Die Zukunft macht Druck : Pionier der 3D-Kunst zu Gast in Pinneberg

Der Künstler Rolf Bergmeier zeigt ein Werk, das mit der Drucktechnologie entstanden ist.
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Der Künstler Rolf Bergmeier zeigt ein Werk, das mit der Drucktechnologie entstanden ist.

Der Künstler Rolf Bergmeier aus Hamburg bietet an der Pinneberger Volkshochschule Kurse an.

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19. Mai 2015, 17:15 Uhr

Pinneberg | Es riecht nach Ölfarbe und nach frisch aufgebrühtem Kaffee. Rolf Bergmeier hält eine große Tasse mit orangefarbenen Ornamenten in den Händen. Er schaut sich in seinem Atelier um, überlegt. „Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen“, sagt der 57-Jährige. Er strahlt Gelassenheit aus. Der Hamburger ist ein Vollblutkünstler. Seit fast 40 Jahren macht er sein eigenes Ding. Er stellte seine Plastiken schon auf der ganzen Welt aus. Seine Werke verkaufen sich für Summen im fünfstelligen Bereich. Nebenbei experimentiert und arbeitet er mit 3D-Druck. „Seit mehr als vier Jahren“, sagt Bergmeier, während im Hintergrund der Drucker surrt. Regelmäßig bietet er an Volkshochschulen Kurse zu der Technologie an. Nun kommt er wieder nach Pinneberg.

Geboren wurde Rolf Bergmeier 1957 in Cuxhaven. Bereits mit 20 Jahren entschied er sich für eine künstlerische Laufbahn. Er selbst nennt das „eigentlich recht spät“. Und warum die Kunst? „Niemand wird Künstler, weil er eine besonders glückliche Kindheit hatte“, antwortet Bergmeier. Mehr sagt er dazu nicht. Wie in seinen für ihn charakteristischen Werken „Öl auf Holz“ lässt er auch mit seinen Worten dem Gegenüber stets einen Interpretationsraum.

Bergmeier stellt seine Kaffeetasse auf dem kleinen Tisch in seinem Atelier ab. Lauter Farbkleckse sind darauf. Manche davon sind vielleicht schon zwölf Jahre alt. Solange liegt der Lebensmittelpunkt des Kreativen bereits im Hamburger Stadtteil Ottensen. Bergmeier gehört zu den Gründungsmitgliedern des Künstlerhauses „FRISE“. Etwa 40 Kreative arbeiten in dem Gebäude in der Arnoldstraße, das ehemals eine Berufsschule für Friseure war.

Als Künstler orientiert Bergmeier sich nicht daran, was sich gerade gut verkauft. „Ich arbeite nicht kulturreflektiv, so wie viele andere“, sagt er. Vielmehr gehe es ihm um die Untersuchung der Wirklichkeit. „Ich möchte einen Zugang zu ihr finden und Hindernisse mit poetischen Mitteln lösen“, erklärt der Künstler. Sein Hauptthema sei das Eigentliche. Der Ursprung.

Materialien, Farben, Formen – Bergmeiers Arbeit war etwa 20 Jahre lang dem fortwährenden Experiment unterworfen. Er probierte vieles aus. 1997 fand er dann seinen ganz eigenen Stil: „Öl auf Holz“. Seine Plastiken sind Netze aus Ästen, bemalt mit schwarzer Ölfarbe. Wenn man als Betrachter vor einem solchen Werk steht, erschließt es sich einem nicht auf den ersten Blick. Schwarze, kräftige Äste, die durch ihre Präsenz Leere spürbar machen. Beides bedingt einander. „Und jene Leerstelle evoziert den Kontakt zum Raum an sich und zum Nichts“, schrieb der Kunstwissenschaftler Sven Nommensen einmal zu Bergmeiers Werk. Nach 18 Jahren schwarzer Ölfarbe dringt nun in seinem Schlüsselwerk „R.I.D.“ zum ersten Mal die Farbe durch.

