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Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 05:39 Uhr

Regionalsprache : Platt is keen Klacks mehr

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Immer weniger Menschen sprechen die Regionalsprache. In der Pflege soll sie unterrichtet werden, denn Pflegebedürftige reagieren positiv auf sie.

von
erstellt am 27.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Snacks du noch Platt? – „Es gibt kaum noch jemanden, der Plattdeutsch als Erstsprache spricht“, sagt Volker Holm, Leiter des Zentrums für Niederdeutsch in Ratzeburg. Die Regionalsprache steht zwar nach der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen unter Schutz. Doch die Sprache wandelt sich.

Laut einer Studie des Instituts für niederdeutsche Sprache in Bremen verstehen zwei Drittel der Einwohner Schleswig-Holsteins Plattdeutsch sehr gut oder gut. Aber nur etwa ein Viertel der Einwohner habe gute Sprachkenntnisse. Diese Beobachtung hat auch der Haselauer Gerd Richert gemacht. „Die Sprache wurde nicht immer intensiv gepflegt, aber wird auch nicht aussterben“, sagt er.

Richert tut gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Elmshorner Speeldeel viel für die Pflege der Regionalsprache. Außer regelmäßigen Besuchen in Alten- und Pflegeheimen wird in Schulen Jugendlichen Platt näher gebracht. „Vor 20 Jahren war ich noch ein Einzelkämpfer, aber wenn ich sehe, wie viele plattdeutsche Krings sich inzwischen gegründet haben, ist das doch fantastisch“, sagt Richert.

Aber auch anderswo tut sich was. „Im Pflegebereich hat man inzwischen festgestellt, dass die Patienten teils besser auf Platt angesprochen werden können“, so Holm. „Wir haben das Pflegepersonal aufgefordert, Platt zu lernen“, sagt Richert. Platt sei eine Sprache, die den Menschen gut tue. „Es ist was anderes, wenn die Menschen auf Platt angesprochen werden, dann klingt das doch um einiges liebevoller“, so Richert.

An eine Zukunft des Plattdeutschen als Gebrauchssprache glaubt Holm jedoch nicht: „Es wird sich zunehmend mehr auf den kulturellen Bereich konzentrieren. Es gibt bereits jetzt viele Songwriter, die Plattdeutsch bewusst als Ausdruckssprache gewählt haben.“

Dass Platt Gefahr laufen könnte, von der Alltagssprache zur Folklore zu werden, befürchtet auch Haseldorfs Pastor Helmut Nagel, der im Radio auf Platt moderiert. Noch sei es aber nicht soweit. „Das wäre übertrieben“. Um die Sprache zu fördern, müsste Plattdeutsch in Schulen stärker verankert werden, „und zwar nicht nur in der Grundschule, sondern auch in höheren Klassen“, fordert Nagel.

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