zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 02:37 Uhr

Flüchtlinge : Pinnebergs Masterplan

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Politik stellt in der Ratsversammlung die Weichen: Zentrale Unterkünfte und große Einheiten. Platz für 476 Asylbewerber.

von
erstellt am 11.Sep.2015 | 10:31 Uhr

Pinneberg | Es ist Pinnebergs Masterplan in Sachen Flüchtlingsunterkünfte: Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) hat in der Ratsversammlung am Donnerstagabend die Pläne vorgestellt, wie und wo die Asylbewerber künftig in der Stadt untergebracht werden sollen. Die Politik folgte dem Vorschlag der Verwaltung, die Unterkünfte auch zentral einzurichten. Große Einheiten sind geplant. „Das ist das erste Mal, dass ich einen zusammenfassenden Bericht bekommen habe darüber, wie sich die Situation in Pinneberg darstellt“, sagte SPD-Ratsherr Gerhard Thomssen.

Die Herausforderung ist groß: Ab Mitte September rechnet die Stadt pro Woche mit 15 neuen Flüchtlingen. Bis zum Jahresende brauchen 100 Obdachlose und 600 Flüchtlinge in der Stadt ein Dach über dem Kopf.

Steinbergs Motto: „Klotzen statt kleckern.“ Monatelang war es ein Tabu, weil es einen Rechtsstreit zwischen Stadt und DRK um das Grundstück gibt, nun spricht die Stadt davon, das DRK-Heim als Unterkunft zu nutzen. Ein Kontakt sei aufgenommen worden. „Es wird zeitnahe Gespräche geben“, so Steinberg. In dem Gebäude könnten bis zu 100 Menschen untergebracht werden. Für 36 Flüchtlinge bietet das geplante Holzhaus an der Müßentwiete Platz. Kosten: eine Million Euro. Nach dem Wunsch der Politik soll dieses Projekt im ersten Quartal 2016 realisiert werden.

Bis zu 300 Asylbewerber würden eine vorübergehende Unterkunft im Haus 3 auf dem ehemaligen Kasernengelände Eggerstedt finden. Darüber muss die Politik aber noch abstimmen. Und 40 Asylbewerber sollen in Pinneberg Mitte untergebracht werden. „Die Realisierung dieser größeren Unterkünfte verschafft uns Luft für die Planung weiterer Unterkünfte“, sagte Steinberg.

Die Kita Horn müsse zunächst für 400.000 Euro saniert werden. Für das Gebäude an der Schauenburger Straße liege das Angebot eines Investors vor, der nach der Sanierung vermieten möchte. Außerdem teilte die Bürgermeisterin mit, sie spreche Wohnungsbauunternehmen sowie potenzielle Investoren an und sichte Inserate und Mobilportale. „Im Laufe eines Jahres sind von uns 21 Wohnungen für insgesamt 114 Personen angemietet worden“, informierte Steinberg. Der Vorschlag der Verwaltung, aufgrund großer Projekte die kleinen Objekte am Thesdorfer Weg und in der Elmshorner Straße nicht mehr zu verfolgen, wurde abgelehnt. Darüber soll nun der Sozialausschuss beraten.

Eine „Carte blanche“, wie es einmal von Seiten der Politik hieß, wolle man der Verwaltung nämlich nicht geben. CDU-Ratsherr Andreas Meyer warnte vor zu großen Unterkünften. Die Politik war sich einig: Jeder einzelne Plan für eine Flüchtlingsunterkunft müsse nun vom Sozialausschuss beraten werden.

Doch so ganz ohne Kritik ging es dann doch nicht. „Wer die Nachrichten gesehen hat, kann nur erschüttert sein, welches Leid die Flüchtlinge haben“, sagte SPD-Ratsfrau Angela Traboldt. Sie kritisierte, dass in Pinneberg bislang nichts passiert sei, obwohl Geld in den Haushalt gestellt worden sei. „Wir haben Herzrasen. Es ist eine Notfallzeit, in der die Verwaltung unkonventionelle Wege gehen muss.“

„Ich hätte erwartet, den Bericht früher zu bekommen. Die Probleme sind lange bekannt“, sagte Joachim Dreher (Grüne und Unabhängige). So gehe es nicht weiter. Steinberg erwiderte, dass jede Menge Planungs- und Abstimmungsarbeiten geleistet worden seien, die „natürlich nicht sichtbar seien“. Meyer warnte: „Wir dürfen uns nicht ausruhen, auf dem, was Sie vorgelegt haben.“

Auch die SPD musste sich an diesem Donnerstagabend Kritik gefallen lassen. Sie hat für den kommenden Donnerstag eine Krisensitzung des Hauptausschusses zum Thema Flüchtlingsproblematik anberaumt. „Das ist ein schlechter Vorstoß, weil der Sozialausschuss eh auf das Thema eingehen wird“, so Dreher. CDU-Ratsherrr Bernd Hinrichs forderte, künftig vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert