Angesprochen und abgezockt : Pinneberg: Trickdiebe bestehlen 91-Jährigen

Auf dem Parkplatz für Menschen mit Behinderung an der Post in Pinneberg wurde Günter Baade bestohlen.
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Auf dem Parkplatz für Menschen mit Behinderung an der Post in Pinneberg wurde Günter Baade bestohlen.

Unbekannte Trickdiebe bestehlen den 91-jährigen Prisdorfer Günter Baade auf dem Parkplatz der Postbank in Pinneberg.

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07. Juli 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Ein 91 Jahre alter Rentner aus Prisdorf ist am Freitag auf dem Parkplatz der Postbank in Pinneberg von Trickdieben bestohlen worden. Dies teilte die Polizei am Montag auf Anfrage des Pinneberger Tageblattes mit. Als Günter Baade von der Post zurück zu seinem geparkten Wagen kam, lenkte ihn dort ein Mann ab, ein anderer stahl seine Jacke mit 2100 Euro Bargeld von der Rückbank des Autos, berichtete Baade im Gespräch mit dem Tag. Die Täter konnten unerkannt zu Fuß flüchten. Als das Opfer den Diebstahl bemerkte, rief es die Polizei. Polizeisprecherin Sandra Mohr kennt solche Trickdiebstähle: „Das  ist nicht selten und kommt immer wieder vor.“ Diese Masche sei aber eher selten. Mohr appelliert besonders an ältere Menschen, nicht zu leichtgläubig zu sein. Die Täter wurden als zirka 20 Jahre alt beschrieben. Die Größe wird bei beiden mit etwa 170 Zentimeter angegeben. Einer habe eine schwarze Weste und eine beigefarbene Hose getragen, der andere ein braunes Karohemd.

Freitag war kein guter Tag für Günter Baade. Der Prisdorfer ist von unbekannten Trickdieben um 2100 Euro erleichtert worden. Der 91-Jährige ist ohnehin vom Schicksal gebeutelt: Mit 20 Jahren verlor der jetzige Rentner im Zweiten Weltkrieg einen Unterschenkel und einen Oberarm. Er kann sich nur mühsam und langsam fortbewegen. Sein Trommelfell sei ebenfalls kaputt, berichtet er.

Durch seine Behinderung wurde Baade nun zum leichten Opfer einer Bande von Trickdieben: Am Freitagmittag hatte er auf dem Behindertenparkplatz neben der Post in der Pinneberger City geparkt, um am Schalter der Postbank Geld abzuheben. Als er gegen 13.50 Uhr zu seinem Wagen zurückgekommen war und die Tür geöffnet hatte, legte er seine Jacke mit 2100 Euro in Bar in der Innentasche auf den Rücksitz. „Plötzlich sprach mich ein Mann an“, berichtet der Rentner.

Die Sprache des Mannes habe er nicht verstanden, also hakte er nach, ob dieser Französisch spreche. Nach wenigen Sekunden habe der Täter ein Signal von einem Komplizen bekommen und sei verschwunden. Verdutzt blieb der Rentner zurück und bemerkte erst dann, dass seine Jacke weg war. „Die Männer müssen mich am Schalter und auf dem Parkplatz beobachtet haben“, ist sich Baade sicher. Er humpelte zurück zum Posteingang, fand dort aber nur eine Zeugin, die ihm berichtete, ein Mann sei mit der Jacke geflüchtet. „Ich habe falsch reagiert“, glaubt Baade. „Ich hätte laut schreien und um Hilfe rufen müssen.“ Baade rief die Polizei, die konnten die Täter aber nicht mehr dingfest machen.

Der Rentner glaubt, dass er von den Dieben bewusst ausgesucht wurde. „Die dachten wohl: Der alte Mann läuft schlecht. Den können wir wegschubsen und dann schnell weg. Diese Handlungsweise ist in hohem Maße widerwärtig.“

Er will die Menschen dafür sensibilisieren, in ihrem Alltag ein besonderes Auge auf Behindertenparkplätze zu haben. „Gerade da ist es ja sichtbar, dass diese Menschen Hilfe brauchen.“ Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 04101-2020 entgegen.

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