Neuer Blick auf Altbekanntes : Pinnebergs Wasserturm: Ein Wahrzeichen hoch über der Stadt

So sieht die Künstlerin den Wasserturm.

So sieht die Künstlerin den Wasserturm.

1912 nahm Herman Wupperman seinen Wasserturm in Betrieb. Heute eine außergewöhnliche Wohnung.

shz.de von
01. August 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Der Wasserturm, die Drostei, die Paasch-Halle, die Christuskirche an der Bahnhofstraße und der Bahnhof selbst – wie oft geht man an diesen denkmalgeschützten Gebäuden in Pinneberg vorbei, ohne sie wahrzunehmen oder zu wissen, was hinter diesen Mauern ist. Die Künstlerin Imke Stotz hat die denkmalgeschützten Gebäude in Aquarellfarben festgehalten. Stotz’ Tochter Helen Stotz liefert als Kontrast zu den bunten Bildern jeweils streng komponierte Fotos von den Originalbauwerken in klassischem Schwarz-Weiß. Elf Pinneberger Gebäude werden im Laufe der Serie vorgestellt.

Wer über die Hans-Hermann-Kath-Brücke Richtung Innenstadt fährt, sieht ihn gleich, den Pinneberger Wasserturm am Peiner Weg. Mit seinen 40 Metern Höhe ist er zwar kein Riese, hat aber im Stadtbild als historisches Gebäude großes Gewicht.

Der Wasserturm ist kein Unikat.
Foto: Helen Stotz
Der Wasserturm ist kein Unikat.
 

Der Turmbau wurde von dem Industriellen Herman Wupperman in Auftrag gegeben. 1912 war das schiefergedeckte Bauwerk fertig und galt als großer Fortschritt. Wupperman besaß für sein Werk bereits seit 1899 eine eigene Wasserversorgung durch einen kleineren Wasserturm, der in einen Werkshallenkomplex integriert war. Aber der war kein Vergleich zu dem neuen, größeren Turm, der sogar mit einem angeschlossenen Wasserwerk erbaut wurde. Der Industrielle nutzte – nach langen Verhandlungen – sein Wasserwerk dann gemeinsam mit der Stadt Pinneberg. Das mühselige Wasserschöpfen wurde für die Bevölkerung zur Erinnerung. 1952 kauften die Stadtwerke den Wasserturm und das Wasserwerk. In Funktion war der Turm dann nur noch vier Jahre.

Technische Lösung für Trinkwasserversorgung

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden überall in Deutschland Wassertürme. Sie galten als großartige technische Lösung, um die öffentliche Versorgung mit sauberem Trinkwasser in den wachsenden Städten zu gewährleisten. Außerdem garantierten die Anlagen einen kontinuierlichen, gleichmäßigen Wasserdruck.

Gelagert wurde das kostbare Nass in ganz unterschiedlichen Tankformen. In Pinneberg wurde der sogenannte Intze-Behälter verwendet. Ingenieur Otto Intze löste 1883 das Problem der Ausdehnung des Druckrings, indem er die Stützlasten auf den Schaft des Turmes ableitete. So konnte er waagerecht wirkende Kräfte ausgleichen und schädliche Spannungen verhindern. Trotz dieser und vieler weiterer klugen Konstruktionen wurden Wassertürme durch den zunehmenden technischen Fortschritt funktionslos.

Seit 1988 Kulturdenkmal

Auch der Pinneberger Turm stand seit 1956 leer. Alle möglichen Verwendungsszenarien wurden immer wieder verworfen, weil notwendige Investitionen die Stadtkasse gesprengt hätten. 1988 ist der Wasserturm dann offiziell zum Kulturdenkmal mit besonderer Bedeutung ernannt worden. Wahrscheinlich wäre der Turm zur leblosen Denkmalhülle geworden, hätte sich nicht ein tatkräftiger Handwerksmeister in das Bauwerk verliebt: Seitdem das Ehepaar Ingeborg und Erwin Kosanke den Turm 1994 von der Stadt Pinneberg erwarb und viel Geld und noch mehr Eigenarbeit in den Ausbau investierte, dient er dem Seniorenpaar als ungewöhnliche 500-Quadratmeter-Wohnung auf zehn Ebenen – inklusive grandioser Aussichtsplattform.

Der runde Backsteinbau mit achteckigem Sockel ist kein Unikat. In Husum steht sein zehn Jahre älterer Bruder. Er gleicht dem Pinneberger Turm in der Silhouette. Nur die Kugel an der Spitze, die dem Pinneberger Turm zusätzlichen Charme verleiht, fehlt. Und auch die alten Fenster haben die Husumer ersetzt – die kleinen Streben, die den Charakter der Fenster ausmachten, sind weg. Obwohl es in Schleswig-Holstein etwa 140 Wassertürme ganz unterschiedlicher Bauart gibt, ist es nicht außergewöhnlich, dass die Bauten in Husum und Pinneberg identisch sind. Es war früher durchaus Usus, gut funktionierende Systeme zu übernehmen – man musste das Rad nicht immer neu erfinden.

Zu der Serie gibt es fünf Postkarten jeweils mit den Motiven Ernst-Paasch-Halle, Wasserturm, Drostei, Christuskirche und der Bahnhof in der Geschäftsstelle des A. Beig-Verlags, Damm 9-19, zu kaufen. Eine Postkarte kostet 1,20 Euro, ein Satz mit fünf Karten fünf Euro.

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