„Pinneberg rast auf den Abgrund zu“

Manfred  Stache
Manfred Stache

Grüne & Unabhängige warnen vor planloser Wohnungsbaupolitik / Verwaltung streckt bereits ihre Fühler nach Waldenau aus

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12. Mai 2018, 16:41 Uhr

Es ist kein großes Geheimnis. Wer mit offenen Augen durch die Gegend läuft, sieht, dass an vielen Stellen gebaut wird. Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Manfred Stache (Grüne & Unabhängige), der an den zuständigen Fachausschüsse teilgenommen hat, wird das Gefühl nicht los, „dass Pinneberg auf einen Abgrund zurast“. Das schreibt er in einem Rundbrief.

Die Grünen machen sich Gedanken über die Konsequenzen, die mit dem Boom neuer Wohnbaugebiete einhergehen. Stache ist sich sicher, dass es nicht genügend Schul- und Kita-Plätze geben wird. Er kann das auch mit Zahlen belegen. Laut Schulstatistik werde die Zahl der Schulanfänger und Schulanfängerinnen von jetzt 406 auf 436 im Jahr 2023 steigen. Diese Zahl beruhe auf der aktuellen Geburtenstatistik im Stadtgebiet und mache klar: „Auch in Pinneberg werden wieder mehr Kinder geboren“, so Stache.

30 Kinder mehr in den ersten Klassen, das klinge auf den ersten Blick nicht dramatisch. „Die Grundschulen sind zwar voll, aber zwei Klassen wären wohl noch zu verkraften.“ Erst wenn man berücksichtige, dass auch die Grundschüler untergebracht werden müssen, die nicht hier in Pinneberg geboren seien, sondern mit ihren Eltern in die neuen Wohngebiete zögen, werde die Brisanz deutlich, so Stache. Die Möglichkeit, durch Erhöhung der Klassenfrequenz das Problem zu lösen, sei ausgereizt. Stache geht auf die aktuelle Schulstatistik ein: 1991 waren 1353 Kinder in 71 Klassen, 2017 waren es 1620 Kinder in 70 Klassen. In diesen 70 Klassen werden inzwischen – anders als 1991 – alle Inklusionskinder unterrichtet. Stache: „Eigentlich sollten die Klassen im Zuge der Inklusion kleiner werden.“ In Pinneberg sei das Gegenteil der Fall und überall fehlten Differenzierungsräume für die Inklusion. „Um Anbauten oder sogar Neubauten im Schulbereich wird Pinneberg nicht herumkommen“, so Stache.

Aufgrund dieser Entwicklungen lehnen es die Grünen ab, größere Wohnprojekte wie sie im Rehmenfeld (B-Plan in Arbeit) und Gehrstücken geplant seien, weiter zu verfolgen. „Für eine Gewerbeansiedlung muss nicht der B-Plan geändert werden“, sagte Stache gestern auf Anfrage unserer Zeitung zu dem Sachverhalt.

Der Kommunalpolitiker nimmt auch zu neuen Plänen Stellung: Im Ausschuss Stadtentwicklung sei mit großer Mehrheit die Verwaltung damit beauftragt worden, die Möglichkeiten für Wohnbebauung in Waldenau zu untersuchen. „Die Schließung der grünen Lücke zwischen Waldenau und Pinneberg ist ein absolutes Tabu.“
Als Anlass für den Vorstoß des Bauamts, nach 15 Jahren Pause erneut die Wohnbebauung im Grüngürtel zwischen Waldenau und Pinneberg ins Spiel zu bringen, gibt die Verwaltung folgende Gründe an, wie Stache mitteilte: die Anfrage von zwei Grundeigentümern sowie der Wunsch nach zusätzlichen Wohnbauflächen im Ortsteil Waldenau. Das neue Riesenprojekt „Erweiterung des Ortsteils Waldenau“ gehe aber über die in Waldenau geäußerten Wünsche weit hinaus. Stache: Für die Befriedigung des Wohnungsbedarfs aus dem Ortsteil selbst sei das Plangebiet mehrere Nummern zu groß.


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