Elmshorn : Plädoyer für mehr Solidarität

Demonstration am Tag der Arbeit: Zur zentralen Kundgebung des DGB hatten sich gestern Vormittag etwa 200 Menschen auf dem Alten Markt in Elmshorn versammelt.
Demonstration am Tag der Arbeit: Zur zentralen Kundgebung des DGB hatten sich gestern Vormittag etwa 200 Menschen auf dem Alten Markt in Elmshorn versammelt.

200 Teilnehmer bei traditioneller Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds zum 1. Mai auf dem Alten Markt in Elmshorn.

shz.de von
02. Mai 2015, 16:00 Uhr

Elmshorn | „Wir stehen gemeinsam in Solidarität für die Rechte der arbeitenden Menschen ein.“ Olaf Schwede, Abteilungsleiter im Bezirk Nord des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), sprach während der traditionellen Maikundgebung gestern Vormittag in Elmshorn deutliche Worte. „Die Geschichte des 1. Mai ist eine Geschichte gemeinsamer Kämpfe. Solidarität ist bis heute die Waffe der Arbeiterbewegung“, so der Gewerkschaftsfunktionär.

Etwa 200 Demonstranten hatten sich nach einem Marsch durch die Innenstadt zur Abschlussveranstaltung auf dem Alten Markt versammelt. Schwede erinnerte in seiner Rede an die Anfänge der Arbeiterbewegung vor 125 Jahren, als sich in Deutschland anlässlich des „Weltfeiertags der Arbeit“ etwa 100.000 Menschen zusammenfanden, um für den Acht-Stunden-Tag zu kämpfen. Alles habe mit einem Wirtschaftsflüchtling begonnen. Als sich im Frühjahr 1886 in Chicago Arbeiter einer Landmaschinenfabrik mit einem Streik gegen schlechte Arbeitsbedingungen wehrten, rief August Spies, gebürtiger Nordhesse und Chefredakteur einer deutschsprachigen Arbeiter-Zeitung in der amerikanischen Großstadt, zum Protest auf. Eine Kundgebung endete mit dem ersten Bombenattentat in Amerikas Geschichte und führte dazu, dass Beschäftigte in aller Welt am 1. Mai demonstrieren. Spies habe Deutschland damals aus der Not heraus verlassen, ebenso wie heute viele Menschen aus ihrer Heimat fliehen – vor Gewalt und Verfolgung, aber auch vor Hunger, katastrophalen Lebensbedingungen und Hoffnungslosigkeit. Schwede: „Sie kommen zu uns, so wie früher Menschen aus unserem Land in alle Welt gingen. Sie erhoffen sich ein gutes und sicheres Leben und brauchen unsere Unterstützung und Solidarität.“ Jeder Mensch habe die Chance verdient, sich mit seiner eigenen Hände Arbeit etwas aufzubauen.

Schwede brach zudem eine Lanze für den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser sei eine der großen Sozialreformen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte und Startsignal im Kampf gegen Niedriglöhne und prekäre Beschäftigung. „Gute Arbeit heißt aber auch tarifliche Bezahlung. Tarifverträge sind unser Mittel, vernünftige Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung zu sichern. Das ist keine Selbstverständlichkeit und geht oft nur im Konflikt“, stellte Schwede fest und nannte beispielhaft den zurzeit schwelenden Arbeitskampf im Bereich des Sozial- und Erziehungsdiensts. Die Schaffung einer eigenen Entgelttabelle für die sozialen Berufe sei „Lohndumping“, das korrigiert werden müsse. Hart ins Gericht ging Schwede zudem mit dem Sana-Konzern, der Regioklinik-Mitarbeiter aus niedrigen Lohngruppen entlassen und in einer Tochtergesellschaft für bis zu einem Drittel weniger Gehalt einstellen will. „Hier stiehlt sich ein gut verdienender Gesundheitskonzern aus der sozialen Verantwortung für langjährige Beschäftigte“, kritisierte er.

Auch Elmshorns stellvertretender Bürgermeister Ulrich Lenk (SPD) machte sich für die Integration von Flüchtlingen stark. „Wir können es uns erlauben, diese Menschen aufzunehmen, denn wir haben den Platz und den Wohlstand“, so der Sozialdemokrat.

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