Nach 19 Jahren : Pinnebergs Sicherheitsdienst für die Innenstadt hört auf

Mit Thomas Benk legt sich niemand an: 19 Jahre lang hat er für die Sicherheit in Pinneberg gesorgt.

Mit Thomas Benk legt sich niemand an: 19 Jahre lang hat er für die Sicherheit in Pinneberg gesorgt.

Immer weniger Kaufleute wollen für Service zahlen, obwohl die Ladendiebstähle laut Polizei angestiegen sind.

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22. Juni 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Ein Mann wie ein Schrank: Wenn Thomas Benk, 53, Geschäftsführer der Firma Sicherheits-Concept, in der Pinneberger Innenstadt patrouilliert, schüchtert er allein mit seiner körperlichen Präsenz Langfinger und Ganoven ein. 19 Jahre lang haben Benk und sein Team in der City und den Geschäften für Sicherheit gesorgt. Am 30. Juni ist Schluss damit.

Nur 20 von 45 Geschäften wollen noch zahlen

Was ist passiert? Weil immer weniger Kaufleute für den Service zahlen wollten, hört Benk auf. Von 45 Geschäften wollten zum Schluss nur noch 20 zahlen. Das lohne sich nicht mehr für Benks Firma. „Alle finden es zwar toll, wollen aber abschließend nicht in dem Umfang zahlen “, sagt Benk.

Vier Geschäftsleute seien zuletzt ausgetreten. „Ich habe den anderen Kaufleuten vorgeschlagen, den Sicherheitsdienst nur noch wochentags anzubieten, aber nicht mehr am Samstag, um den Verlust von 1000 Euro auszugleichen“, berichtet Benk, der einst Personenschutz für Diplomaten in Bosnien geleistet hat. Damit seien zwei Kunden aber nicht einverstanden gewesen. „Wir hätten dadurch im Monat 1700 Euro eingebüßt“, sagt Benk. Dafür könne er seinen Security-Service nicht mehr anbieten. Die Rechnung ist einfach: „Wenn ein Geschäftsinhaber den Sicherheitsdienst bezahlt, ist das deutlich teurer als wenn 20 bis 30 Kaufleute zahlen.“ Ob er meint, dass es noch mal zu einer Einigung kommt? „Ich glaube nicht, dass man alle wieder unter einen Hut bekommt.“

Anlass waren Trinker und Drogensüchtige am Lindenplatz

Dabei fing alles so gut an: Aufgrund einer Händlerinitiative wurde der Security-Dienst vor 19 Jahren engagiert. Anlass: Trinker und Drogensüchtige lungerten am Lindenplatz herum und belästigten die Passanten. „Bei Regen haben sie sich in die Geschäfte reingestellt“, erinnert sich Benk. Er und sein Team griffen durch. Mit Erfolg.

Auch so manchen Ladendieb schnappten der 53-Jährige und die Mitarbeiter aus seinem Team. „Erst vor zwei Wochen haben wir einen Ladendieb bis zum Bahnhof verfolgt.“ Dort wurde er dann der Polizei übergeben. Oft wurde Benk von Geschäftsinhabern gerufen, wenn sich verdächtige Personen in den Läden aufhielten. Der Security-Dienst war immer schneller dort als die Polizei. Benk ist überzeugt: „Die Situation in Pinneberg wird sich auf jeden Fall verschlechtern. Diebstähle haben zugenommen.“ Das deckt sich auch mit der aktuellen Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2017 der Pinneberger Polizei. „Die Diebstahlkriminalität macht 42 Prozent der Gesamtkriminalität in Pinneberg aus. Über 30 Prozent der Diebstähle finden in Geschäften und Läden statt“, heißt es dort. 200 Ladendiebstähle kamen 2017 zur Anzeige, neun mehr als 2016. Auch landesweit wird eine Zunahme von Ladendiebstählen verzeichnet.

Organisierte Banden

Besonders im Quellental und in der Innenstadt seien die Langfinger – laut Polizei häufig organisierte Banden aus Osteuropa – unterwegs. Drogeriemärkte seien im Fokus der Diebe, so Benk. Schon aberwitzig: Die Polizei rät übrigens, dass die Intensivierung von Security- oder Detektiveinsatz hilfreich wäre – Pinneberg geht jetzt einen anderen Weg.

Benk wird indes weiter Sicherheitsschutz anbieten. Auf eines ist der zertifizierte Sachverständige für Einbruchschutz sehr stolz: In all den Jahren bei den Einsätzen in der Innenstadt habe es nie eine Anzeige gegen ihn und sein Team gegeben.

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