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Prozess am Landgericht : Pinneberger geht freiwillig in die Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein 29-jähriger Pinneberger musste sich nun vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm 83 Straftaten zur Last gelegt. Doch am Ende wurde der Mann nicht verurteilt und auf eigenen Wunsch in die Regio-Klinik Elmshorn eingewiesen.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Itzehoe | Genau 83 Straftaten hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten, einem 29-jährigen Pinneberger vorgeworfen. Doch der zentrale Punkt der Anklage erwies sich während der Verhandlung gestern vor dem Landgericht Itzehoe als unhaltbar. Am Ende wurde der Mann nicht verurteilt. Der Pinneberger musste sich vor allem wegen Missbrauchs von Notrufen und Beleidigung, Hausfriedensbruch sowie Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung, Verstoßes gegen das Waffengesetz, Einbruch, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz verantworten.

Staatsanwältin Maxi Wantzen warf dem Mann vor, von Juni 2012 bis April 2013 insgesamt 83 Straftaten begangen zu haben vor. Allein 56 Anklagepunkte lauteten auf Notrufmissbrauch. In einer Juninacht 2012 soll der an Schizophrenie leidende Mann 56-mal die Notrufnummer 110 gewählt und dabei die Beamten der Leitstelle beleidigt haben. Offenbar hat sich bis gestern niemand die Mitschnitte der Leitstelle angehört. Zunächst stellte sich vor Gericht heraus, dass manche Aufnahmen doppelt und dreifach vorlagen. Nach etwa einem Dutzend gehörter Notrufe beendete Richter Klaus Emmermann die Anhörung. Der Angeklagte sprach zwar laut und wohl auch unbeherrscht, nur von Beamtenbeleidigungen war da wenig zu hören. ,,Da klappte die Kommunikation nicht“, so Emmermann.

Die 56 Notrufmissbrauchsvorwürfe ließ der Richter anschließend fallen. Ebenso weitere vier Vorwürfe, beispielsweise, dass der Angeklagte in Elmshorn auf der Suche nach seiner Freundin in ein Einfamilienhaus eingedrungen sei und plötzlich vor dem Bett einer Rentnerin gestanden habe. Übrig blieben 19 Beleidigungen, eine Bedrohung, ein Verstoß gegen das Waffengesetz und eine Sachbeschädigung. Freigesprochen wurde der 29-Jährige trotzdem, da er laut Gutachten wegen schwerer psychischer Störungen nicht schuldfähig ist. Die Frage lautete: Ist der Mann, der seit 2005 ständig in psychiatrischer Behandlung ist, gemeingefährlich? Nie hatte er Widerstand geleistet, wenn die Polizei ihn aufgriff und in der nächsten Psychiatrie ablieferte, nie einen anderen Menschen geschlagen.

Staatsanwältin, Verteidiger und Gericht waren sich einig: Dem Mann bleibt ein dauerhafter Wegschluss in der Psychiatrie erspart. Er wird wohl weiterhin in Behandlung bleiben. Am Ende bekam er einen neuen Betreuer. Zudem wurde er umgehend aus der forensischen Klinik Neustadt entlassen und auf eigenen Wunsch in die Regio-Klinik Elmshorn eingewiesen.

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