den Fortbestand, aber auch vermeintliche Raser, Wildparker und rücksichtslose Hundehalter mit aggressiven Haustieren sind Thema. Es werden aber auch Bilder und Videos geteilt von freundlichen Hunden, die sich fröhlich im Matsch suhlen. Der Kommentar einer Nutzerin zu dem Bild: „Dreckig aber glücklich“.

Toben gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen im Hundewald in Kummerfeld.
Tanja Dirbach

Toben gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen im Hundewald in Kummerfeld.

Auch vor Ort zeigt sich, wie beliebt die Fläche ist. Bereits am Vormittag tollen die beiden Dobermann-Hündinnen Lou und Feli durchs Unterholz und haben sichtlich Spaß mit einem weiteren Vierbeiner, der sich dazu gesellt.

Stillsitzen gehört eher nicht zum Programm im Hundewald. Nur ausnahmsweise für die Fotografin.
Tanja Dirbach

Stillsitzen gehört eher nicht zum Programm im Hundewald. Nur ausnahmsweise für die Fotografin.

Der Kummerfelder André Pabst ist regelmäßig hier und kann die Kritik nicht nachvollziehen. Hin und wieder gebe es zwar unvernünftige Hundebesitzer, aber das könne man nicht ändern. Dass die Hundebesitzer übermäßig viel Autoverkehr in den Wald holen, glaubt er nicht. Nach seiner Beobachtung wollten die meisten zum Joggen oder Spazieren in den Wald. Auch der Ruheforst ziehe Besucher an. Nur ein kleiner Teil biege bei dem Hundefeld ab. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Areal hier, würde mir aber mehr Akzeptanz wünschen“, sagt Pabst. „Es sind nicht immer die bösen Hundebesitzer, die die Banketten kaputtfahren.“ Dass der Verkehr seine Spuren hinterlässt, ist allerdings offensichtlich wenn man den Weg entlang geht.

Der Wegesrand ist deutlich beschädigt.
Tanja Dirbach

Der Wegesrand ist deutlich beschädigt.

Womit wir bei einer entscheidenden Frage wären: Warum ist Kummerfeld eigentlich allein mit seinem Hundewald? Auch in Borstel-Hohenraden hatte es eine Initiative gegeben. Doch noch bevor eine geeignete Fläche gesucht wurde, gab die Politik das Vorhaben wieder auf. Laut Bürgermeister Harm Kähler (FWG) sah sich die Gemeinde nicht in der Lage, die notwendige Infrastruktur wie Parkflächen einzurichten. Kähler fürchtet, dass dann viele Hundebesitzer aus Hamburg in die kleine Gemeinde stürmen würden. „Wir wollen aber keinen Hundetourismus schaffen, deshalb haben wir das relativ schnell zu den Akten gelegt“, so Kähler. Das Problem habe nun auch Kummerfeld. Weil viele Hundefreunde an den Seiten des Weges parken, seien die Seitenbanketten bereits beschädigt.

Initiative In Tornesch

In Tornesch sollte eine mögliche Hundewiese letztlich doch als Ausgleichsfläche genutzt werden. Damit war das Vorhaben gestorben.

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