Der 3D-Druck wurde 1983 von dem US-Amerikaner Chuck Hull erfunden. Hull bezeichnete  seine 3D-Druck-Technologie damals noch als Stereolithografie. Im Jahr 1986 meldete er sein erstes Patent an. Anfänglich wurden die Verfahren hauptsächlich genutzt, um kostengünstige Prototypen für die Produktentwicklung, zum Beispiel in der Formel 1, herzustellen. Deswegen waren die  Anforderungen an Haltbarkeit, Qualität und Stabilität zunächst nicht sonderlich hoch. Über die Jahre kamen neue Materialien sowie leistungsfähigere Hardware und Computertechnologie hinzu. Manche Verfahren produzieren nun keine Prototypen mehr, sondern fertige Endprodukte. Unter anderem wird in der Luft- und Raumfahrtindustrie, in der Medizin- und Zahntechnik sowie in der Verpackungsindustrie mit dem  3D-Druck in Serie gearbeitet.

„Es gibt Kunst, die schaut man an und hat sie – wenn man ein bisschen Ahnung hat – schnell begriffen. Bei meinen Werken fängt das Begreifen nach zehn Wochen erst an“, sagt der Künstler. Und seine Werke finden sich mittlerweile in bedeutenden Sammlungen – unter anderem in denen von Reinking, Birkel und Preußner. Auch die Nationalgalerie Mazedonien kaufte eines seiner Werke. Dort stellte Bergmeier 2007 aus. Auch in China, Japan, Belgien, Venezuela, der Schweiz und Dänemark waren seine Plastiken bisher zu sehen. 2003 erhielt er das angesehene Pollock-Krasner Stipendium in New York.

Bergmeier selbst bezeichnet sich als semiprofessionell. Damit meint er, dass er zeitweise von seiner Kunst leben kann. Eines seiner letzten „Öl auf Holz“-Werke verkaufte sich für 20.000 Euro. Günstiger sind Reproduktionen von Arbeiten, die er mit einem 3D-Scanner kopiert und druckt.

Langsam wird’s farbig: Bergmeiers Schlüsselwerk „R.I.D.“. (Foto: Bergmeier)
Langsam wird’s farbig: Bergmeiers Schlüsselwerk „R.I.D.“. (Foto: Bergmeier)
 

Der 57-Jährige hat das Verfahren autodidaktisch erlernt. Er ist ein Pionier im 3D-Druck und einer der Wenigen in ganz Deutschland, die Kurse dazu anbieten, ohne dass ein Verkaufsinteresse für einen bestimmten Drucker dahinter steht. Der Hamburger hat sich bewusst für Volkshochschulen entschieden, um sein Wissen unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen weiterzugeben.

Viele Wissenschaftler erwarten, dass der 3D-Druck sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausweiten wird. Manche sprechen bereits von einer dritten industriellen Revolution. Die Zukunft macht Druck. Doch die vergangenen VHS-Kurse in Pinneberg waren nicht gut besucht. Bergmeiers Konsequenz: „Die Kurse werden wahrscheinlich die letzten in Pinneberg sein. Die in Hamburg setze ich fort“, sagt er. Verstehen kann er das mangelnde Interesse nicht: „Mit welcher Dynamik die Technik in alle Berufszweige vordringt und mit welcher Gleichgültigkeit Unternehmen das aussitzen, das wundert mich eigentlich.“

In Pinneberg bietet der Künstler am Donnerstag, 21. Mai, einen Einführungskursus unter dem Titel „3D-Drucken – Wie geht das?“ an. Von 18 bis 21 Uhr erläutert Bergmeier in der VHS, Am Rathaus 3, mit welchen Materialien gedruckt werden kann und was mit bezahlbaren Technologien möglich ist. Er erläutert technische Fragen wie Slicen und den 3D-Scan und bringt seinen 3D-Drucker für ein Probestück mit. Teilnahmekosten: 36 Euro. Wer dann neugierig geworden ist, kann vom 29. bis 31. Mai an „3D Drucken – So geht das“ teilnehmen. Die Teilnehmer lernen druckfähige Bauteile am Computer zu konstruieren, sowie die Funktionsweise und Bedienung eines 3D-Druckers und eines 3D-Scanners. Außerdem geht es um Analyse und Reparatur von druckbaren Dateien. Jeder Kursusteilnehmer bekommt zwei Stunden 3D-Druckzeit, um ein eigenes Bauteil zu produzieren. Voraussetzungen: PC Kenntnisse, ein USB-Stick sowie Papier und Stift. Teilnahmekosten: 132 Euro. Anmeldung unter Telefon 04121-211247 und online.
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