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„Familiale Pflege“ : Plötzlich Pflegefall – und dann?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das neue Projekt hilft Angehörigen beim Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege.

von
erstellt am 19.Dez.2013 | 00:35 Uhr

Ein Schlaganfall, Herzinfarkt oder schwerer Sturz: Von einem Tag auf den anderen ist für Betroffene und deren Angehörige alles anders. Oftmals wird eine Familie völlig unvorbereitet mit der Frage konfrontiert, wie ein pflegebedürftiger Angehöriger nach einem Krankenhausaufenthalt weiter versorgt werden kann. Um den Menschen bei diesen Fragen besser helfen zu können, bieten die Regio Kliniken an ihren drei Standorten in Elmshorn, Pinneberg und Wedel in Zusammenarbeit mit der AOK Nordwest und der Universität Bielefeld ein neues Modellprojekt an. Ziel des Projekts „Familiale Pflege“: Angehörigen mit praktischen Hilfen den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege erleichtern. Gestern präsentierten die beteiligten Partner das Konzept im Elmshorner Klinikum.

Sogenannte Pflegetrainerinnen vermitteln bereits im Krankenhausin in speziellen Kursen den Angehörigen die richtigen Pflegetechniken. So gibt es etwa Tipps zur richtigen Liegeposition im Bett, Bewegung, Körperhygiene oder praktische Hilfestellungen beim An- und Ausziehen sowie auch beim Essen und Trinken.

Hilfsmittel richtig einsetzen

Auch der Umgang mit den Pflegemitteln wie zum Beispiel Toilettensitzen, Duschvorrichtungen und Drehkissen wird geschult. „Wir wollen damit den Angehörigen ihre Ängste nehmen“, sagt Pflegetrainerin Christiane Neu, die bei den Regio Kliniken die Projektkoordination übernommen hat. Bis zu sechs Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt stehen die Pflegetrainerinnen in Kontakt mit den Angehörigen und besuchen sie auch zu Hause. „Wenn wir merken, dass die Angehörigen mit der Pflege überfordert sind, können wir entsprechend reagieren – und zum Beispiel ein Pflegeteam hinzuziehen“, sagt Neu.

Ein weiterer Bestandteil des Konzepts sind spezielle Gespräche mit den Familien, um ein pflegerisches Netzwerk aufzubauen und somit nicht die ganze Verantwortung auf den Schultern eines Angehörigen allein zu lassen. „Ansonsten kommt es zu Stress und Erschöpfung der Pflegenden, ihnen droht eine Isolation“, sagt Stephan Seifen, wissenschaftlicher Begleiter des Projekts von der Universität Bielefeld.

Zudem sollen künftig monatliche Gesprächskreise die Pflegekompetenz stetig verbessern. Ab April des kommenden Jahres soll es zusätzlich einen Schwerpunkt zum Thema Demenz geben.

Die Projektpartner bieten das Pflegetraining, Kurse und Gesprächsangebote kostenlos an. Dabei müssen die Teilnehmer nicht bei der AOK Nordwest gesetzlich versichert sein.

Bereits seit Mitte des Jahres läuft das Projekt an den drei Regio-Standorten in Elmshorn, Pinneberg und Wedel. Es wird von sechs wissenschaftlich weitergebildeteten Pflegetrainerinnen betreut. Bis zum vergangenen Oktober wurden 62 pflegende Angehörige beraten. „Die Resonanz war durchweg positiv“, sagt Sabine Gerhardt, Pflegedirektorin am Regio Klinikum Elmshorn. Bei den Angehörigen gebe es meist einen hohen Redebedarf, sagt Pflegetrainerin Angelika Gadzinski. „Es ist auch ein schambehaftetes Thema, über das man nicht unbedingt mit seiner Nachbarin spricht – wir sind feste Ansprechpartnerinnen.“

Infos und Kontakt: Christiane Neu, Telefon: (0 41 21) 79 81 45, Anrufbeantworter: (0 41 21) 79 81 46; E-Mail: christiane.neu@sana.de; Sandra Griese (0 41 21) 2 17 84 12

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