Population noch stabil : Pinnebergs Parkstadt verdrängt die Kröten

Sie engagieren sich:  Marcus Jacobs (von links), Rainer Reischuck und Peter Schultes vom Umwelthaus setzen sich für den Erhalt der Natur in Pinneberg ein.

Sie engagieren sich:  Marcus Jacobs (von links), Rainer Reischuck und Peter Schultes vom Umwelthaus setzen sich für den Erhalt der Natur in Pinneberg ein.

Umwelthaus zieht Bilanz für 2017. Die Vereinsmitglieder fordern eine Gesamtlösung für die Rahwisch-Niederung.

shz.de von
28. Juni 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Noch ist die Krötenpopulation in Pinneberg nicht gefährdet, aber für die Tiere wird es enger. So wie überall in Deutschland werden die Lebensräume für alle Tiere kleiner – so lautet das Fazit der Mitglieder des Umwelthauses. Die Mitglieder des Vereins stellten am Dienstagabend im Entdeckergarten in Rellingen die Ergebnisse der Krötenzählung am Hogenkamp in Pinneberg vor.

„Die Population lag während der vergangenen Jahre bei deutlich über 1400 Tieren“, berichtet Marcus Jacobs vom Umwelthaus.   Allerdings  ändere sich das Verhältnis der Geschlechter. So  habe  es weniger weibliche Tiere und dafür mehr männliche gegeben. Warum?  „Das wissen wir nicht“, sagt Jacobs.

Mehr Molche und Frösche

Auch die Anzahl der Frösche und Molche sei  gegenüber der Zeit vor 2014 angestiegen. Einen besonderen Zuwachs habe  es zwischen 2015 und 2016 gegeben. „Es ist ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis“, betont Rainer Reischuck vom Umwelthaus. So weit, so gut.

  Doch  beide konsternieren, dass zwei Gebiete in Pinneberg-Süd für Amphibien weitgehend verloren seien: „Dazu gehört die Parkstadt Eggerstedt und der neu gebaute Eggerstedter Weg“, führt Reischuck aus. „Auf dem Eggerstedter Weg wurde im Frühjahr eine große Anzahl Erdkröten überfahren“, bedauert er. „Die Tiere werden vertrieben“, weiß Jacobs.

Hogenkamp stark befahren

Auch der Hogenkamp ist stark mit Verkehr befahren. Aber  dort gibt es einen 300Meter langen Krötenzaun. Er wurde zum 21. Mal aufgebaut. Die Tiere – vom Friedhofsgelände kommend – wollen instinktiv zum kleinen Teich wenige hundert Meter entfernt. Es ist eine Wanderung vom Winterquartier ins Laichgewässer. Die Kröten können wegen des Zauns nicht auf die Straße hüpfen  –  stattdessen landen sie in Plastikeimern. Dank des Einsatzes von Schulklassen der umliegenden Schulen können jedes Jahr weit über 1000 Erdkröten sicher über die Straße getragen werden.

„In den vergangenen Jahren hat sich jedoch das Wanderverhalten der Erdkröten verändert“, sagt Jacobs. Bis etwa  2015 gab es wenige Rückwanderer auf der Straße. Hierbei handelt es sich um  Kröten,  die, bevor ihre Artgenossen die Hinwanderung zum Teich abgeschlossen haben, schon wieder zurückwandern. „Davor haben wir von der Rückwanderung so gut wie nichts mitbekommen“, sagt Jacobs. Auch in diesem Fall gibt es nur Vermutungen: „Es könnte an der schlechten Qualität des Wassers im  Regenrückhaltebecken am Hogenkamp liegen“, sagt Reischuck. Es sei überdüngt.

Lebensräume aufwerten

Die Mitglieder des Umwelthauses haben sich Gedanken darüber gemacht, wie die verbleibenden Lebensräume für Kröten aufgewertet werden können. „Die Qualität der Laichgewässer, insbesondere des Regenrückhaltebeckens, kann durch eine natürliche Umgestaltung verbessert werden“, schlägt Reischuck vor. Verbleibende Wandergebiete könnten zum Beispiel  durch Krötentunnel dauerhaft sicherer gemacht werden, da nicht alle Straßen in dem Gebiet immerzu betreut werden könnten. Auch im Fokus der Mitglieder des Umwelthauses: der Sportplatz „An der Raa“. Er  stelle  eine tödliche Gefahr für die neu geschlüpften Erdkröten dar, da diese über die südöstliche Ecke ziehen und dabei zertrampelt werden oder in der Drainage gefangen werden.

 „Ein stabiler Krötenzaun an dieser Ecke würde die Jungtiere auf sichere Wege leiten“, schlägt Reischuck vor. Bislang ist allerdings noch nichts geschehen. Das Umwelthaus habe seine Hilfe angeboten. Es fordert für das ganze  Landschaftsschutzgebiet in Pinneberg Süd, auch als Rahwisch-Niederung bekannt, eine Gesamtlösung. Jacobs wundert sich: „Auf der einen Seite  ziehen immer mehr Menschen wegen der Natur nach Pinneberg,  auf der anderen Seite wird weiterhin Natur vernichtet. Vernetztes Denken ist nicht die  Stärke der Stadt“, sagt Jacobs.

Reischuk hob die besondere Bedeutung dieses  Areals hervor: „Wir haben hier ein tolles Gebiet mit einer tollen Natur.“ Es seien Kleinbiotope, die begehbar seien.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen