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Speichern der MAC-Adresse : Pinneberg und Eckernförde: Datenschützer kritisieren Handy-Ortung beim Einkaufen

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Für das Marketing werden auch in einigen Innenstädten Schleswig-Holsteins Handydaten der Kunden erfasst.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 20:16 Uhr

Pinneberg/Eckernförde | Wer in Pinneberg in der Innenstadt gemütlich shoppen geht oder in Eckernförde den Fischmarkt besucht, ahnt nichts Böses. Vor allem nicht, dass seine Handydaten heimlich im Auftrag der Stadtverwaltung ausgelesen werden. In beiden Städten will man so Kundenströme messen und für die Wirtschaftsförderung auswerten. Die MAC-Adresse – eine eindeutig einem Netzwerkadapter zugewiesene Hardware-Nummer – und das Datum sowie Uhrzeit und Ort, an dem die MAC-Adresse empfangen wurde, werden gespeichert.

„Der Datenschutz ist gewährleistet“, versichert zwar Dirk Matthiessen, Geschäftsführer des Stadtmarketings in Pinneberg. Doch davon sind nicht alle überzeugt: „Der Einsatz solcher Systeme unterminiert das Vertrauen der Menschen in WLAN-Kommunikation“, warnt der 49-jährige Ingenieur Thomas Hooge aus Pinneberg. „Wir wollen keine gläsernen Fußgänger“, betont auch Sven Lange, der für die Piraten im Kreistag sitzt. Anhand der gesammelten Daten könnte überprüft werden, ob Personen sich zu einem Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aufgehalten haben. „Anwohner sind besonders betroffen“, so Lange.

Das Tracking lässt sich nur mit dem Flugmodus verhindern

Nach einer Umfrage der Verbraucherzentrale ist die Mehrheit der Deutschen gegen die Aufzeichnung ihrer Bewegungen in Flughäfen, Einkaufszentren und Innenstädten mit Hilfe von Smartphone-Signalen. Sie fordert bessern Schutz. In einem geplanten EU-Gesetz sei vorgesehen, Offline-Tracking fast uneingeschränkt zu erlauben. Geschäfte müssten lediglich Schilder anbringen, dass sie die Technik einsetzen. Verbraucherzentralen-Vorstand Klaus Müller, Ex-Umweltminister in Schleswig-Holstein, hält das für „absolut inakzeptabel“. Verbraucher, die nicht überwacht werden wollen, hätten nur die Möglichkeit, den Flugmodus anzuschalten. „Da macht ein Mobiltelefon kaum noch Sinn.“ Die EU muss Regeln treffen, damit Verbraucher selbst entscheiden können, ob ihre Daten erhoben werden dürfen, fordert Müller.

Pinneberg ist nach Eckernförde die zweite Stadt Schleswig-Holsteins, die die Technik einsetzt. An vier Standorten installiert der Dienstleister Vitracom schuhkartongroße Scanner. Passieren Menschen diese Boxen in einem Radius von etwa 500 Metern, werden ihre Mobiltelefone erfasst, sofern die Funktion zur Suche von WLAN-Netzen aktiviert ist. Um Mehrfachzählungen desselben Geräts zu vermeiden, müssen die Gerätenummern, sogenannte MAC-Adressen, erfasst werden. Sie sollen jedoch anonymisiert gespeichert werden.

Keine Probleme in Eckernförde

In Eckernförde hängen seit einem halben Jahr sieben solcher Geräte, fünf in der Innenstadt zwei im Hafen – „völlig ohne Probleme“, wie Stefan Borgmann, Chef des Eckernförder Touristik & Marketing GmbH berichtet. Man wolle zum Beispiel wissen wie viele Menschen zum Weihnachtsmarkt kommen, oder zum Hafenfest. Die Identität der Handy-Besitzer interessiere ihn nicht, die Daten bleiben beim beauftragten Dienstleister. Und kann der sie weitergeben? „Das mag sein“, räumt Borgmann ein.

Nach Einschätzung der Datenschutzbeauftragten des Landes Marrit Hansen werden die gesammelten Daten im angewandten Verfahren nicht anonymisiert. „Wir Datenschützer sprechen von Anonymisierung, wenn wirklich kein Rückschluss auf die Person möglich ist.“ Der Anbieter spreche davon, dass Mehrfacherkennung vermieden wird. „Dann handelt es sich wohl um eine Pseudonymisierung. Die Daten sind weiter personenbezogen“, bemängelt Hansen und sieht Klärungsbedarf. Offline-Tracking berge das Risiko, dass die Informationen für gezielte Werbung und Manipulation genutzt würden. Man könne zum Beispiel speichern, welche Handys bei einer Demo am Messpunkt vorbeikommen. „Dies ist bestimmt nicht das Interesse des Stadtmarketings, aber die Technik ermöglicht eine solche Nutzung.“

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